Der Walliser verfügt über profunde Kenntnisse in den Bereichen humanitäre Hilfe, Fundraising und Kommunikation. Mit langjähriger Erfahrung als Delegierter des IKRK in Afrika und im Mittleren Osten sowie als Journalist des «Walliser Boten» wurde er Medienchef und danach Leiter der Abteilung für Private Fundraising am Sitz des IKRK. Im Anschluss leitete Burgener die Abteilung Media und Public Relations an der Expo.02 und arbeitete als stellvertretender Kommunikationsdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Von 2009 bis Ende Dezember 2011 war er Direktionsmitglied der Kommunikationsagentur Burson Marsteller.

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Ist Spenden noch zeitgemäss, in Anbetracht der Tatsache, dass man vor der eigenen Haustüre hier in der Schweiz auf Armut stösst und man direkt helfen könnte?
Spenden war und ist auch heute zeitgemäss. Am Anfang der Glückskette, welche 1946 von Moderatoren des Westschweizer Radios ins Leben gerufen wurde, stand die Hilfe für Kriegsopfer und für Katastrophen im In- und Ausland. Diese Tradition setzt die Glückskette bis heute weiter und sammelt auch nach Unwettern in der Schweiz oder kümmert sich nach dem Subsidiaritätsprinzip darum, die Not von Einzelschicksalen in der Schweiz zu lindern. Die Glückskette hilft also auch in der Schweiz sehr direkt.

Die Glückskette wird dennoch stark mit der Hilfe nach Grosskatastrophen in Zusammenhang gebracht. Halten Sie an der eher auslandorientierten Hilfe fest?
Die Schweizer sind so offen, dass sie für die Solidarität keine Grenzen kennen. Wenn ein Land wie die Schweiz nach dem Tsunami in Asien im Jahr 2004 mehr als 220 Millionen Franken spendet, zeigt dies auf, dass man da helfen will, wo die Not entsteht. Dies hat auch mit der humanitären Tradition der Schweiz zu tun und der Qualität unserer Partnerhilfswerke, welche bei Nothilfe – besonders aber auch beim Wiederaufbau – tolle Arbeit leisten. An dieser Philosophie gibt es nichts zu rütteln. Von den fünf grössten Sammlungen der Glückskette waren zwei für Katastrophen in der Schweiz: Für die Hilfe nach den Unwettern in der Schweiz im Oktober 2000 kamen 74 und 2005 fast 50 Millionen Franken zusammen.

Wie ist der Konkurrenzkampf unter den grossen Hilfswerken? Man erhält hin und wieder den Eindruck, die Hilfswerke seien sich «das Zahnweh neidig».
Bei der Glückskette spüren wir dies nicht. Im Gegenteil: Die Hilfswerke nutzen die Plattform der Glückskette, um gegenseitig Erfahrungen auszutauschen, um voneinander zu lernen und ihre Projekte auch von unabhängigen Experten evaluieren zu lassen. Die Hilfswerke sind bei der Glückskette auch gemeinsam in den Entscheidungsprozess auf verschiedenen Niveaus eingebunden. Dies fördert den Zusammenhalt.

Was ist Ihre wichtigste Aufgabe als Direktor der Glückskette?
In erster Linie tragen wir eine grosse Verantwortung gegenüber den Spenderinnen und Spendern, die uns ihr Geld anvertrauen, sowie gegenüber den Begünstigten der Hilfe und unseren Partnerhilfswerken. Dann aber ganz besonders auch gegenüber der SRG SSR, in der die Stiftung ihren Ursprung hat und ohne die es die Glückskette nicht gäbe.

Spenden auch junge Leute?
Ja, wenn sie richtig angesprochen werden. Die Aktion «Jeder Rappen zählt» von Radio DRS 3 und SF 2 hat in den letzten drei Jahren gezeigt, dass der Solidaritätsgedanke auch in der Schweizer Jugend lebt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?
Geld gibt Sicherheit.

Wie sind Sie zum neuen Job gekommen?
Es lief ein professionelles Auswahlverfahren. Meine Erfahrungen im humanitären Bereich, im Fundraising, in der Kommunikation und meine Mehrsprachigkeit spielten eine wichtige Rolle.

Was langweilt Sie?
Langeweile ist nicht unbedingt negativ, doch habe ich kaum Zeit dazu.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
«Der Zeitreisende» von Eveline Hasler.

Was stimmt Sie traurig?
Gewisse Tendenzen, welche die humanitäre Schweiz schwächen.

Was würden Sie gerne erfinden?
Eine Applikation, welche die Zeit von Zeit zu Zeit ruhen lässt.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Sport, aktiv und passiv, wenn möglich mit meinen Kindern.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Ich beneide all diejenigen, welche sich an ein Klavier setzen und spontan in die Tasten greifen können.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?
Starke Werte stiften Werte.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Die Klimaveränderung, welche leider humanitäre Katastrophen mit sich bringt.

Was treibt Sie am meisten an?
Wenn ich durch meine Aktivität konkret etwas bewirken kann.

Welches Musikstück würden Sie als persönliche Hymne wählen?
«Wenn nid jetzt, wänn dä» von Sina.

 

Steckbrief

Name: Tony Burgener

Geboren: 14. März 1958

Zivilstand: Verheiratet

Wohnort: Region Genf

Ausbildung: Sekundarlehrer/Journalist

Bisherige Funktionen: Mitglied der Geschäftsleitung Burson Marsteller

Neue Funktion: Direktor Glückskette, Genf