In dieser Funktion präsidiert er den 24-köpfigen Verwaltungsrat der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft als auch den siebenköpfigen Verwaltungsrat der Schweizerischen Mobiliar Holding; dieser ist identisch mit den Verwaltungsräten der Firmen der Gruppe: Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft, Schweizerische Mobiliar Lebensversicherungsgesellschaft sowie Schweizerische Mobiliar Asset Management. Der bisherige CEO übernimmt das Präsidium von Albert Lauper(68), der nach acht Jahren zurückgetreten ist. Lauper stand 44 Jahre lang im Dienste der Mobiliar. Gleichzeitig tritt der designierte Mobiliar-CEOMarkus Hongler(53) die Nachfolge von Berger als Konzernchef an, der diese Position die vergangenen acht Jahre innehatte.

Dass Sie an der Delegiertenversammlung der Mobiliar vom 26. Mai 2011 in Bern unangefochten zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden, stand schon seit eineinhalb Jahren fest. Inwiefern hat dieses Wissen Ihre letzten 18 Monate als CEO beeinflusst?

Urs Berger:
Es hat mir und allen Mitarbeitenden Zeit gegeben, umzudenken.

Was haben Sie getan, um keine «Lame Duck» zu werden? Haben Sie sich dagegen versichert …
Lahme Enten versichern wir noch nicht, nur Hunde und Katzen! Ich war bis zur GV ziemlich hochtourig unterwegs, die Mobiliar fährt ihre Aktivitäten nicht einfach herunter, nur damit der alte und der neue CEO gemütlich ein- und aussteigen können!

Nach acht Jahren als Konzernchef halten Sie die operativen Zügel nicht mehr in Ihren Händen. Wie lange wird die Leine, an der Ihr Nachfolger Markus Hongler
sich bewegen darf oder kann?

Ich habe keinen Befehlsempfänger als Nachfolger gesucht, sondern einen operativen Chef mit grosser Erfahrung und vielen Ideen. Das bringt Markus Hongler mit.

Sie haben nun sicher mehr Freizeit. Oder decken Sie sich mit neuer Arbeit ein? Sie sind etwa designierter Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes.
Es sind auch noch ein paar andere Mandate, vor allem in Bern, dabei. Dieser Wirtschaftsstandort ist mir ans Herz gewachsen! Doch insgesamt stelle ich mir vor, meine Arbeit «in einer gesunden 42-Stunden-Woche» unterzubringen.

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Die Mobiliar ist bekannt für ihre Schadenskizzen-Werbung. Wenn Sie ein Sujet wären, wie würde es aussehen oder was für einen Spruch würden Sie dazu texten?
Die Sujets für unsere Skizzen ergeben sich aus Schadenfällen. In der Mobiliar werde ich jedoch nicht als Schadenfall eingestuft.

Die Mobiliar ist eine Genossenschaft, die nicht dazu verdammt ist, irrsinnige Profite zu machen. Gibt es Gewinn, wird dieser gar mit den Kunden geteilt. Wie wichtig ist Ihnen persönlich Geld?
Es ist ein grosses Privileg, wenn das Geld nicht den höchsten Stellenwert im Leben geniesst. Für mich gilt aber auch: Eine gute Leistung soll entsprechend honoriert werden.

Was langweilt Sie?
Desinteresse und Gedankenlosigkeit.

Womit haben Sie als Kind am liebsten gespielt?
Mit dem Trampiauto.

Welches Buch hat Sie beeindruckt?
«Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer. Kommunikation nur per Mail, hightech und hightouch.

Was stimmt Sie traurig?
Armut und Kinderelend.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Frisch gewagt ist halb gewonnen!

Wie wichtig ist Ihnen ein Leben ausserhalb der Arbeit?
Was ist das? Work-Life-Balance ist ein Unsinn. Ich kenne nur die Life-Balance, da gehört die Arbeit dazu.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung ausserhalb der Arbeit?
Sport – aktiv – und Musik.

Was für ein Auto fahren Sie?
Vom Trampiauto zum Jaguar.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
Weisheit.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Umweltbelastung.

Was treibt Sie derzeit am meisten an?
Die immer knapper bemessene Zeit.

Was würden Sie gerne erfinden?
Das naturschonende Perpetuum mobile.

Was kochen Sie gerne?
Ein Drei-Minuten-Ei.

Welchen kulinarischen Genüssen können Sie nicht widerstehen?
Italianità.

Welchen Traum wollen Sie sich erfüllen?
Auf einer geraden Linie durch die Schweiz wandern.

Welches Musikstück würden Sie als persönliche Hymne wählen?
«Pomp and Circumstances» von Sir Edward Elgar.

Steckbrief

Name: Urs Berger
Geboren: 28. April 1951
Zivilstand: Verheiratet, drei Kinder (zwei Töchter und ein Sohn)
Wohnort: Therwil BL
Ausbildung: HSG St. Gallen
Bisherige Funktion: Chief Executive Officer, Mobiliar, Bern (25. Mai 2003 bis 26. Mai 2011)
Neue Funktion: Verwaltungsratspräsident, Mobiliar, Bern (seit 26. Mai 2011)