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SIX-Präsident Gomez: «unerträgliche Kakofonie» auf dem Finanzplatz

Der abtretende SIX-Präsident Peter Gomez war nicht immer mit der Politik und Aufsichtsbehörde zufrieden. (Bild: Keystone)

Peter Gomez rechnet ab: In einem Interview blies der abtretende Präsident der Börsenbetreiberin SIX Politikern und Aufsichtsbehörden den Marsch für ihren Umgang mit den Schwierigkeiten auf dem Schweiz

Veröffentlicht am 30.03.2013

Die Finanzbranche trage eine grosse Mitschuld am Verlust ihrer Glaubwürdigkeit, erklärt Peter Gomez, abtretender Präsident der Börsenbetreiberin SIX. Es brauche nun eine Gruppe von «renommierten Persönlichkeiten» aus Politik und Wirtschaft, die sich darum bemühe, das Vertrauen in den Finanzplatz zurückzugewinnen.

Wenn er nach seinem Abschied bei der SIX «nochmals etwas im Finanzbereich unternehmen sollte, dann würde ich auf diesem Thema arbeiten», sagte Gomez in einem am Samstag erschienen Interview mit der «Basler Zeitung». Konkretere Angaben zu einem solchen Engagement machte er aber nicht.

Er wolle wieder mehr forschen, sagte der 65-jährige emeritierte Wirtschaftsprofessor, der das SIX-Präsidium Ende Mai an den Lausanner Bankier Alexandre Zeller abgibt. Schon seit einigen Jahren gehe er der Frage nach, «wie man messen kann, welchen Wert ein Unternehmen für die Gesellschaft kreiert.»

Im Zeitungsinterview zog Gomez eine positive Bilanz seines siebenjährigen SIX-Präsidiums. Auf dem Finanzplatz habe zeitweise eine «fast unerträgliche Kakofonie» geherrscht. Schliesslich habe der Präsident der Bankiervereinigung ihn letztes Jahr gebeten, einen Aufruf zur Einheit an die Finanzbranche zu richten.

Punkto Finanzmarktpolitik des Bundesrates sei es schliesslich gelungen, die gemeinsamen Anliegen der Branche in die Strategiepläne von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf einzubringen. Dabei pocht die Branche auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie den Zugang zum EU-Markt.

Druck auf Finma und Widmer-Schlumpf

Um dies zu erreichen, brauche es Prinzipien der Regulierung, an denen die Finanzmarktaufsicht (Finma) gemessen werde, sagte Gomez. Diese seien im neuen Bericht zur Finanzmarktpolitik nun endlich enthalten, nachdem die Finma in den letzten Jahren «mehr oder weniger tun und lassen konnte, was sie wollte».

Die Aussagen von Finma-Direktor Raaflaub, wonach das Wohl der Konsumenten wichtiger sei als die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche, stehe klar im Widerspruch zum gesetzlichen Auftrag der Finma, sagte Gomez weiter.

Er unterstelle Raaflaub absolut nicht, vorsätzlich gegen den Finanzplatz zu handeln: «Wir haben es hier mit einem systemischen Problem zu tun.» Es gehe um Governance, also um Führung und Überwachung. Diesbezüglich sei der «zeitweilige Slalomlauf» von Finanzministerin Widmer-Schlumpf «nicht gerade vertrauensbildend» gewesen.

Dabei bezieht sich Gomez darauf, dass Widmer-Schlumpf «fünf Minuten vor Abschluss» des Berichtes zur Finanzmarktstrategie eine Expertengruppe rund um Professor Aymo Brunetti eingesetzt hatte - ohne Bankenvertreter.

Inzwischen fordert der Ständerat zusätzlich eine Task Force zur Zukunft des Finanzplatzes. Davon verspricht sich Gomez «realitätsnahere Ideen», weil in dieser Gruppe nebst Wissenschaftlern und Behördenvertretern auch Praktiker aus der Finanzbranche Einsitz nähmen.

(jev/sda)

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