Dieter Kellers Büro liegt in einer alten Fabrik etwas südlich des Stadtrings. Er ist der Finanzchef der Panalpina, seit Mitte September in Moskau. Keller ist ein dynamischer
 Typ: Sportlich, schwungvoll,
 gut gelaunt. Die russische 
Belegschaft respektiert ihn. 
Man geht zuvorkommend 
und höflich mit ihm um,
 wie mit einem amerikanischen Austauschschüler in
 einem Gymnasium.

Keller sagt, er arbeite gerne im Ausland und im Moment ist es eben Moskau. Trotz dem Krieg in der Ukraine, trotz dem Mord an Boris Nemzow ist Moskau auch eine der ruhigeren Stationen in Kellers Karriere. Er arbeitete auch schon im Liberia des Diktators Charles Taylor. Vor kurzem waren Keller und seine Frau mit einem russischen Paar essen. Es ging nicht um den Krieg, es ging darum, warum Russland so abhängig ist vom Ölpreis und warum eigentlich in den 25 Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nichts anderes aufgebaut wurde als Öl.


Exotischer Staat mit Atombombe

Nur manchmal funkt bei Keller der Krieg dazwischen. Panalpina hat auch ein Büro in Kiew, und wenn er dort anruft, interessiert sich der Geschäftsmann auch für Truppenbewegungen. Aber letztendlich ist das auch nichts Neues, Keller kennt das aus Afrika. Es gibt zwei Wege für einen Schweizer, in Moskau zu arbeiten: Man versteht Russland als fast europäischen Staat und ist betroffen über alles, was da falsch läuft.

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Aber das macht depressiv, wenn man dort lebt. Oder man versteht Moskau als kaltes Afrika und freut sich, dass man trotzdem keine gepanzerten Fahrzeuge braucht. Russland als kaltes Afrika zu sehen, ist kurzfristig wohl die angenehmere Variante: Das schafft Distanz zwischen Russland und dem Ich, die Distanz der Exotik. Man darf dann nur nicht allzu lange darüber nachdenken, sonst fällt einem auf, dass dieser exotische Staat fast vor der Haustür liegt, dass er atomar bewaffnet ist und sich gerade vor der Wirtschaftskrise in den Nationalismus flüchtet.

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