Ob Mann oder Frau – die Ansprüche an einen neuen Job sind doch meist dieselben: Herausforderung, Wertschätzung, ein nettes Team und ein guter Chef. Und auch Unternehmen machen in ihren Stellenanzeigen eigentlich keinen Unterschied zwischen den Bewerbern. Und doch lassen sich gerade Frauen manch einen Job entgehen, weil sie sich von den Stellenbezeichnungen und Leistungsanforderungen in Inseraten einschüchtern lassen.

Das fängt schon mit dem Jobtitel an: Steht über einer Bewerbung «Senior Manager» spielt für viele Frauen auch der Zusatz «(m/w)» keine Rolle mehr: Mit dem Begriff verbindet man eine «männliche» Jobbezeichnung. Zu diesem Schluss kommt das Jobportal Jobware, das gerade in einer Eye-Tracking-Studie untersucht hat, wie Männer und Frauen auf Stellenanzeigen reagieren.

Viele lesen nur die Überschrift

So sollten Unternehmen in Inseraten auch Schlüsselbegriffe wie «Kommunikationsfähigkeit» und «flexible Arbeitszeiten» verwenden, wenn sie gezielt Frauen ansprechen möchten. Die Studie zeigt zudem, dass Frauen sich sehr viel intensiver und kritischer mit den Anzeigen auseinandersetzen – während Männer ihre Fähigkeiten gerne überschätzen.

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Bewerbungscoach Christina Panhoff weiss, wie wichtig es ist, Stelleninserate gründlich zu lesen: «Viele Bewerber lesen nur die Überschrift und haben keine Ahnung, welches Problem ein Unternehmen gelöst haben will. Deshalb passt die Bewerbung oft nicht zur Anzeige.» Die Expertin erklärt die häufigsten Ursachen, warum eine Bewerbung nicht zum gewünschten Erfolg führt:

1. Zu wenig Zeit investiert

Fünf Sekunden. So lang beschäftigen sich Frauen laut der Studie mit dem Anforderungsprofil von Stellenanzeigen. Nicht viel? Im Vergleich zu Männern schon. Die gucken nämlich schon nach 1,17 Sekunden wieder weg. Für Bewerbungscoach Christina Panhoff ein Unding. Sie empfiehlt, Anzeigen genau zu analysieren, von Anfang bis Ende. Das kann schon mal eine Stunde dauern. Doch nur, wer sich die Ausschreibung genau anschaut und am besten gleich Notizen dazu macht, weiss auch, was die Firma sucht – und ob das eigene Profil dazu passt. «Wer sich die Zeit nimmt, sich mit der Anzeige und dem Unternehmen zu beschäftigen, hat schon die Basis für eine gute Bewerbung gelegt.»

2. Nicht auf die Anforderungen eingegangen

In der Regel listen Unternehmen genau auf, was sie von einem Bewerber erwarten.  Meist sind das zuerst fachliche, dann soziale Fähigkeiten. «Wenn man bei 75 Prozent der Aufgaben sagen kann: Ja, das kann ich, dann sollte man sich auch bewerben», so Panhoff. Zu viel Zurückhaltung schadet nur – Selbstüberschätzung aber auch.

Panhoff rät, ehrlich zu sich selbst zu sein. Wenn ein Unternehmen Belastbarkeit fordert, sollte man sich fragen, ob man bereit ist, 60 bis 80 Stunden in der Woche zu arbeiten. Wenn das Unternehmen Begeisterungsfähigkeit einfordert, sollte man wissen, wie enthusiastisch man den Herausforderungen begegnen kann. Hat man jedoch zu jeder Anforderung ein Beispiel parat, bringt man auch die nötigen Fähigkeiten mit.

3. Die falschen Kriterien angesetzt

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Natürlich macht es keinen Sinn, sich auf einen Programmierer-Job zu bewerben, wenn man die Programmiersprache nicht beherrscht. Andererseits nehmen es gerade Frauen oft viel zu genau mit den Kriterien, die verlangt werden. «Wenn beispielsweise die Planung eines grossen Events vorausgesetzt wird, man aber nur Erfahrung mit der Planung kleinerer Veranstaltungen hat, dann sollte man sich davon nicht abschrecken lassen», rät Bewerbungscoach Panhoff. Die wichtigsten Anforderungen stehen immer oben im Jobprofil. «Und die sollte man erfüllen.» Eher unwichtige Fähigkeiten wie der Umgang mit einem bestimmten Computerprogramm könne man sich auch später noch antrainieren.

Und selbst wenn etwas nicht hundertprozentig passt: Bloss nicht ausführlich dafür entschuldigen, dass man eben noch nie ein Protokoll geschrieben hat oder nicht weiss, wie man Makros in Excel baut. «Man lenkt den Blick immer aufs Positive», erklärt Panhoff. Das heisst: Die eigenen Stärken betonen und dann lieber erwähnen, dass man bereit ist, sich weiterzuentwickeln.

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4. Lücken im Lebenslauf

Die Zeit zwischen zwei Jobs genutzt, um ins Ausland zu gehen? Einfach nicht sofort eine Stelle gefunden nach dem Studium? Kind bekommen? Viele Bewerber wissen nicht, wie sie solche Abwesenheiten thematisieren sollen, die Angst vor der Lücke ist nach wie vor da. Coach Panhoff gibt Entwarnung: «Familienzeit oder Work-and-Travel – das sind keine Lücken», betont sie. Lücken seien Phasen, die unerklärt bleiben. Aber die Zeit der Jobsuche, als Hausfrau oder der Auslandsaufenthalt, das sollte man einfach so in den Lebenslauf aufnehmen. «Aber nicht schreiben: ‘War Managerin eines kleinen Familienunternehmens’, das ist 90er», meint Panhoff. Welche Formulierung man am Ende aber wählt, spielt keine Rolle, Hauptsache es entstehen keine unerklärten Lücken von mehr als drei Monaten.

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5. Die äussere Form stimmt nicht

Ob im gedruckten Lebenslauf oder im Online-Profil: Wichtig ist, dass die Informationen aktuell sind, möglichst präzise und ansprechend aufbereitet. Das bedeutet auch: keine Tippfehler, keine Kaffeeflecken, keine Eselsohren – und keine peinlichen Urlaubsfotos. In Deutschland ist nach wie vor wichtig, dass ein ansprechendes Foto beiliegt. Anonymisierte Bewerbungen haben sich nämlich nicht durchgesetzt.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.