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Altersreform
So viel kostet Sie Bersets Altersreform 2020

Unternimmt man nichts, wird die AHV im Jahr 2030 rund acht bis zehn Milliarden Franken Verlust pro Jahr schreiben.

Bei der Rentenreform stellt sich die Grundfrage: Lieber 1 Prozent mehr Mehrwertsteuer zahlen oder 17 Monate später in die Pension gehen?

Von Martin Vetterli («Beobachter»)
am 16.06.2016

Alain Bersets Reform der Altersvorsorge geht uns alle an. Denn sie wird einmal darüber entscheiden, wie lange wir arbeiten müssen, wie viel Rente wir erhalten werden und wer dann wie viel für unsere Renten zahlen muss.

Dass es eine Reform der 1. und 2. Säule braucht, ist unbestritten. Unternimmt man nichts, wird die AHV im Jahr 2030 rund acht bis zehn Milliarden Franken Verlust pro Jahr schreiben. Und die berufliche Vorsorge wird schon vier früher das Gleichgewicht verlieren und zum Sanierungsfall. Die seit Jahren heiss diskutierte Frage ist, wie diese Reform umgesetzt werden sollen.

Der Reformvorschlag des Bundesrats, der noch bis Ende März in der Vernehmlassung ist, versucht, einen Ausweg aus dem politischen Patt der letzten 15 Jahre zu finden. Seine beiden Kernstücke: Die Rentenleistungen sollen nicht sinken und das Rentenalter nicht über 65 Jahre steigen.

Damit ist sie eine klare Absage an die Pläne der Bürgerlichen und ihrer Thinktanks, die eine – schrittweise – Erhöhung des Rentenalters auf 67 für unumgänglich halten. Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) zeigen jetzt, dass eine Anhebung der Mehrwertsteuer um 1 Prozentpunkt gleich viel Geld in die Kassen der AHV spielt wie die Erhöhung des Rentenalters um 17 Monate.

Die wichtigsten Punkte der Reform

  • Das Rentenalter der Frauen soll auf 65 angehoben, der Rentenbezug flexibler gestaltet werden. Altersleistungen können danach frühestens mit 62 und müssen spätestens mit 70 bezogen werden.
  • Mit dem Vorbezug der ganzen AHV-Rente soll die Beitragspflicht der Nichterwerbstätigen enden. Ihnen soll aber die Möglichkeit offenbleiben, ihre Beiträge freiwillig bis 65 weiterzuzahlen, um so mehr Rente zu erhalten.
  • Als Ausgleich zur Erhöhung des Referenzrentenalters sollen die AHV-Renten von Frauen mit tieferen und mittleren Einkommen weniger stark oder überhaupt nicht gekürzt werden.
  • Der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge soll von 6,8 auf 6,0 Prozent gesenkt werden. Im Gegenzug werden Altersgutschriften erhöht und der sogenannte Koordinationsabzug gesenkt.
  • Um die Reform finanzieren zu können, soll die Mehrwertsteuer in zwei Schritten bis 2029 um insgesamt 2 Prozent erhöht werden.

Wie aber würde sich die Reform auf die Einzelnen auswirken? Dazu hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) genaue Berechnungen für ganz unterschiedliche Personengruppen angestellt.

Hier sieben konkrete Rechenbeispiele:

Alleinerziehende, 1 Kind, 4000 Franken Monatseinkommen

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 26 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 79 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 299 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 78 Franken sinken.

Einzelperson, 4000 Franken Monatseinkommen

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 24 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 79 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 299 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 78 Franken sinken.

Paarhaushalt, 1 Kind, Monatseinkommen 6000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 32 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 148 Franken.

Entlastungen und Nutzen:Die AHV-Rente bleibt gleich.

  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 611 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 98 Franken sinken.

Paarhaushalt, 2 Kinder, Monatseinkommen 8000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 38 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 136 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 483 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 170 Franken sinken.

Paarhaushalt, 2 Kinder, Monatseinkommen 13'000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 56 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 126 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 349 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 257 Franken sinken.

Paarhaushalt, keine Kinder, 12'000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 52 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 177 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge steigt monatlich um 279 Franken.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 258 Franken sinken.

Paarhaushalt, 2 Kinder, Monatseinkommen 15'000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 65 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 83 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge bleiben gleich.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 397 Franken sinken.

Paarhaushalt, 2 Kinder, Monatseinkommen 18'000 Franken

Mehrkosten:

  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozent führt zu zusätzlichen Ausgaben pro Monat von etwa 77 Franken.
  • Die Lohnabzüge für die AHV bleiben gleich.
  • Die höheren Lohnabzüge für die Pensionskasse führen zu monatlichen Kosten von 83 Franken.

Entlastungen und Nutzen:

  • Die AHV-Rente bleibt gleich.
  • Die Rente der beruflichen Vorsorge bleiben gleich.
  • Ohne Ausgleichsmassnahmen würden die Renten um monatlich 398 Franken sinken.

Dieser Artikel erschient zuerst beim «Beobachter» unter dem Titel Altersreform 2020: So viel kostet Sie Bersets Altersreform.

Mehr zur Altersvorsorge bei «Guider», dem digitalen Berater des «Beobachter».

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