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So wurde dieser Ex-Häftling ein erfolgreicher Gründer

So wurde dieser Ex-Häftling ein erfolgreicher Startup-Gründer
Von Drogen zu Drohnen: Gründer Ziskin. ZVGQuelle: zvg

Zwölf Jahre verbüsste Louis Ziskin wegen Drogenhandel. In der Haft kam die Reue – und der Entschluss, in Freiheit als Unternehmer durchzustarten. Der Ex-Kriminelle schildert seinen Weg zum Erfolg.

Von Lucas Negroni
2017-11-02

Früher waren Sie kriminell und wurden wegen des grössten Ecstasy-Fundes in der Geschichte der USA verhaftet. Warum haben Sie sich zum Gründer gewandelt?
Louis Ziskin: In Haft begriff ich, dass ich einen Riesenfehler gemacht und grossen Schaden angerichtet hatte: Ich hatte es Leuten ermöglicht, Drogen zu nehmen. Ich rede oft mit Jugendlichen und ich ­erzähle ihnen von den Fehlern in meiner Vergangenheit. Ich sage ihnen nicht, dass sie bei McDonald’s arbeiten, sondern dass sie ihre Träume behalten sollen. Denn in der Tech-Industrie gibt es jeden Tag eine neue Chance, die es am Tag zuvor nicht gegeben hat.

Was ist das Besondere an Ihrem Startup Dropin?
Wir sind eine Video-Kollaborationsplattform in Echtzeit und bieten unseren Dienst Versicherungen, Autohändlern und Medienunternehmen an. Das Neue an unserem Produkt ist die sehr geringe Verzögerung beim Livestream der Videos. Facebook Live oder Periscope bieten etwas Ähnliches an, ihre Videos sind zwar in sehr guter Qualität, zeigen aber etwas, das vor ein oder zwei Minuten geschehen ist. Wir haben eine Latenzzeit von nur einer halben Sekunde.

Wann kam der Gedanke zu Dropin?
Das war im April 2015. Ich las gerade die Regelungsvorschläge der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde für kommerzielle Drohnenpiloten – etwas, das nur ein ehemaliger Häftling auf ­Bewährung tun würde, denn es ist eine sterbenslangweilige Lektüre. Jedenfalls stand da, dass der Pilot die Drohne in Sichtweite haben muss. Ich dachte mir sofort: «Man muss nicht die Drohne, sondern den Piloten kontrollieren!» Also rief ich einen Freund an, der bei Samsung als Leitender Ingenieur arbeitet, und erklärte ihm, was ich wollte. Er gab mir eine Liste mit technischen Details, von denen ich nichts verstand. Ich engagierte zwei Entwickler, erzählte ihnen nicht voneinander und liess sie an einem Case arbeiten, der dann meine Demo wurde.

Sie waren ein Newcomer in diesem ­Geschäft. Welche Hürden gab es für Sie?
Wenn ich Leuten von meiner Idee erzählte, sagte jeder: «Oh, du brauchst eine Marktanalyse, du brauchst dies und das.» Und ich dachte mir: «Warte mal, niemand sonst macht das? Vergiss Marktanalysen, wir bauen es einfach.» In den drei Monaten, die sie mit Marktanalysen verbringen wollten, hatte ich bereits eine funktionierende Demo. Meine Strategie ist: Ich bewege mich so schnell wie möglich. Andere Leute bewegen sich bedächtig. Aber die Leute, die Erfolg in der Tech-Industrie haben, bewegen sich so schnell wie möglich, und wenn sie ­fallen, stehen sie sehr schnell wieder auf.

War Ihre Vergangenheit jemals hinderlich für Sie?
Ja. Die meisten Kapitalinvestoren können aus vertraglichen Gründen nicht in mich als verurteilten Straftäter inves­tieren. Ich habe alles mit Privatgeld von Freunden und Familie gestemmt. Ich nehme kein Gehalt, wir haben keine schicken Büros, wir stecken 70 Prozent unseres Geldes in die Technologie und 30 in Betriebsausgaben. Das ist genau das Gegenteil von jeder anderen Tech-Firma. Aber deshalb haben wir mit 5 Millionen Dollar in zwei Jahren das erreicht, wofür unsere Konkurrenten 12 Millionen Dollar und sechs Jahre brauchen. Iro­nischerweise hätte ich diese Zugkraft nie mit Kapitalinvestoren bekommen.

Wie wird die Technik eingesetzt?
Angenommen, jemand hat einen Wasserschaden zu Hause und ruft bei der Versicherung an. Gewöhnlich schicken sie einen Mitarbeiter in drei bis vier Tagen vorbei. Mit Dropin sendet die Ver­sicherung dem Kunden einen Link aufs Handy. Wenn er diesen anklickt, öffnet sich die Kamera und ein Livestream ­beginnt. Der Versicherungsfall wird so viel schneller bearbeitet und der Kunde kann schneller zu einem geregelten Leben zurückkehren. Das Gleiche bieten wir übrigens mit Drohnen an. Mit unserer App kann man an jedem beliebigen Ort auf der Erde eine Drohne bestellen, genau wie ein Uber oder ein Lyft. Der Pilot geht an den betreffenden Ort, lässt die Drohne in die Luft steigen und beginnt einen Livestream mit dem Kunden, der ihm genau sagen kann, wo er hinfliegen soll. Diese Technik eignet sich für Dachinspektionen, Kontrollflüge über Firmengelände oder Immobilien.
 

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