Unterstützung von unerwarteter Seite für die Gewerkschaften, die angesichts der aktuellen Euro-Stärke von der Nationalbank eine Anhebung des Mindestkurses von 1.20 auf 1.25 oder 1.30 Franken fordern.

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sagt in der Zeitung «Der Sonntag», es wäre nun ein guter Moment für einen höheren Euro-Mindestkurs. «Die Nationalbank hat richtigerweise interveniert und die Mindestgrenze von 1.20 eingeführt und gehalten. Denn der überbewertete Franken hat der Schweizer Industrie geschadet», sagt Stiglitz.

Und er ergänzt: «Zurzeit erleben wir in Europa eine teilweise Rückkehr des Vertrauens, und das schlägt sich in einem stärkeren Euro nieder. Das halte ich aber für vorübergehend, weil die fundamentalen Probleme der Euro-Zone nicht gelöst sind. Die Stärke des Euro ist kurzfristig.»

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Stiglitz folgert daraus: «Noch immer ist der Franken überbewertet. Angesichts der vorübergehenden Erholung des Euro könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, den Mindestkurs anzuheben. Eine Volkswirtschaft mit einer überbewerteten Währung hat Schwierigkeiten, zu wachsen.»

Hintergrund dieser Analyse ist Stiglitz‘ Meinung, dass «ein signifikantes Risiko besteht, dass wir in der Euro-Zone in einem Jahr wieder vor einem Desaster stehen.» Dieses Risiko werde zurzeit unterschätzt, die Krise mache «bloss eine kleine Atempause.»

(rcv)