Es gibt nur wenige Unternehmen, die in den vergangenen Jahren nicht schlanker und effizienter geworden sind. Der rasante Übergang zur Wissensökonomie und Globalisierung hat die wirtschaftliche Landschaft in eine riesige Baustelle verwandelt. Akquisitionen, Auslagerungen, Verkäufe, Wechsel im obersten Management und Kurskorrekturen haben Mitarbeiter und Kunden aufgeschreckt. Inzwischen hat sich die Lage am Personalmarkt gründlich verändert. Von Arbeitslosigkeit ist in der von diesem Problem weitgehend verschonten Schweiz kaum mehr die Rede. Stattdessen drückt die Arbeiterlosigkeit. Der Kampf um Talente ist wieder ein Thema.

Bei globalen Unternehmen hat E-recruitment die grösste Bedeutung. Die Firmen haben ihre Websites stark ausgebaut und nützen praktisch alle Jobkanäle. In der Regel bedienen sie sich gezielt der unterschiedlichsten Beschaffungskanäle. Bei der Credit Suisse beispielsweise sind das neben der Firmen-Website auch Printmedien, Online-Portale oder die Zusammenarbeit mit externen Vermittlungsfirmen. Intra- und Internet werden intensiv genutzt.

Jobs auf interne Empfehlung

Je nach Vakanz schreibt die Grossbank die Stellen an geeigneten Orten aus, manchmal auch im Ausland. Die Rekrutierung von Mitarbeitenden aufgrund interner Empfehlungen – in der Regel gegen eine Vermittlungsprämie – stellt bei der CS eine erfolgreiche Variante der Mitarbeiterbindung dar, so die Auskunft von Nicole Sabine Pfister-Bachmann, Communication Private Banking Division. Diese Praxis hat auch in anderen grossen Schweizer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen Konjunktur.

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Bei Grossunternehmen sind Karriereplanung, Weiterbildung, Altersvorsorge, Fitness- und Gesundheitsprogramme, Mutter- und Vaterschaftsurlaub, Kindertagesstätten und vieles mehr längst fest integrierter Teil der Unternehmenskultur. In einigen Firmen werden die vielreisenden Mitarbeitenden häufig auch mit einem Service verwöhnt, der Kleider und Anzüge reinigt und anschliessend an den Arbeitsplatz zurückbringt.

PricewaterhouseCoopers bietet einiges zur Entspannung: Am neuen Firmensitz wurde ein Sphäre-Raum mit ästhetischen Chillout-Liegen aus Leder eingerichtet und ein Ruheraum mit Massagestuhl. Mitarbeitende bedienen sich täglich an frischen Früchten und Getränken, abends lockt irgendwo eine Afterwork-Party.

Doch ist für alle Human-Resources-Verantwortlichen klar: Laufbahnprogramme, Weiterbildung, ein motivierendes Arbeitsklima, das Mitarbeiter dazu inspiriert, Wissen und Fähigkeiten wirklich einzusetzen, sind und bleiben das A und O der Mitarbeiterrekrutierung und -bindung.

Was die Mitarbeiterbindung am stärksten positiv beeinflusst, ist auch gemäss UBS nicht die Entlöhnung, sondern attraktive Weiterbildung, hervorragende Karrieremöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, die auf Eigeninitiative und unternehmerisches Denken setzt.

Work-Life-Balance gewinnt

Ähnlich werden auch bei Swiss Life konsequent High Potentials identifiziert und gefördert, um sie in verantwortungsvollen Funktionen, als Führungskraft, Spezialist oder Projektleiter gezielt einzusetzen. Der Versicherer gibt auch Kadermitgliedern die Möglichkeit, Teilzeit oder teilweise von zu Hause aus zu arbeiten.

Vieles für die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter tut auch die Ciba. Dass diese den Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Aufgaben ausführen und Weiterbildung on the job und an Kursen sowie umfassenden externen und internen Seminaren zum Programm gehört, ist das eine. Andererseits kommen Ciba wie auch andere Unternehmen zunehmend mit der Jahresarbeitszeit dem Wunsch entgegen, das berufliche und private Zeitmanagement flexibel zu gestalten und Mitarbeitende mit Familienpflichten zu unterstützen.