Für Frauen und Männer ist es an der Zeit, falscher und missbräuchlicher Autorität entgegenzutreten mit der Kraft des Wissens, dass die Wahrheit immer überlebt.» Die Botschaft von Sonja Buholzers neuem Buch «Die Frau im Haifischbecken» lautet: Wer mit Haien taucht, hat auch gelernt, sich der Angst zu stellen. Auch im Umgang mit Haien in der Welt des Business.

Der Hai ist für die studierte Naturwissenschafterin zum Synonym geworden für Befreiung schlechthin. «Der Mensch partizipiert an seiner über 420 Millionen Jahre gewachsenen Intelligenz und Überlebensstrategie, die ihn zum Top-Survivor der Evolution machten.»

Das Buch ist Zeugnis einer Gratwanderung zwischen Faszination und Angst. Von Haien lernen bedeutet in erster Linie, der eigenen Angst in die Augen zu blicken. Für Frauen - und auch Männer - kann Angst gerade im Berufsleben verschiedene quälende Fragen auslösen: Wie geht man mit seiner Angst um, wenn man ohne Vorwarnung und ausreichende Erklärung seinen Sessel räumen muss? Wie soll es weitergehen?

Eine profilierte Hai-Taucherin kennt dagegen die Gefahren und die Strategien, diese zu umtauchen. Sie weiss, mit wem sie wann zu welchem Zeitpunkt gefährliche Strömungen und Passagen durchtauchen kann und wann sie buchstäblich so abtauchen muss, dass sie nicht mehr fassbar und damit nicht manipulierbar ist. Die Gutgläubigkeit und dankbare Naivi- tät zahlreicher hochqualifizierter Frauen in beinahe allen Berufen und Privatsituationen machen diese zur leichten Beute für jene, die zuerst das Fressen und dann die Moral kennen, warnt Buholzer. Denn die wahren «Topräuber» finden sich nicht in den Tiefen der Ozeane, sondern viel zu oft in Wirtschaft und Politik. Beide sind stark von Eigennutz und Kurzsichtigkeit geprägt.

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Die Erlösung von so viel schwerwiegendem Fehlverhalten könnte daher auf den Schultern der Frauen ruhen, die das Ruder in die Hand nehmen sollten und denen Buholzer eindringlich rät: Vergessen Sie alles über richtige Frauen, getrauen Sie sich zu springen, stellen Sie Ihre weibliche Intelligenz ins Zentrum, geben Sie niemals auf, tauchen Sie niemals allein (in die Geschäftswelt) - nur mit einem loyalen Buddy!

NACHGEFRAGT

Sonja A. Buholzer

«Respekt muss man sich immer erkämpfen»

Die promovierte Philosophin, Naturwissenschafterin, Unternehmerin und Buchautorin wendet sich in ihrem zweiten Haifisch-Buch nicht nur an mutige Frauen, sondern auch an «sensible Männer».

Gibt es wirklich keine Frauen, die schon als Überlebenskünstlerinnen geboren werden, um als natürliche Autorität wahrgenommen zu werden, was ihnen im Haifischbecken vermutlich genügend Respekt verschaffen würde?

Sonja Buholzer: Ob Frau oder Mann, für Erfolg braucht es immer klare Ziele, unternehmerischen Mut, Kampfgeist. Respekt muss man sich erkämpfen. Bei Frauen geht dieser Kampf einfach etwas länger, da fette Vorurteile im Wege liegen. Doch umso kostbarer der Erfolg!

Setzt nicht die Erziehung beider Geschlechter, die letztlich auch darauf zielt, den eigenen Weg zu gehen und sich selber zu sein, viel zu spät oder gar nicht ein? Schliesslich gelten heute ganz andere Werte: Erfolg, verbunden mit viel Geld und Status?

Buholzer: Natürlich kann Selbstverantwortung nicht früh genug gelehrt werden! Unternehmertum, Pioniergeist, Aufbruchstimmung, Mut, Neues zu wagen, immer wieder aufzustehen, all dies sind Eigenschaften, die unsere Politik leider stark ausbremst. Erfolg ist in der Schweiz immer noch verdächtig.

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Welche Chancen haben Männer und Frauen denn noch im Berufsleben, wenn sie bereits von Macht- und Erfolgsdenken ergriffen sind und die Faszination, ganz oben angekommen zu sein, grösser ist als die Angst, von «Haien» angegriffen zu werden?

Buholzer: ? so gebissen zu werden in ihren Selbstverständlichkeiten, dass sie noch eine Chance zum Umdenken haben. Und um so zukunftsweisende Erfolgsfaktoren wie Ethik, emotionale Intelligenz, Nachhaltigkeit, vorab auch in ökologischen Fragen, zu entwickeln.

Gibt es die grossartigen Frauen, die auffällig, strategisch, smart und klug selber denken und handeln dürfen, tatsächlich auch an der Spitze von Unternehmen - oder sind das noch immer eher Einzelkämpferinnen?

Buholzer: Es gibt sie und immer als Einzelkämpferinnen im Verbund mit starken Sparring-Partnern, die sie fordern, fördern, stützen, strategisch und taktisch stärken und ihr Anderssein schätzen. Damit dies quantitativ selbstverständlich wird, brauchen wir smarte, klug selber denkende und fähige Quotenfrauen in Verwaltungsräten vorab von börsenkotierten Unternehmen. Sonst bleibt es weiblich einsam da oben.

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