Das Rätselraten um den Börsengang der Credit Suisse Schweiz nimmt kein Ende. Auch in dieser Woche verpasste es Bankchef Tidjane Thiam, Klarheit zu schaffen. Aufhorchen lassen nun Recherchen des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». «Jetzt bestätigen Insider, dass das Projekt de facto gestorben ist», schreibt Chefredaktor Dirk Schütz in seinem wöchentlichen Briefing an die Leser. Seltsam bleibe, dass die CS den Rückzieher nicht kommunizieren wolle. 

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Bankchef Thiam habe in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» in dieser Woche einen Eiertanz aufgeführt, so Schütz weiter. «Zwar gibt er offen zu, dass das Projekt von Anfang an nur eine Kapitalbeschaffungs-Massnahme war – bei der Lancierung vor eineinhalb Jahren wurde das noch vehement bestritten. Doch neu ist der Börsengang plötzlich nur noch eine 'Rückversicherung' - eine Abschwächung zum zuletzt verwendeten Terminus 'Option'

«Thiam nimmt den Bonus und schwadroniert»

Dass Thiam trotz nebulöser Aussagen in dieser Woche überhaupt ein Interview gegeben habe, deutet Schütz als taktische Massnahme: «Um die Empörung über seinen Bonus abzufedern.» Am heutigen Freitag wurde das Gesamtpaket über Thiams Salär bekannt: Trotz Verlust von 2 Milliarden Franken im vergangenen Jahr, verdiente der CS-Chef 2016 insgesamt fast 12 Millionen Franken.

Für Beobachter Schütz eine «Zumutung»: Thiam zementiere damit alle Zerrbilder über die Bankerkaste. Im Interview habe Thiam die Verluste als «Resultat von Entscheidungen in früheren Jahren» bezeichnet und damit vorauseilend die Schuld von sich gewiesen. «Tidjane Thiam nimmt den Bonus und schwadroniert», so Schütz. Im Gegensatz dazu hätte John Cryan als Chef der Deutschen Bank nach einem Milliardenverlust auf seinen Bonus verzichtet – und eine Kapitalerhöhung von 8 Milliarden Euro verkündet.

(moh)