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Gerichtskosten
UBS-Betrüger Adoboli sammelt Geld im Netz

Kweku Adoboli: Türmte als UBS-Trader ein Minus von über 2 Milliarden Franken auf. Keystone

Der ehemalige UBS-Trader Kweku Adoboli kämpft gegen seine Abschiebung nach Ghana. Um die horrenden Gerichtskosten zu decken, sammeln Freunde und Familie Geld auf der Crowdfunding-Plattform Fundrazr.

Von Marc Iseli
am 20.07.2016

Freunde und Familie von Kweku Adoboli sammeln Geld auf der Crowdfunding-Plattform Fundrazr, um gegen die Abschiebung des verurteilten UBS-Betrügers nach Ghana zu kämpfen. 75’000 britische Pfund sollen so zusammenkommen, rund 10’000 Pfund sind bereits eingesammelt. Knapp zwei Dutzend Personen haben dem Trader mit Berufsverbot Geld zugesprochen.

Adoboli ist in Ghana geboren, lebt aber seit 24 Jahren in Grossbritannien. Er war 12, als ihn sein Vater nach Nordengland in ein Internat schickte. Mit 26 Jahren begann er für die UBS in London zu arbeiten. Das war im September 2006. Fünf Jahre später leitete er ein Team bei der Investmentbank und verzockte über 2 Milliarden Franken. Der damalige Bankchef Oswald Grübel trat deshalb zurück, Adoboli wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Kampf gegen Landesverweis

Seit einem Jahr ist Adoboli – dank frühzeitiger Entlassung – wieder auf freiem Fuss und kämpft gegen seine Abschiebung. Ein britisches Berufungsgericht hat in dieser Woche den Landesverweis bestätigt.

Adoboli lebt derzeit bei Freunden, arbeiten darf er wegen des laufenden Wegweisungsverfahrens nicht. In die Finanzbranche zurückkehren kann er ohnehin nicht. Die britischen Behörden haben ihm ein lebenslanges Berufsverbot auferlegt. Adoboli behauptet noch immer, dass er dazu genötigt wurde, hohe Risiken einzugehen. Es sei unverhältnismässig, dass er den Kopf hinhalten müsse für ein Verhalten, das von der UBS gefördert worden sei. Die Ausweisung in sein Heimatland komme einer Entwurzelung gleich, so der gebürtige Ghanae. «Es bricht mir das Herz», sagte er gegenüber der «Financial Times».

«Verurteiler Betrüger»

Oswald Grübel hat sich im Interview mit der «Handelszeitung» gegen diese Darstellung gewehrt. «Herr Adoboli ist ein verurteilter Betrüger. Das können Sie im Schuldspruch nachlesen», sagte der einstige UBS-CEO. «Es wird immer wieder vorkommen, dass einzelne Betrüger grosse Schäden anrichten, auch in Zukunft.»

Die Behauptung von Adoboli, alles sei systembedingt, sei «falsch». Grübel: «Herr Adoboli betrog aus eigenem Antrieb heraus und ist dafür mit Gefängnis bestraft worden. Die englischen Gerichte wissen sehr gut, was sie tun.»

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