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Uhrenchef Georges Kern verlässt Richemont abrupt

Richemont verliert Uhrenchef Georges Kern
Georges Kern (re) mit Schauspieler Christop Waltz: Hier noch als IWC-Chef.  Keystone

Erst im April war Georges Kern ins oberste Führungsgremium bei Richemont aufgerückt, jetzt verlässt der langjährige IWC-Chef das Unternehmen per sofort. Ein Nachfolger wird derzeit nicht gesucht.

Richemont muss nach nur vier Monaten eine Schlüsselstelle erneut besetzen. Georges Kern verlässt den Luxusgüterkonzern per sofort. Der Marketing-, Uhren- und Digitalchef war erst im April im Zuge eins Führungsumbaus ins Führungsgremium Executive Committee aufgerückt. Nun will der zuvor langjährige Chef der Schaffhauser Richemont-Uhrenmanufaktur IWC Unternehmer werden.

Kern habe eine interessante Möglichkeit dazu erhalten, teilte Richemont am Freitag mit. Er habe eine sehr erfolgreiche Karriere bei IWC absolviert und Richemont wünsche ihm alles Gute, liess sich Verwaltungsratspräsident Johann Rupert zitieren. Laut «Le Temps» wird Kern neuer Chef von Breitling.

Probleme mit der Führungsstruktur vermutet

Kern ist aus allen Führungsgremien zurückgetreten: Beim Senior Executive Committee und beim Group Management Committee. Er steht auch für eine Wahl in den Verwaltungsrat an der kommenden Generalversammlung nicht mehr zur Verfügung.

Kern blickt auf eine erfolgreiche Zeit bei Richemont zurück. Er stiess im Jahr 2000 zur Gruppe und wurde bereits zwei Jahre später im Alter von nur 36 Jahren zum Chef der Uhrenmanufaktur IWC berufen, die er zu einer global bekannten und erfolgreichen Marke entwickelte.Damals hatte Richemont nach einer längeren Nachfrageflaute seine Führungsstruktur radikal umgekrempelt. Richemont verliere mit Kern eine «überaus kenntnisreiche, starke Führungspersönlichkeit», erklärte Vontobel-Analyst Rene Weber. Eine Beeinträchtigung des Uhrengeschäfts durch den Abgang sei aber nicht zu erwarten.

Jon Cox vom Broker Kepler Cheuvreux mutmasst, dass Kern mit der neuen Führungsstruktur des hinter der französischen LVMH zweitgrössten Luxusgüter-Herstellers haderte. Kern sei als zukünftiger Vorstandschef der Gruppe gesehen worden, aber Richemont sei nach der Pensionierung von Konzernchef Richard Lepeu zu einer Komitee-Struktur gewechselt, betonte er.

Nachfolger wird derzeit nicht gesucht

Anfang November hatte Richemont mitgeteilt, dass Kern im Rahmen einer Neuorganisation als Leiter des neuen Bereichs «Watchmaking, Marketing and Digital« in die Konzernzentrale nach Genf wechseln wird. In diesem Bereich wurden nebst der Uhrmacherei und dem Marketing etwa auch das Thema Onlineverkauf von Luxusuhren behandelt. Bei IWC trat Christoph Grainger-Herr im laufenden Jahr die Nachfolge Kerns an.

Die Verantwortlichkeiten der «Watchmaking, Marketing and Digital»-Aktivitäten würden nach Kerns Abgang direkt an die Geschäftsleitung, das Senior Executive Committee, übertragen, heisst es weiter. Ein Nachfolger für Kern werde derzeit nicht gesucht, ergänzte eine Richemont-Sprecherin auf Anfrage. Das vierköpfige Senior Executive Committee verfüge über genügend Know-how, um die «Watchmaking, Marketing and Digital»-Aktivitäten zu betreuen.

Wenig Echo an der Börse

Das Committee setzt sich aus dem designierten Finanzchef Burkhart Grund, dem Cartier-Chef Cyrille Vigneron, dem Van Cleef & Arpels-Chef Nicolas Bos sowie Jérôme Lambert zusammen. Der frühere Montblanc-Chef Lambert ist seit der Neuorganisation als «Head of Operations» für die restlichen Richemont-Marken ausserhalb der Schmuck- und Uhrenwelt sowie die regionalen Plattformen der Gruppe verantwortlich.

An der Börse schlug die Neuigkeit keine grossen Wellen. Die Richemont-Aktien stiegen um ein halbes Prozent und damit etwas stärker als der europäische Sektorindex.

(sda/me/jfr)

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