1. Home
  2. Management
  3. Unternehmer brauchen gemeinsames Ökosystem

Mehrwert
Unternehmer brauchen gemeinsames Ökosystem

Unternehmer: Es braucht ein neues Bild der Wirtschaft. Pixabay

Grossunternehmen sind in der Schweiz mächtig. Vergessen wird dabei oft, dass KMUs die Wirtschaft hierzulande bestimmen. Der Zusammenhalt zwischen den grossen und kleinen Firmen sollte gestärkt werden.

Von Corin Ballhaus*
am 08.03.2017

Erhalte ich als Einzelunternehmerin ­Werbeanrufe von Callcenters, die mit den Verantwortlichen für Büromaterialeinkauf, Aussenwerbung oder Gebäudereinigung sprechen wollen, frage ich mich: Gehöre ich zu den Letzten meiner Art? Sind Grossfirmen zum Einheitsmodell der Wirtschaft geworden?

Bereits den Startups wird von Investoren eingetrichtert: «Think big, act bigger». In den Medien nehme ich Wirtschaft überwiegend in Form von (börsenkotierten) Grossunternehmen wahr. Wer VR werden will, sollte schon einmal ein Unternehmen mit mindestens 1000 Mitarbeitenden geleitet haben, riet letzthin ein Profi-Verwaltungsrat. Selbst der Gesetzgeber scheint nur Tanker vor Augen zu haben.

Virtuelle Organisation erlebt ein Revival

All dies liesse darauf schliessen, dass die Schweiz eine halbe Million Grossunternehmen und 1500 KMU hat. Dabei ist es umgekehrt. Die stärkste Gruppe sind zu 90 Prozent Mikrofirmen – mit einem bis neun Beschäftigten. Deshalb bedarf das Bild der Wirtschaft eines radikalen Makeover. Vermutlich wäre die Abstimmung über die USR III anders ausgegangen, wäre das Argumentieren auf ein realeres Wirtschaftsbild abgestimmt gewesen.

Einen Keil zwischen David und Goliath zu treiben, ist wenig zielführend. Vielmehr sollten wir Unternehmer uns darum bemühen, gemeinsam ein Ökosystem zu bilden. Derzeit stehen die Zeichen dafür gut. Unter Kostendruck bauen Konzerne Stellen ab. Das bedeutet allerdings selten, dass sich das damit verbundene Arbeitsvolumen in Luft auflöst. Über kurz oder lang münden die so resultierende Mehr- beziehungsweise Überbelastung und der Know-how-Verlust in einer neuen Zusammensetzung der Wertschöpfungs­kette – über Firmengrenzen hinaus.

Soll es in der Arbeitswelt der Zukunft da­rum gehen, die individuellen Kernkompetenzen entlang der Wertschöpfungskette firmenübergreifend, lösungsorientiert und bedarfsgerecht zusammenzubringen, tritt die Bedeutung der Firmengrösse in den Hintergrund. Damit könnte auch die Idee der virtuellen Organisation, wie sie vor zwanzig Jahren in der BWL propagiert wurde, ein Revival erleben.

 

*Corin Ballhaus, Inhaberin Ballhaus Profiling und Mitglied des Verbands Frauenunternehmen
 

In der Kolumne «Mehrwert» schreiben erfolgreiche Geschäftsfrauen über die Arbeitswelt.

Anzeige