Peter Spuhler ist ein Mann mit Ecken und Kanten. Er polarisiert nicht nur, wenn er als SVP-Nationalrat Politik macht. Und er ist ein Unternehmer alter Schule. Er ist einer, der weiss, was er will und es erreicht. Für viele ist er ein Vorbild.

Wie schon 2008 schaffte es Spuhler auch 2011 zum Unternehmer des Jahres. 209 von 485 Lesern der «Handelszeitung» und Mitglieder der Schweizerischen Kader Organisation (SKO) entschieden sich für den Stadler-Rail-Chef als herausragendste Unternehmerpersönlichkeit des Jahres. Er verwies damit Wirtschaftsgrössen wie Na­tio­nalbank-Chef Philipp Hildebrand und Swatch-Lenker Nick Hayek auf die Ränge zwei und drei.

Für Thomas A. Biland ist die Wahl keine Überraschung: «Bravo, da hat der wirkliche Unternehmer gesiegt!», sagt der Zürcher Berater und Headhunter spontan. «Spuhler ist ein Unternehmer von altem Schrot und Korn und doch ein Patron moderner Prägung, der genau die Werte verkörpert, die ein erfolgreicher Unternehmer haben soll. Während andere reden, handelt er.» Dabei nehme man ihm ab, dass er die Firma und die Mitarbeitenden im Fokus und eben auch ein soziales Gewissen habe. «Er ist fassbar, führt klar und mit eigenem Beispiel – er ist eben ein wirklicher Unternehmer.»

Spuhler ist ein klassischer Selfmade-Mann: Er hat aus einem kleinen Gewerbebetrieb im Kanton Thurgau den international erfolgreichen Rollmaterialhersteller Stadler Rail Group mit weltweit 3500 Mitarbeitenden und über einer Milliarde Umsatz geschaffen.

Ertragszahlen kennt man zwar keine. Das Unternehmen scheint indes seit Jahren zu florieren. 1997 kaufte Spuhler das Werk Altenrhein der Schindler Waggon. Die neue Holdingstruktur begünstigte die Expansion nach Deutschland und Ost­europa. Mit Erfolg: Im vergangenen Sommer erhielt Stadler von einem russischen Konzern einen Auftrag über 240 Millionen Franken für 100 Diesel-Antriebsteile. Gerade erst teilte der Schienenfahrzeughersteller mit, dass er für 54 Millionen Euro neun zusätzliche Regionalzüge des Typs Flirt für die ­S-Bahn von Helsinki liefern kann. Die Besteller aus Finnland erweitern damit einen Auftrag aus dem Jahr 2006 von 32 auf 41 Züge.

Anzeige

«Eine Unternehmung zu führen bedeutet für mich, Risiko und Verantwortung zu tragen. Ein Unternehmer muss vollen Einsatz zeigen, wenn es um die Umsetzung seiner Ideen, das Wohl der Mitarbeiter und den Fortbestand der Unternehmung geht», definiert Peter Spuhler seine Grundsätze und Werte.

Was ist ein guter Unternehmer?

Philippe Hertig, Schweiz-Chef von Egon Zehnder International, attestiert dem Erstplatzierten folgende Eigenschaften: «Spuhler ist eine sicherlich unabhängige, initiative und durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit hoher Entscheidungsfreudigkeit und hoher Identifikation mit seinem Unternehmen.»

Ein guter Unternehmer hat immer eine Vision und ist kompromisslos in der Zielerreichung. Um die Meinungen Dritter kümmert er sich nur insofern, als sie seiner Zielerreichung zuträglich sind. Auch das trifft auf Spuhler vollumfänglich zu. Aus diesem Grund scheut er sich zum Beispiel auch nicht, sich bei den Themen Personenfreizügigkeit und Bilaterale I der Meinung vieler seiner Parteikollegen entgegenzustellen. Gleichzeitig befürwortete er die SVP-Zuwanderungsinitiative – dies sei kein Widerspruch, betonte er, das Problem müsse angegangen werden.

Hertig definiert die herausragenden ­Eigenschaften einer Unternehmerpersönlichkeit folgendermassen: «Ein guter Unternehmer findet eine gute Balance zwischen risikofreudigem, innovativem und initiativem Verhalten einerseits und andererseits einem überlegten, verantwortungsvollen und langfristig orientierten Vorgehen. Weitere Charakter- respektive Persönlichkeitsmerkmale sind Unabhängigkeit, Entscheidungsfreudigkeit, Pflichtbewusstsein und Aufgabentreue. Schliesslich braucht ein Unternehmer gewisse Spiel- und Freiräume, um sich entfalten zu können.

Denn ein guter Unternehmer muss auch laut Biland «hinstehen und Entscheide fällen und durchziehen. Dazu braucht es ein gutes Selbstbewusstsein, ein sicheres und gutes Bauchgefühl, einen siebten Sinn und ein Gespür.» Weiter müsse er mit Rückschlägen umgehen, aufstehen und weitergehen können. «Ein guter Unternehmer muss moralisch integer sein und einen guten Charakter haben», so Biland. Auch in dieser Hinsicht hat sich Unternehmer Spuhler im Gegensatz zu einzelnen Parteikollegen nichts zuschulden kommen lassen.

Immun gegen Anfeindungen

Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand ist von 175 Leserinnen und Lesern sowie SKO-Mitgliedern gewählt worden. Obwohl er kein Unternehmer im klassischen Sinn ist, muss der Zweitplatzierte täglich unternehmerische Fähigkeiten beweisen. Zumindest hat auch er gezeigt, dass er unabhängig agieren kann und sich nicht beirren lässt. In den Medien wurden dieses Jahr regelrechte Kampagnen gegen ihn geführt. Seit der Festlegung des Euro-Kursziels sind die Kritiker aber verstummt.

Experte Biland formuliert es so: «Hil­debrand muss an seine Aufgabe glauben und diese wie ein Unternehmer durchziehen. Anfeindungen gegenüber muss er immun sein. Sein Ziel ist ihm wichtig. Aber zusätzlich muss er einen politischen Instinkt haben und mehr ausgleichen können als ein Unternehmer. So gesehen muss auch er unternehmerische Fähigkeiten haben.»

Knapp hinter Philipp Hildebrand folgt auf Platz drei Nick Hayek, der Chef der Swatch Group, der die grossen Fussstapfen seines visionären Vaters und Swatch-Gründers Nicolas Hayek nach Ansicht der «Handelszeitung»-Lesergemeinde offensichtlich problemlos ausfüllt.

Anzeige

Platz vier der Umfrage ist hingegen eine Überraschung: Knapp ein Viertel der an der Umfrage Beteiligten haben den umtriebigen Trybol-Chef Thomas Minder gewählt. Der Einsatz des frischgewählten Schaffhauser Ständerates um gerechtere Boni in den Unternehmen mittels seiner Abzocker-Initiative, seine Hartnäckigkeit und Unbeirrbarkeit haben Eindruck gemacht. Dieser Kampf des Mundwasser-Don-Quijote auf sämtlichen politischen und medialen Schaubühnen, seine ständige Präsenz auf allen Kanälen haben aus dem Chef des 1900 gegründeten Familienunternehmens eine nationale Berühmtheit werden lassen.

Eine Vision haben und hartnäckig bleiben, sich nicht beirren lassen und kämpfen – diese unternehmerischen Kerneigenschaften lassen sich offenbar auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich umsetzen.

Die Rangliste 2011

  1. Peter Spuhler, Stadler Rail Group
  2. Philipp Hildebrand, Schweiz. Nationalbank
  3. Nick Hayek, Swatch Group
  4. Thomas Minder, Trybol
  5. Mark Ineichen, Otto’s
  6. Magdalena Martullo Blocher, Ems Chemie
  7. Michael Ambühl, Sekr. Int. Finanzfragen
  8. Marcel Dobler, Digitec
  9. Hansjörg Wyss, Synthes
  10. Albert Baehny, Geberit

Umfrage: Handelszeitung/SKO

Die bisherigen Sieger

  • 2010 Hansueli Loosli, Coop
  • 2009 Samih Sawiris, Orascom
  • 2008 Peter Spuhler, Stadler Rail Group
  • 2007 Fred Kindle, ABB
  • 2006 Christoph Franz, Swiss
  • 2005 Philippe Gaydoul, Denner
  • 2004 Günter F. Kelm, Geberit
  • 2003 Jürgen Dormann, ABB
  • 2002 André Dosé, Swiss
  • 2001 Jens Alder, Swisscom

Wahl durch Wirtschaftsjournalistenquelle: Handelszeitung

 

Journalisten-Wahl: Hildebrand vor Wyss und Hogan

Andere Optik
Die Schweizer Wirtschaftsjournalisten, die bis anhin allein den Unternehmer des Jahres wählten, sind separat befragt worden. Ihre Auswahl zeigt ein anderes Bild als dasjenige der HZ-Leserinnen und -Leser. Bei der schreibenden Zunft hat Nationalbankchef Philipp Hildebrand den ersten Rang erzielt, gefolgt von Hansjörg Wyss von Synthes und Joe Hogan von ABB.

Anzeige

Spuhler Nr. 6
Nach Martin Dobler, dem Chef von Digitec auf dem vierten Platz, folgt in der Journalisten-Rangliste bereits Trybol-Chef und Abzocker-Initiant Thomas Minder. Peter Spuhler von Stadler Rail hat hingegen nur Platz 6 erreicht. ­Danach folgen der Aargauer Grossverleger Peter Wanner und Jürgen Steinemann von Barry Callebaut. Nick Hayek, der bei den Lesenden auf Rang 3 kommt, steht bei den Schreibenden auf Rang 9, und ­Michael Ambühl vom Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen auf Platz 10.