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Wettbewerb
UPC-Schweiz-Chefin: «Der Kunde hat die volle Kontrolle»

UPC-Schweiz-Chefin Severina Pascu
Severina Pascu: Sie soll Marktanteile für UPC gewinnen.Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

UPC-Schweiz-Chefin Severina Pascu erklärt, wie sie die Zahlen im TV-Geschäft verbessern will und wie sie zu Konkurrentin Swisscom steht.

Von Konrad Staehelin und Ulrich Rotzinger («Blick»)
am 09.10.2018

Kann ein kleines schwarzes Kästchen Wunder vollbringen? UPC Schweiz hat in den letzten neun Jahren ein Drittel ihrer TV-Kunden verloren. Jetzt will Severina Pascu (45), seit Anfang September die neue starke Frau an der Spitze des Schweizer Kabelnetzbetreibers, den Negativtrend mit einer TV-Box kehren. Die Rumänin empfängt BLICK am Firmensitz in Wallisellen ZH zu ihrem ersten grossen Interview als Chefin.

Die alte Horizon-Box hat Ihren Kunden mit Ausfällen zahlreiche TV-Abende vermiest. Wird mit der neuen jetzt alles besser?
Severina Pascu: UPC TV ist viel mehr als einfach eine neue Box, es ist ein komplett neues TV-Erlebnis. Wir haben sehr viel verändert, zum Beispiel ist der Zugang nun personalisiert. Mein kleiner Sohn dagegen liebt die neue Spracherkennung. Er rennt ständig mit der Fernbedienung durchs Haus und schreit «Paw Patrol» (Trickfilmserie. Deutscher Titel: «Helfer auf vier Pfoten»; Anm. d. Red.) hinein. Mit der neuen Personalisierung wird ihm die Sendung jeweils als Erstes angezeigt, wenn er den TV anstellt.

Was UPC den Kunden zuvor mit der Horizon-Box zugemutet hat, war schon lange nicht mehr zeitgemäss.
Als wir Horizon 2013 eingeführt haben, war dies ein grosser Wurf. Aber ich gebe zu, mittlerweile war es nicht mehr das Fortschrittlichste im Markt.

Warum haben Sie und Ihr Vorgänger Eric Tveter nicht früher reagiert?
Es gibt Innovationszyklen, die Zeit brauchen. Jetzt sind wir bereit und haben mit mehreren Tausend Kunden vorab intensiv getestet. Die Box ist besser als das, was es im Moment sonst im Markt gibt.

Als Tveter 2009 übernahm, hatte UPC 1,6 Millionen TV-Kunden. Jetzt haben Sie noch 1,1 Millionen und allein im letzten Jahr 100'000 Kunden verloren.
Es ist normal, dass wir als ehemals einzige TV-Anbieterin Anteile verlieren, wenn neue Konkurrenz aufkommt. Wir sind hingegen in den Bereichen Internet, Telefonie und Mobile gewachsen und haben heute insgesamt viel mehr Abonnenten als 2009. Aber eines ist klar: Mit dem neuen UPC TV wollen wir TV-Marktanteile zurückgewinnen.

Wer als Neukunde zu Ihnen kommt, zahlt keine Aktivierungsgebühr für die neue Box. Wer sich dagegen schon seit Jahren mit der alten UPC-Klapperbox herumschlägt und jetzt die neue will, muss 99 Franken für den Wechsel blechen. Verstehen Sie den Frust?
Das neue UPC TV kostet im Monat genau gleich viel wie das bisherige Angebot. Der Kunde erhält damit viele neue innovative Funktionen und deutlich mehr Programme für den gleichen Preis. Die erwähnte einmalige Aktivierungsgebühr gehört in der Branche zum Standard. Neu ist einzig, dass wir als Einführungsaktion diese Gebühr einigen bestehenden und neuen Kunden erlassen.

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Severina Pascu

Die Rumänin Severina Pascu (45) hat den CEO-Posten Anfang September vom UPC-Schweiz-Urgestein Eric Tveter (59) übernommen. Zuvor war sie, um sich auf die Aufgabe als Chefin vorzubereiten, seit Januar COO (Chief Operating Officer) fürs Schweizer Geschäft. Schon seit 2015 war Pascu CEO des Zentral- und Osteuropa-Geschäfts von UPC gewesen. Insgesamt ist sie seit zehn Jahren bei UPC. Sie hatte in der rumänischen Hauptstadt Bukarest Wirtschaft studiert. Obwohl die Übertragung von National-League-Eishockey das Steckenpferd von UPC ist, kennt sich Pascu vor allem mit Handball gut aus: «Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte professionell gespielt.» Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Mit der Spracherkennung hat UPC jetzt einen Spion in den Schweizer Stuben, der die Gespräche belauschen kann.
Ich kann Ihnen versichern: Wir zeichnen nichts auf und werten keine Gespräche aus. Diese Funktion wurde allein für den Kunden entwickelt, um das TV-Erlebnis zu vereinfachen. Die Sprachsteuerung aktiviert sich auch nur auf Knopfdruck an der Fernbedienung, der Kunde hat somit die volle Kontrolle über die Sprachsteuerung.

Ihr Fokus beim TV liegt zu einem grossen Teil auf MySports . Hier haben Sie innert gut einem Jahr bisher bloss rund 50'000 Abonnenten überzeugen können. Was läuft schief?
Gar nichts. Wir sind zufrieden damit und werden sicherlich weiter wachsen. MySports ist ein wichtiger Teil unserer langfristig angelegten Unterhaltungsstrategie.

Sie liegen hier mit der Teleclub-Mutter Swisscom über Kreuz. UPC-Kunden können Teleclub-Inhalte gegen Gebühr empfangen, umgekehrt können Teleclub-Kunden kein Schweizer Eishockey auf MySports sehen. Wann hört dieser Streit auf dem Buckel der Fans auf?
Wer bei UPC ist, kann alles Mögliche an Sport sehen. Ende September haben wir MySports Go lanciert. Mit dieser App ist nun das MySports-Angebot und somit auch die Eishockey-Spiele für alle Kunden in der Schweiz verfügbar, unabhängig von ihrem Telekomanbieter. Die Wettbewerbskommission und die Gerichte, die über die Rechtsfragen entscheiden, werden das sicher richtig tun. Wie lange es noch dauert, wissen wir nicht.

Anderswo gehen Sie mit der Swisscom auf Schmusekurs. Bald werden UPC-Mobile-Kunden über die Infrastruktur des Staatskonzerns telefonieren und surfen und nicht mehr über jene von Salt.
Das beweist doch, dass wir auch mit der Swisscom gut können. Ich werde Swisscom-CEO Urs Schaeppi Ende Monat persönlich kennenlernen und freue mich sehr darauf. Natürlich wird die Migration auf das Swisscom-Netz ein Thema sein. Sie wird jedoch nicht über Nacht geschehen, sondern schrittweise während der ersten paar Wochen im Jahr 2019.

Die Geschichte von UPC

Die Geschichte von UPC Schweiz reicht bis 1931 zurück, als die Rediffusion S. A. gegründet wurde und begann, Radiosendungen via Drahtrundspruch zu verbreiten. 1994 fusionierte die Rediffusion mit anderen eigenständigen Kabelnetzgesellschaften zur Cablecom im Besitz von Siemens, VEBA und Swisscom. Nach wiederholtem Besitzerwechsel übernahm 2005 der US-Konzern Liberty Global die Firma. 2011 erhielt sie den Namen UPC Cablecom, seit 2016 heisst sie nur noch UPC.

Das Kerngeschäft des Unternehmens war während Jahrzehnten die Verbreitung von Radio- und Fernsehsignalen, nach Aufkommen der Technologie nahm auch das Internet eine zentrale Rolle im Geschäft ein. 2003 kamen ein Festnetz- und 2014 ein Mobiltelefonie-Angebot dazu. 2012 hatte UPC einen Umsatz von 1,18 Milliarden Franken erwirtschaftet, 2017 waren es 1,35 Milliarden.

In der Branche heisst es, Salt habe in den letzten Jahren zu wenig ins Netz investiert und sei hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Darum wechseln Sie, richtig?
Das Swisscom-Netz ist sicherlich sehr solide und wir sind glücklich, dies unseren Kunden ab Januar anbieten zu können.

Sie haben im letzten Jahr 40 Prozent Mobile-Kunden gewonnen und standen Ende Juni bei knapp 130'000. Was machen Sie hier besser als beim TV ?
Das Produkt stimmt offensichtlich. Pro Quartal gewinnen wir rund 7000 Kunden dazu. Klar wollen wir noch mehr, da kommt auch der Wechsel auf das Swisscom-Netz zum richtigen Zeitpunkt. Das gibt uns die Möglichkeit, auch neue Abos mit unbegrenztem Datenvolumen anzubieten.

Planen Sie jetzt einen Angriff in abgelegenen Regionen, wo die Abdeckung des Swisscom-Netzes besser als jene des Salt-Netzes ist?
Ich kann Ihnen bestätigen, dass wir uns in den Regionen stärker aufstellen wollen, was die Angebote und den Verkauf angeht.

Ihr Mutterkonzern Liberty Global hat vor einigen Monaten bekannt gegeben, dass einige Ländergesellschaften an Vodafone verkauft werden sollen. Ausserdem geht das Gerücht um, dass UPC Schweiz mit Salt oder Sunrise zusammengehen soll. Mit wem soll es nun sein?
Ich werde dies immer wieder gefragt und wir kommentieren es nie. Wir müssen als UPC selber stark sein für eine eigenständige Zukunft.

Die Leserkommentare auf Blick.ch zu Artikeln über UPC sind teilweise hart. Viele Kunden sind stark genervt vom Kundenservice.
Seien wir ehrlich, wir hatten in der Vergangenheit einige Probleme mit dem Kundendienst, ja. Aber das liegt nun schon Jahre zurück und laut Kundenumfragen haben wir uns seither massiv verbessert. Wir messen das pedantisch und investieren laufend in diese Verbesserung. So haben wir ein gross angelegtes internes Projekt, um den Service weiter zu vereinfachen. Der Verkauf und die Betreuung sollen digital werden.

Digital werden heisst ins Internet verlagern. Für uns riecht das nach Jobabbau.
Im Gegenteil. So haben wir beispielsweise allein in diesem Jahr die Anzahl Mitarbeiter im Kundendienst um 100 zusätzliche Kolleginnen und Kollegen erhöht.

Dieses Interview ist zuerst in der Blick Wirtschaft erschienen unter dem Titel «Eigentlich könnten wir mit der Swisscom gut auskommen».