Es gehört mit zum Schwierigsten, jemanden zu finden, dem man vertrauen kann. Das gilt nicht nur, aber auch in der Berufsgattung der Manager, CEO und Unternehmenseigner. Diejenigen unter ihnen, die Vertrauen zu vergeben haben, lassen sich aus diesem Grund – wie alle anderen Bevölkerungsgruppen auch – nicht allzu weit auf die Äste hinaus und setzen auf Bewährtes: Auf Freunde und die Familie.

In der Schweiz zumindest geben 86% der im Rahmen des 4. Internationalen Executive Panel von Egon Zehnder International befragten Top-Führungskräfte an, sie würden unter ihren Freunden Vertrauenspersonen finden. Hoffentlich, ist man geneigt zu sagen, denn wozu sind Freunde sonst da? 85% finden in der Familie Vertraute.

Ausserhalb dieser beiden engen – und nicht wirklich überraschenden – Kreise wirds schnell kritisch mit den vertrauenswürdigen Menschen. Immerhin 72% der Schweizer Manager werden noch im eigenen Unternehmen fündig. Aber nur noch die Hälfte (53%) vertraut Managerkollegen in anderen Unternehmen.

Einen ziemlichen Dämpfer bedeutet die Egon-Zehnder-Auswertung auch für die Kaste der professionellen Unternehmensberater: Nur gerade 35% der hiesigen Manager geben an, in dieser Berufsgruppe Leute zu finden, denen sie vertrauen können. Ist es da tröstlich, dass in Deutschland und in Indien die Resultate gleich schlecht sind und in Italien mit 36% nur unwesentlich besser? Kaum. Holländer, Briten und Australier hingegen vertrauen den Beratern fast zu 50%, die Amerikaner sogar zu 53%. Was keine Aussage darüber zulässt, ob dort die Berater vertrauenswürdiger sind oder die Manager vertrauensseliger.

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Politiker fallen durch

Weniger Interpretationsspielraum offen lassen die Umfrageergebnisse bezüglich der Politiker: Selbst in der Schweiz vertrauen gerade mal 2% (in Worten: zwei Prozent) der befragten Manager den Politikern. 2% sind es auch in Deutschland, Italien und Holland. In den USA ist es gar nur 1%. Und in Frankreich und Indien sind es schlanke 0%.

Nicht mal die Kirche kann Vertrauen schaffen: Nur 8% der Schweizer Unternehmensführer finden dort Vertrauenspersonen – in den USA sind es hohe 21%.

Da mutet es nachgerade erstaunlich an, dass 80% der befragten Führungskräfte in der Schweiz neuen Mitarbeitenden bereits Vorschussvertrauen entgegenbringen. Und 51% geben sogar an, dass sie – solange nichts Wesentliches passiere – der Belegschaft ohne Einschränkung vertrauen. Wohl zu Recht. Denn 57% machen auch die Aussage, dass ihr Vertrauen in die eigenen Führungskräfte kaum je enttäuscht worden sei. Trotzdem gibts nur noch in Italien (37%) und Frankreich (36%) mehr Befragte, die angeben, dass sie nur durch Überwachung wirklich Vertrauen bekommen könnten (28% in der Schweiz), nach dem bewährten Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Nun ist es aber nicht wirklich entscheidend, wem die Top-Executives ihr Vertrauen schenken. Mindestens ebenso wichtig ist es, wer ihnen vertraut beziehungsweise dem Unternehmen, das sie repräsentieren. So sind denn 80% der hiesigen Manager stark bis sehr stark davon überzeugt, dass Vertrauenswürdigkeit ein entscheidender Vorteil im Kampf um die besten Talente bedeutet. Auch die Aussage, es werde immer schwieriger, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, stösst bei 45% auf Zustimmung.

Gegen die Geschäftsinteressen

Höchst aufschlussreich sind die Aussagen vieler Firmenchefs dazu, wie sie das Vertrauen der Investoren gewinnen: 44% der Schweizer Manager geben an, dass sie dafür manchmal gegen die langfristigen Interessen ihrer eigenen Firma verstossen müssen. Nur 3% lehnen diese Aussage komplett ab.

Steht diese Haltung eventuell damit in Zusammenhang, dass die Führungskräfte ihr eigenes Ansehen in der Bevölkerung als ziemlich gering einstufen? So glaubt nämlich nur gerade 1%, sie würden in der Öffentlichkeit als sehr vertrauenswürdig gelten; 19% glauben, sie genössen immerhin ziemlich Vertrauen.

Dabei vertritt die grosse Mehrheit der Top-Executives (91%) die Ansicht, die Unternehmensskandale der jüngsten Vergangenheit hätten das Vertrauen in die Unternehmen und in die Wirtschaft insgesamt gefährdet – und schuld daran seien einige wenige schwarze Schafe. Also jeweils die anderen.