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Bruno Pfister
Vertrauen ist die Basis

Bruno Pfister

Der Chef des Lebensversicherers Swiss Life über Kritik, Weiterentwicklung und Emotionen.

Von Charlotte Pauk
am 11.06.2013

Die afrikanische Trommel neben seinem dicht bepackten Schreibtisch dient ihm nicht dazu, seine Leute zusammenzutrommeln. Sie ist eine Erinnerung an ein Managementseminar. Trotzdem spielt Kommunikation für Bruno Pfister eine wichtige Rolle. Ohne sie sei Führung nicht möglich. «Es muss gelingen, die Zusammenhänge, die zur langfristigen Ausrichtung des Unternehmens führen, den Mitarbeitenden zu vermitteln», sagt er. Ohne diese Erklärungen, ohne die enge kommunikative Begleitung der Strategie und Ziele, wäre das Unternehmensschiff nur schwer bewegbar.

Seit 2002 ist Bruno Pfister für die Swiss Life tätig, zuerst als Finanzchef, dann als CEO International und seit 2008 als CEO der Gruppe. Dass er zu den «CEO des Jahres» gehört, ruft in ihm zwiespältige Gefühle hervor: «Sicher, man fühlt sich bestätigt, auch etwas stolz. Auf der anderen Seite ist das Gefühl unkomfortabel, denn Auslöser der Auszeichnung sind die operativen Ergebnisse und Verbesserungen. Diese sind eine Teamleistung und ich frage mich, ob ich der richtige Adressat bin.» Nachdem Bruno Pfister in den vergangenen Monaten wegen des AWD-Debakels vor allem in der Kritik stand, könnte er eine Auszeichnung als Balsam für die Seele empfinden. Doch er wiegelt ab. Die Exponiertheit seiner Rolle in den Medien bringe bisweilen auch öffentliche Schelte mit sich. Deshalb betrachte er eine Auszeichnung mit Distanz.

Kunst des Lobens

Dass diese Distanz nicht für alle gilt, ist ihm bewusst, und so bemüht er sich, seinen Mitarbeitenden möglichst zeitnah ein Lob zukommen zu lassen, wenn es Anlass dazu gibt. «In der Regel sende ich mindestens ein Dankesmail an die betreffende Person oder – wenn es möglich ist – bedanke ich mich persönlich.» Gleichzeitig betont Pfister die andere Seite des Feedbacks, die Kritik. Interessanter ist hingegen die Beurteilung Pfisters durch seine Mitarbeitenden. Die Frage, ob er auch von ihnen zum «CEO des Jahres» gewählt würde, lässt ihn lange nachdenken. Schliesslich gesteht er, dass es darauf kein einfaches Ja oder Nein zu antworten gebe. Was die Mitarbeitenden von ihm denken, sei nicht immer einfach zu erkennen. «In meiner Posi­tion erhalte ich Feedback selten ungefiltert und wenn, dann nur von meinem direkten Umfeld, also von jenen Personen, mit denen ich unmittelbar zusammenarbeite.» Kritik, an die er sich ­konkret erinnert, ist jene an seiner öffentlich geäusserten Idee der ­Lebensarbeitszeit. Wegen der Überalterung der Bevölkerung sollen die Versicherten während 45 Jahren in die Pensionskasse einzahlen. Heute leisten Versicherte rund 40 Jahre lang Einzahlungen. Pfister wurde von seinem Umfeld als «etwas vorschnell, zu ­undiplomatisch, etwas ungeschickt» kritisiert. Bei der Leistungsbeur­teilung wurde ihm etwa zu geringe Wertschätzung vorgeworfen. «Allein schon die Tatsache, dass ein solches Feedback laut wird, zeigt, dass dies aus menschlicher Sicht betrachtet zutrifft. Es besteht also Handlungsbedarf, mit den einzelnen Teams und Personen mit Fingerspitzengefühl einen möglichst sachgerechten und auch motivierenden Umgang zu pflegen.»

Wertschätzung bezeichnet Bruno Pfister als einen Aspekt der Motivation. Wichtig sei ein Arbeitsumfeld, das die Leistung in den Vordergrund rückt, nicht das sogenannte politische Gerangel um die Stellungen innerhalb des Unternehmens. So versucht Pfister eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der die besten Argumente und Überlegungen den Ausschlag für eine Entscheidung geben, nicht die Position der Person, die eine Meinung äussert. «Eine Aufgabe des CEO ist, dass Fragen auf den Tisch kommen und unpolitisch, sachlich sowie sachgerecht diskutiert werden. Er muss dann entscheiden, wenn verschiedene vertretbare Meinungen aufeinandertreffen.»

Engagement und Entwicklung

Eine andere wichtige Komponente zur Motivation sei, abwechslungsreiche Arbeit zu bieten sowie die Möglichkeit, dass die Mitarbeitenden etwas verändern und auch mitbestimmen können. Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden zählt Bruno Pfister zu den Motivationsfaktoren. Allerdings sei dieser Punkt nicht einfach umzusetzen in einem Unternehmen von der Grösse von Swiss Life, das im europäischen Kontext betrachtet eher ein mittelständisches Unternehmen ist. Fehlende Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ist einer der Kritikpunkte, der in der jährlichen Mitarbeiterbefragung immer wieder aufs Tapet kommt. Stolz ist Pfister jedoch, dass die Engagement-Werte markant über dem europäischen Durchschnitt liegen und dass überhaupt an diesen Umfragen rege teilgenommen wird. Er schliesst daraus, dass den Mitarbeitenden das Wohl des Unternehmens am Herzen liegt und sie die Gelegenheit, sich zu äussern, schätzen.

Gleichzeitig zeige die Befragung aber immer auch Verbesserungspotenzial auf: Handlungsbedarf für die Führung insgesamt besteht in der Vermittlung der Strategie, wie es in jedem Führungshandbuch gelehrt wird. Die Mitarbeitenden aller Stufen müssten besser eingebunden werden. Für jeden Einzelnen und jede Einzelne in der Organisation müsse klar sein, was von ihm oder ihr erwartet wird und wie die Mitarbeitenden ihren Beitrag zur gesamten Entwicklung des Unternehmens leisten können.

Eine Frage der Zeit

Für sich selbst sieht Pfister aufgrund der Mitarbeiterbefragung ebenfalls Verbesserungspotenzial: «Sich Zeit zu nehmen, um den Mitarbeitenden aufzuzeigen, was das Ziel ist und wie man dahin gelangt. Hier könnte ich noch mehr investieren.» Zielorientierung und Sachlichkeit im Umgang mit den Mitarbeitenden scheinen im Gespräch immer wieder durch. Dennoch klammert er Emotionen nicht aus: «Ver­trauen setze ich voraus. In der schnelllebigen Zeit, der Grösse der Organisation und der schlanken Unternehmensaufstellung ist es nicht möglich, alles zu hinterfragen. Man muss sich auf das abstützen können, was ­einem gesagt wird. Vertrauen ist die Basis für die Führung.» Seinen eigenen Führungsstil bezeichnet Bruno Pfister als direkt, entscheidungsfreudig, zukunftsorientiert und offen.

Seiner Frau sind seine Führungsfähigkeiten egal. «Wenn ich zu Hause bin, bin ich gut beraten, mich nicht zu stark in die Abläufe einzumischen – was mir nicht immer gelingt.»

CEO Bruno Pfister

Bester Rat: «Den erteilte mir meine Grossmutter. Frei nach Schillers Wilhelm Tell sagte sie: «Sieh vorwärts und nicht hinter dich.»

Grösster Irrtum: «Ich wollte lange keine Kinder. Heute bin ich Vater eines neunjährigen Sohns. Es ist eine wunderbare und bereichernde Erfahrung.»

Alle Ranglisten zum CEO des Jahres finden Sie: hier.

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