Die Aktionäre von Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, haben laut der Aktionärs-Beraterin Inrate dieses Jahr klare Signale gesandt gegen Lohnexzesse. Sie untersuchte neu wenig beleuchtete Corporate-Governance-Mankos. Unter anderem fehle es den Verwaltungsräten an Digitalisierungskompetenzen. Nur 6,5 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder von 168 untersuchten Firmen hierzulande haben Digitalisierungskompetenzen. Dies ergab die zRating-Studie der Beratungsfirma Inrate aus Zürich.

Bei 18 Prozent der Verwaltungsratsgremien fehlten mehr als zwei Kompetenzen, sagte Christophe Volonté, Leiter Corporate Governance von Inrate am Donnerstag vor den Medien. Zu den notwendigen Kompetenz zählten unter anderem Industrieerfahrung, Finanzwissen und internationale Erfahrung. Neu erfasst wurde zudem die Transparenz über Generalversammlungen (GV) und Verwaltungsrats-Sitzungen. «Uns stört, dass fast die Hälfte der Firmen keine Angaben über die Resultate der GV machen», sagte Volonté weiter. Auch Angaben über VR-Sitzungen fehlten.

Weniger Sitzungen

Die vorhandenen Informationen zeigten, dass sich die Verwaltungsratsgremien 2016 deutlich weniger Zeit für Sitzungen nahmen als in den Vorjahren. Der Anteil der Gremien, die insgesamt weniger als (hochgerechnet) 6 Tagessitzungen durchführten, verdoppelte sich auf knapp 60 Prozent, wie aus der Studie weiter hervorgeht.

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Unzureichend seien auch die Angaben über die individuelle Sitzungsteilnahme der VR - sie seien nur bei 23 Prozent der Firmen vorhanden. Dabei sollten die Aktionäre doch wissen, ob die Verwaltungsräte ihre Interessen wahrnähmen, so Volonté. Ein weiterer Kritikpunkt: 35 Prozent der Vergütungsberichte sind wenig transparent oder wenig verständlich.

«Klare Signale gesandt»

ZRating vertritt vor allem Pensionskassen und insgesamt rund 2 Prozent der Stimmen an Generalversammlungen von in der Schweiz kotierten Firmen. Die weiteren zRating-Befunde der vergangenen Generalversammlungssaison sind jenen der Anlagestiftung Ethos sehr ähnlich: Die Aktionäre seien kritischer und viel mehr Anträge seien abgelehnt worden als in den Vorjahren - vor allem bei den Vergütungen. «Die Aktionäre haben bei Konzernen wie Credit Suisse und GAM klare Signale gesandt, dass nicht mehr alles erlaubt ist», führte Volonté aus.

Inrate bewertet regelmässig die Unternehmensführung der an der Schweizer Börse kotierten Firmen an ihren Corporate-Governance-Standards und gibt Stimmempfehlungen. Firmenberatung macht die Firma nicht. Am besten abgeschnitten im zRating 2016 hat Ascom, gefolgt von Inficon, Sunrise und Schaffner. Auf dem letzten Platz befindet sich Pargesa. Auf den hinteren Rängen befinden sich ausserdem Sika, Swatch Group, Lindt&Sprüngli sowie Schindler.

Schlecht beurteilt wurden diese Firmen wegen zwei Aktienkategorien, Stimmrechtsbeschränkungen oder mangelnder Unabhängigkeit des Verwaltungsrats.

(sda/gku)