Verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank vorzeitig? Der Konzern hat einen entsprechende Meldung dementiert. Die deutsche «Bild»-Zeitung hatte berichtet, der 63-Jährige habe angedeutet, seinen bis zur Hauptversammlung 2013 laufenden Vertrag nicht zu erfüllen und die Bank schnell zu verlassen, sollte Deutschland-Chef Jürgen Fitschen als Teil einer Doppelspitze berufen werden.

Dies sei «absoluter Quatsch», sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher in Frankfurt. Die Zeitung berief sich in einem vorab zur Verfügung gestellten Bericht auf «mit den Vorgängen vertraute Personen».

Fitschen wird als Favorit von Aufsichtsratschef Clemens Börsig gehandelt, gemeinsam mit dem Investmentbanker Anshu Jain (48) die grösste Deutsche Bank zu führen. Fitschen (62) ist wie Ackermann Jahrgang 1948 und gilt deshalb vielen allenfalls als Übergangslösung.

Vorentscheid am Wochenende gefallen?

Kolportiert wurde, dass der Schweizer Ackermann sich alternativ für seinen Vertrauten und Landsmann, Risikovorstand Hugo Bänziger (55), als Teil der künftigen Führungsspitze eingesetzt habe.

Am Wochenende soll in kleiner Runde eine Vorentscheidung für das Duo Jain-Fitschen gefallen sein. Einen verbindlichen Beschluss kann jedoch nur der 20-köpfige Aufsichtsrat fassen. Bislang ist keine ausserordentliche Sitzung des Kontrollgremiums angesetzt, wie aus Kreisen verlautete.

Anzeige

Regulär kommt der Aufsichtsrat am 25. Juli wieder zusammen, am Tag vor der Vorlage der Halbjahreszahlen der Deutschen Bank (Aktienkurs Deutsche Bank). Der Aufsichtsrat müsste den oder die Ackermann-Nachfolger mit einfacher Mehrheit bestimmen und zugleich einen Zeitpunkt benennen, ab dem die neue Regelung gilt.

Nach Informationen der «Welt» vom Dienstag soll auch der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats mit dem Vorschlag Jain-Fitschen einverstanden sein. In dem vierköpfigen Gremium sitzen neben Börsig und Tilman Todenhöfer noch die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Karin Ruck und Alfred Herling, beide Arbeitnehmervertreter.

«Schwächstmögliche Verlegenheitslösung»

Dass doch noch ein externer Kandidat zum Zuge kommt, halten Experten für ausgeschlossen, nachdem Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber nicht mehr zur Verfügung steht. Weber, der künftig bei der UBS tätig sein will, galt als Ackermanns Favorit.

Weber wäre der erste von aussen eingekaufte Vorstandschef der Deutschen Bank gewesen. Bisher wurde immer einer der Vorstände des Instituts auf den Chefposten befördert.

Die sich abzeichnende Doppelspitze bezeichnete Bankenexperte Wolfgang Gerke im «Deutschlandradio Kultur» als «schwächstmögliche Verlegenheitslösung». Eine Doppelbesetzung würde zeigen, dass die Bank niemanden gefunden habe, der das Institut nach allen Seiten repräsentieren könne, befand Gerke.

(tno/laf/awp)