Slowfood begann in Italien. Italien steht aber auch für Pizza und Pasta. Und nun führt ausgerechnet ein Italiener die Fastfoodkette McDonalds in der Schweiz und Liechtenstein. Mit diesem Widerspruch konfrontiert, meint Mario Federico: «So ist mein Leben: Ich stehe auf Big Mac & Co. und liebe Pizza und Pasta.»

Und was ist sein Lieblingsessen? «Als gebürtiger Italiener esse ich natürlich am liebsten die Pasta von la mamma, claro! Ebenso klar den Big Mac, wenn ich bei McDonalds bin.» Dann fügt er bei: «Man muss nicht jeden Tag bei McDonald’s essen gehen, ehrlich gesagt.» Fast- und Slowfood würden sich gut kombinieren lassen. «Keiner soll sich verpflichtet fühlen, zu McDonald’s zu gehen. Unsere Gäste essen durchschnittlich nicht mehr als zweimal pro Monat bei uns. Damit bin ich zufrieden.»

Kochen ist eine der grossen Leidenschaften des temperamentvollen Süditalieners. «Das entspannt mich!» Am Wochenende bekocht er seine Familie mit indischen Menüs wie etwa Chicken Tika und backt mit seinen Teenager-Töchtern Kuchen. An Feiertagen wie Weihnachten und Ostern zelebriert er klassische Menüs der französischen oder italienischen Küche. Essen ist für ihn mehr als ein kulinarischer Moment: «Das sind Momente des Zusammenseins, der Leidenschaft, der Liebe», schwärmt der 46-Jährige.

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Jüngster von acht Kindern

Die Liebe zum Essen hat seiner Linie nicht geschadet. Dafür sorgt auch sein regelmässiges Joggen. Er will fit für den Marathonlauf sein. Demnächst will er am Marathon in Lausanne teilnehmen.

Das Kochen hat ihm seine Mutter beigebracht. Vor kurzem hat er auch einen thailändischen Kochkurs in München besucht, wo seine Familie aktuell noch wohnt. Seine Frau ist Deutsche. «Schwäbin», präzisiert er.

Begonnen hat seine Liebe zum Essen und Kochen zu Hause in Scafati bei Pompeji. Dort ist er als Nesthäkchen von acht Kindern aufgewachsen und hat der Mutter gerne in der Küche zugeschaut, wenn er nicht gerade am Fussballspielen war. Sein Vater arbeitete als Techniker in einem staatlichen Unternehmen für Tabak und Salz.

Die Familie war weitgehend Selbstversorger mit Schweinen, Truthähnen, Kaninchen und Hühnern und einem Gemüsegarten. «Mein Vater konnte uns nicht jeden Tag Fleisch bieten. So war die Realität. Der kleine Mario hat gerne Kochexperimente mit Melonen und Tomaten gemacht - und dabei viel Spass gehabt», lacht er über sich selbst.

Während seine drei Brüder und vier Schwestern studierten, wurde ihm bald klar: Er wollte selbstständig werden, die Welt bereisen, Sprachen lernen, und er besuchte deshalb die Hotelfachschule. Mittlerweile spricht er vier Fremdsprachen fliessend: Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch. Er ist ein Sprachtalent, wie seine Mitarbeitende bestätigen.

Mit bereits 14 Jahren hat er in Salerno die Hotelierschule besucht. In den Sommerferien kellnerte er in Paestum und in der Nähe von Salerno in verschiedenen Restaurants. An Trinkgeld mangelte es dem charmanten Federico nicht.

«Ich habe als Drittbester von 60 Schülern abgeschlossen. Darauf bin ich stolz.» Danach hat er eine Saison lang in einem Hotel in der Lagunenstadt Venedig gearbeitet. Bis es ihn weiter nach London zog. Sein Sprachendurst hat ihn immer wieder in neue Länder getrieben.

Begonnen hat er als Kellner in einem italienischen Restaurant mitten in der Londoner City. Dort bediente er Kunden verschiedenster Nationalitäten - nur Engländer verirrten sich nicht in dieses Lokal. Nach drei Monaten hat er dort den Dienst quittiert und eine Kellnerstelle in einem englischen Hotel erhalten, später im englischen Warenhaus Simpson.

Nach drei Jahren war sein Englisch perfekt. Nun wollte er Französisch lernen. Ein kleiner Brief und ein Curriculum vitae haben genügt, um die Anstellung im Luxushotel Hilton in Strassburg zu erhalten, wo er als Chef de Service anheuerte. «Französisch lernte ich viel schneller als Englisch, in drei Monaten sprach ich bereits Französisch.» Siebeneinhalb Jahre blieb er dem Hilton in Strassburg treu, arbeitete sich zum Maître dhôtel und zum Bankettdirektor empor. In Strassburg hat er auch seine grosse Liebe kennengelernt und geheiratet. Seine Frau arbeitete damals in Strassburg bei Hilton an der Rezeption.

«Ich traf bei Hilton alle Arten von Leuten: Chirurgen, Versicherungsleute, Polizisten.» Und Liebespaare, die heiraten wollten: «Deshalb habe ich auch viele Hochzeiten organisiert.» Hilton schickte ihn als stellvertretenden Food&Beverage-Director nach London. Als Nächstes wollte er noch besser Deutsch lernen und wurde stellvertretender Hilton-Direktor in München. Nach 13 Jahren bei Hilton war sein Wunsch, mit seiner Familie sesshaft zu werden, deshalb bewarb er sich bei McDonalds und wurde prompt angestellt - ein langer Weg vom Glanz und Glimmer der Luxusgastronomie zur multinationalen Frittenbude.

Bei McDonalds in München leitete er anfänglich 20 Restaurants. «Das war für mich eine neue Welt. Es geht dabei nicht nur darum, Pommes zu verkaufen, sondern auch um Details und Qualität.» Dem Länderchef ist bewusst, dass das Image von McDonalds nicht bei allen über jeden Verdacht erhaben ist. Auch dass das fettige Fastfood als ungesund und dick machend gilt. «Man weiss eben nicht genug, was hinter den Kulissen unseres Unternehmens läuft. Qualität steht bei uns immer an erster Stelle und wir machen auch viel für den Umweltschutz. Auch wenn wir nicht perfekt sind.»

Ciao Frittieröl-Image

Das Logo von McDonalds wird nun von Rot auf Grün umgestellt und die Restaurants erhalten künftig ein grün-gelbes Kleid. Für Federico ein Zeichen für die nachhaltige Strategie des Unternehmens.

Obwohl er in München sesshaft werden wollte, folgte er dem Ruf von McDonald’s in sein Heimatland nach Mailand. «Wenn man Ambitionen hat, muss man sich eben anpassen.» Und hat er für Berlusconi gestimmt? Als Gastronom hat er sichtlich Mühe mit der politischen Frage. Schliesslich ringt er sich durch: «Nein, seine Skandale, seine Frauengeschichten, seine intransparenten Geschäfte gefallen mir nicht.»

Bald packte er die nächste Chance: Federico wollte nochmals eine neue Sprache lernen und konnte in Spanien zur Nummer zwei bei der Fastfoodkette aufsteigen. «Ich hatte eine Chefin, die mich unglaublich förderte.» In nur drei Monaten beherrschte er Spanisch. «Slow down», musste ihm seine damalige Chefin, Patricia Abrile, mehrmals raten. «Er war manchmal fast zu dynamisch», lacht sie. «Er ist ungeduldig, aber es ist ihm sehr wichtig zu wissen, wie andere denken.»

Federico gibt zu: «Ich werde rasch emotional. Ich bin Italiener. Ich will mich nicht ändern, aber an meinen Schwächen arbeiten.» Bei den leidenschaftlichen Madrilenen hat er sich sofort zu Hause gefühlt. Und ist jetzt trotzdem in der nüchternen Schweiz gelandet. «Sie ist für mich ideal, ich kann jeden Tag Italienisch, Französisch und Deutsch sprechen.»

Sein Ziel war es immer, in einem Unternehmen die Nummer eins zu werden. Die Chance dafür kam nach dem Tod seines Vorgängers Martin Knoll, der mit dem Mountainbike verunfallte. Prompt erhielt der schnelle Italiener das Angebot, McDonalds-Chef der Schweiz und von Liechtenstein zu werden. Für Federico kein einfacher Entscheid. Denn der Österreicher Knoll war nicht nur Kollege, sondern auch ein Freund von ihm. Jetzt will er auf dessen Wachstumspfad weitergehen: «Ich möchte noch viele Restaurants eröffnen und modernisieren.»