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Umfrage
«Vor zwei Jahren fühlte sich die Taxi-Branche noch sicher»

Arbeitsprozesse: Die Digitalisierung soll vieles leichter machen.  Keystone

Jede Branche ist von der digitalen Transformation betroffen, auch solche, die es nicht ahnen. Sabine Berghaus von der Universität St. Gallen will Firmen im Prozess helfen.

Von Jorgos Brouzos
am 18.11.2014

Die Digitalisierung verändert unser Zusammenleben. Das betrifft zunehmend auch Unternehmen. Mit Hilfe des Digital Maturity Models kann die digitale Reife eines Unternehmens bestimmt werden. Das Ziel der Initiative ist es, ein Werkzeugkasten zur digitalen Transformation für Schweizer Unternehmen anzubieten. Im nächsten Jahr wird dann das Unternehmen ausgezeichnet, das besonders grosse Fortschritte bei der Digitalisierung erreicht hat.

Hinter der Swiss Digital Transformation Initiative steht das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen, das Beratungsunternehmen Crosswalk und die Initianten des Internet-Wettbewerbs «Best of Swiss Web». Sabine Berghaus von der Hochschule St. Gallen hat das Modell mitentwickelt.

Warum ist die digitale Transformation für Schweizer Firmen wichtig?
Sabine Berghaus: Die Entwicklung der Technologie ist dynamisch. Mobile Geräte haben die Art, wie wir miteinander interagieren, verändert. Das bedeutet auch, dass die Kunden sich verändern. Ein digitaler Nutzer kauft anders ein und stellt andere Erwartungen an Produkte und Dienstleistungen. Er möchte beispielsweise einen mobilen Kundenservice oder Anfragen per Twitter stellen können. Das betrifft nicht nur junge Konsumenten, also digitale Natives, sondern auch ältere Kunden. Das gilt auch für Mitarbeiter von Unternehmen. Das zeigt sich etwa daran, dass sie ihr iPad und ihre Dropbox privat und für die Arbeit verwenden

Grosse Unternehmen in der Schweiz strengen sich an, um digitaler zu werden. Das gilt vor allem für solche mit Endkundenkontakt. Wie sieht es im Grosskundenbereich aus?
Firmen mit einem starken Fokus auf Endkunden spüren den Wandel schneller. Ich kenne aber auch Firmen aus dem Grosskunden-Bereich, die sich diesem Wandel stellen. Beispielsweise gibt es aus der Versicherungsbranche interessante digitale Vertriebslösungen.

Welche Branchen stellen sich denn dem Wandel offensiver?
Es ist jede Branche davon betroffen. Vor zwei Jahren fühlte sich die Taxi-Branche noch sicher. Heute ist die digitale Transformation durch den Taxi-Dienst Uber Realität. Uber hat die Branche in kürzester Zeit in Aufruhr versetzt. Das zeigt auch, dass in jeder Branche ein neuer Wettbewerber entstehen kann.

Wie soll sich eine Firma dem Wandel stellen?
Es ist wichtig, dass die Führungsebene einer Firma den Wandel erkennt und die Veränderung antreibt. Sie gibt die digitale Vision vor. Die Führung muss den Wandel antreiben. Das bedeutet, wenn das Top-Management nicht mitzieht, kann das Unternehmen nicht viel bewirken. Digital ist nicht ein Thema, das in der Abteilung XY verortet werden kann. Solche Silos müssen aufgelöst werden.

Was bedeutet das?
Wir haben viele Interviews mit Unternehmensvertreten geführt. Dort wurde uns klar, dass der Firmenchef zwar wichtig ist, weil er die Entwicklung antreibt. Genauso wichtig ist aber das mittlere Management. Dort werden die Projekte auf der operativen Ebene umgesetzt. Dort wird das digitale Thema mitgetragen. Die verschiedenen Abteilungen einer Firma, wie Informatik und Kundenservice, müssen dafür gemeinsam an einen Tisch sitzen können.

Was wollen Sie mit Digital Maturity Modell erreichen?
Wir wollen die Firmen sensibilisieren, damit sie sich damit auseinandersetzen. In den Medien wird oft behauptet, dass die Firmen die digitale Transformation verschlafen. Unser Modell hilft nun dabei, mögliche Handlungsfelder aufzuzeigen. Eine Firma kann auch erkennen, wo sie bereits stark ist und wo sie noch Schwächen hat.

Wie gingen Sie bei der Entwicklung des Modells vor?
Wir wollen mit unserer universitären Forschungsarbeit aktuelle Praxisthemen aufgreifen. Daher haben wir bei der Erstellung des Modells mit mehreren Partnern und Experten zusammengearbeitet. Interessant ist, dass es für uns sehr einfach war, bekannte Experten an den Tisch zu bekommen. Das zeigt uns, wie relevant das Thema Digitalisierung ist.

Was ist das Besondere an ihrem Modell?
Wir werden in der Auswertung die Branchen unterschiedlich gewichten. Denn jede Branche funktioniert anders, man kann sie daher nicht über einen Kamm scheren. In der Umfrage und der Datenauswertung werden wir zudem die Angaben von verschiedenen Personen aus dem gleichen Unternehmen zusammenführen. Das hilft dem Unternehmen, ein differenzierteres Bild vom Status ihrer Firma zu erlangen.

Welche Firmen sollen an der Studie teilnehmen? Was bekommen Sie dafür?
Jede Firma kann mitmachen. Nach der Umfrage erhält eine Firma einen ersten Check. Darin sieht es sich im Vergleich zu verschiedenen Best-Practice-Indikatoren. Nach dem Abschluss der Umfragephase erhält eine teilnehmende Firma den Vergleich zur gesamten Branche.

Wie lange dauert die Umfrage?
Der Fragebogen sollte in zwanzig Minuten machbar sein. Man muss sich also ein bisschen Zeit nehmen. Doch dafür erhält jede Firma wichtige Anregungen, wo es Verbesserungen im Bereich der Digitalisierung gibt.

Die Umfrage ist unter digital-maturity-check.ch zu finden. Hier lässt sich die digitale Reife eines Unternehmens prüfen. Der  Check ist eine Teilnahme-Voraussetzungen für den «Digital Transformation Award». Der Preis wird im Rahmen der «Best of Swiss Web» Award-Night im März 2015 verliehen.

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