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Lebensmittelkonzern
Wan Ling Martello tritt bei Nestlé ab

Wan Ling Martello
Wan Ling Martello: Rückzug auf Ende Jahr.Quelle: Keystone

Nestlé-Topmanagerin Wan Ling Martello zieht sich aus der Firma zurück. Sie galt einst als Kronprinzessin des Konzerns.

Von Gabriel Knupfer
am 18.10.2018

Im Topmanagement von Nestlé kommt es zu einer Veränderung: Wan Ling Martello, Leiterin der Zone Asien, Ozeanien und Subsahara Afrika (AOA) und frühere Finanzchefin, verlässt Ende Jahr das Unternehmen. Ihr Nachfolger wird Chris Johnson, wie der Nahrungsmittelkonzern am Donnerstag zusammen mit den Neunmonatszahlen mitteilte.

Martello stiess 2011 als Finanzchefin zu Nestlé und wurde 2015 zur Leiterin der Zone AOA ernannt, welche 95 Länder umspannt. Die Zone habe sich damals mit grossen Herausforderungen konfrontiert gesehen und habe sich unter ihrer Führung zur profitabelsten und am schnellsten wachsenden Geschäftseinheit entwickelt, schrieb der Konzern in der Mitteilung.

Martello wurde entsprechend auch als mögliche Nachfolgerin für den Konzernchef-Posten von Paul Bulcke gehandelt, der dann aber bekanntlich an den von aussen kommenden Mark Schneider ging. Über Martellos Zukunftspläne ist noch nichts bekannt.

Strenge Erziehung

Martello wurde 1958 als Tochter chinesischer Einwanderer auf den Philippinen geboren. Ihre Eltern, ein Lehrer für chinesische Literatur und Geschichte und eine Zahnärztin, hatten Festlandchina vor der kommunistischen Übernahme 1949 verlassen. Das Elternhaus war streng. «Meine Eltern waren sehr anspruchsvoll», erinnerte sie sich 2005 in einem der wenigen Interviews, in denen sie über Persönliches sprach.

In der chinesischen Schule wurde sie vormittags in Englisch und nachmittags in Mandarin, der chinesischen Hochsprache, unterrichtet. Hinzu kamen Lektionen in Spanisch und in der philippinischen Nationalsprache Tagalog. Zudem spricht sie Foo-kien, den Dialekt der chinesischen Minderheit auf den Philippinen

Sie sei jeden Tag von halb acht bis bis halb sechs und am Samstagmorgen in der Schule gewesen, erinnerte sie sich 2005. «Da war kein Platz für ausserschulische Aktivitäten.» Sie könne deshalb weder Velo fahren noch schwimmen.

Global vernetzt und mutig

Als Jugendliche entschied sie sich für einen Studiengang in Rechnungswesen an der University of the Philippines. Die Ausbildung gilt als besonders anspruchsvoll. Später migrierte sie mit ihren Eltern in die USA – der besseren Ausbildungsmöglichkeiten wegen. Ihren MBA macht sie an der Universität von Minnesota.

Bei Nestlé begann sie als Finanzchefin. Ein grosses Plus war ihre globale Vernetzung. Kurz nach ihrer Beförderung zur AOA-Chefin, nahm die Nestlé-Frau Einsitz im Verwaltungsrat von Alibaba. Im Januar 2016 schloss sie mit dem chinesischen Internetriesen einen Partnerschaftsvertrag ab.

Unter Martello wurde Asien wieder zur entscheidenden Wachstumsregion des Schweizer Weltkonzerns. Martello genoss intern und extern einen ausgezeichneten Ruf. Beobachter attestieren ihr Durchsetzungswillen, Entscheidungsfreudigkeit und Mut.

Bisheriger Personalchef wird neuer Asienchef

Ihr Nachfolger als Chef der AOA-Zone wird per Anfang 2019 Chris Johnson, aktuell noch oberster Personalchef (Head of Group Human Resources & Business Services) von Nestlé. Während seiner 35 Jahre beim Konzern hatte Johnson bereits «diverse wichtige Führungsrollen» in Märkten, Geschäftseinheiten und Stabsfunktionen inne. Er verfüge zudem über umfangreiche Erfahrungen in Asien, hiess es.

Nachfolgerin von Johnson wiederum wird Béatrice Guillaume-Grabisch, zurzeit Vorstandsvorsitzende von Nestlé Deutschland. Sie wird im Rahmen ihrer neuen Funktion auch Mitglied der Nestlé-Konzernleitung.

(Mitarbeit Seraina Gross. Mit Material von awp)

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