Montagmorgen. Ihr habt gut geschlafen und freut euch auf die neue Arbeitswoche. Eure Mitgeschäftsführerin hat den Bruttoinhouseglücksreport unter dem Arm und fragt nach eurem Befinden, während ihr in Ruhe zum ersten Meeting des Tages geht. Eure Vertriebsmannschaft ist nicht nur anwesend, sondern gesund und fit. Ihr beginnt das Treffen mit der Auswertung der Erfolge der letzten Woche.

Albtraum, Traum oder Vision? Seid ihr dabei? Falls nicht, solltet ihr besser umdenken. Denn der Erfolg eines Unternehmens wird heute nicht durch Technologievorsprung oder Pünktlichkeit entschieden, sondern durch das, was sich in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter abspielt. Und dafür haben Frauen eine gute Hand.

Wohlbefinden ist wichtiger als Spass an der Arbeit

Der Versuch der deutschen Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu «motivieren », ist an seine Grenzen gekommen: Viele haben die innere Kündigung abgegeben, die Engagierten brennen aus. Technische Ressourcen wurden jahrelang besser gepflegt als menschliche.

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Wenn das, was wir tun, nicht mehr bringt, was es soll, müssen wir etwas ändern. So wurde beispielsweise in einer Metaanalyse von Sonja Lyubomirsky wissenschaftlich nachgewiesen, dass Wohlbefinden die Arbeitsproduktivität besser vorhersagt als die Freude an der Arbeit. Selbst wenn die Arbeit keinen Spass macht, wird jemand, dem es gut geht, sie besser erledigen als jemand, dem es schlecht geht – selbst wenn der seine Lieblingsarbeit verrichtet.

Die Gallup-Gruppe um Tom Rath hat in weltweiten Studien herausgefunden, dass es fünf Arten von Wohlbefinden gibt: Tätigkeitswohlbefinden, soziales, finanzielles, physisches und Gemeinschaftswohlbefinden. Schätzt ihr doch einmal, welches davon den grössten Einfluss auf euer gutes Lebensgefühl hat? Das, worauf wir wohl als letztes gewettet hätten: die Tätigkeit! Wer sich mit seiner Tätigkeit wohl fühlt, hat eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für ein gutes Gesamtwohlbefinden.

Die fünf Gebote des Managements von morgen

Frauen sind beim Faktor Mensch einen Schritt voraus. Nach einer Befragung des Unternehmerinnenverbandes gaben weibliche Führungskräfte an, dass sie zur Mitarbeiterbindung Weiterbildungen und Massnahmen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzten würden. Männer arbeiten eher mit Boni, Gehaltserhöhungen und Dienstwagen.

1. Kümmert euch um Menschen – und zuerst um euch selbst

Investiert darin, dass es euch gut geht. Mitarbeiter haben feine Antennen dafür, wie ihre Chefs drauf sind. An der Universität von Pennsylvania wurde herausgefunden, dass Lehrer, die zufrieden mit ihrem Leben waren, Schüler besonders gut motivieren konnten.

Regt sich bei euch hier die Sorge, Egoist zu sein? Gut für sich sorgen heisst nicht schlecht für andere zu sorgen. Es ist überhaupt erst einmal die Voraussetzung dafür, dass wir etwas zum Abgeben haben.

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2. Die Formel für erfolgreiche Teams

Barbara Fredrickson hat erforscht, in welchem Verhältnis positive zu negativen Momenten stehen müssen, damit Menschen langfristig gesund und Teams erfolgreich sind. Dadurch, dass negative Gefühle stärker wirken als positive, braucht es ein 3:1 von Positivem zu Negativem. Auf einmal Ärgern darf sozusagen drei Mal Freuen kommen. Dies klingt anstrengender als es ist, denn unser Leben ist ja voll von schönen Dingen. Frauen werden für die Orientierung auf Schönes oft belächelt. Nun wissen wir, es macht Sinn – auch im Berufsleben. Beginnt Meetings mit positiven Informationen, schreibt Ermutigendes in Mailabsender. Dankt anderen öfter. Konzentriert euch auf die Stärken von Menschen. Lobt sie zum Erfolg.

3. Ein Recht auf gute Stimmung festlegen

Hilfreich ist, sich mit optimistischen Menschen zu umgeben. Wir sollten uns von Menschen und Nachrichten fernhalten, wenn negative Informationen, Missmut und Zweifel verbreitet werden. Je mehr wir davon hören, umso normaler ist es für uns, und am Ende glauben wir gar, so ist die Realität. Weit gefehlt. Wir filtern genau das, was zu unseren Erwartungen und Erfahrungen passt.

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Betrachtet bei neuen Mitarbeitern nicht nur deren Zeugnisse, sondern auch, welche Stimmung und Einstellung sie mitbringen. Gleiches gilt für Dienstleister, mit denen ihr regelmässig zu tun habt. Nicht der Billigste ist der Beste, sondern der, mit dem man gern zusammen ist.

4. Unternehmensfreundlicher Egoismus

Jetzt kommt die grosse Überraschung: Es ist egoistisch, nicht gut für sich zu sorgen, weil wir dann von andern erwarten, dass sie für unser Wohlbefinden sorgen. Deshalb: Ermutigt Kollegen und Mitarbeiter zu Pausen, Urlaub, pünktlichem Feierabend und kleinen Auszeiten am Arbeitsplatz.

Gut für sich zu sorgen heisst: Das Beste ist genau richtig. Mit dieser Haltung erzielen wir die grössten Effekte. Und die Haltung, das Beste zu nehmen, zieht auch die Konsequenz, das Beste gern zu geben, nach sich. Weiblicher Perfektionismus z.B. hat so gesehen auch seine guten Seiten.

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5. Nach der Arbeit Abstand schaffen

Gebt die Illusion auf, wir könnten Arbeit und Privatleben trennen. Sorgt lieber dafür, dass ihr in einem guten Zustand nach Hause kommt. Meist verbrauchen wir alle Kraft bei der Arbeit und verhalten uns dann, wie wir es Kunden oder Kollegen gegenüber nie tun würden.

Lernt und vermittelt Strategien, wie man nach der Arbeit zunächst einmal allein Stress abbaut. Zum Beispiel indem erst Sport getrieben oder zumindest einmal um den Block gegangen wird. Der Körper baut das Stresshormon Cortisol durch Bewegung ab. Oder indem Bücher gelesen werden – schon sechs Minuten führen zu einer Reduktion des Stresslevels von 68 Prozent. Nutzt Musik oder Entspannungs-Musik auf dem Heimweg.

 Und was ist nun mit den Managerinnen?

Wahrscheinlich hat sich die Antwort schon von selbst erschlossen. Wir machen aber trotzdem ein kleines Experiment. Beantwortet folgende Fragen:

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Wer merkt sich die Geburtstage und Urlaubsorte der Kunden, oder dass die Sekretärin auf Nüsse allergisch ist? Wer ermutigt und fördert kleine und grosse Menschen und wertschätzt jeden Fortschritt beim Lernen? Wer achtet auf gesundes Essen und schafft immer und überall eine Wohlfühlatmosphäre? Wen spricht man an wenn es Sorgen zu teilen gibt? Wer tauscht sich gern mit anderen aus und merkt, wenn es jemandem nicht gut geht? Kurzum, wer kümmert sich seit Jahrhunderten bevorzugt um Menschen? Frauen.

Auch wenn die Glücksforschung von einem Mann, dem Psychologen Martin Seligmann, aus der Taufe gehoben wurde, ist sie doch wie für Frauen gemacht. Die Zeit ist schon längst da, dass Frauen nicht nur ihre fachlichen, sondern vor allem persönlichen Kompetenzen zum Zug bringen. Die Zeit, in der es um Menschen und Wohlbefinden in Unternehmen geht.

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Frauen haben mehr Ressourcen als sie denken

Nützlich ist dabei sicher auch, dass Frauen einen besseren Zugang und mehr Erfahrung mit allen Arten von menschlichen Ressourcen haben: mentale Ressourcen wie Achtsamkeit oder Genussfähigkeit, psychologische Ressourcen wie Selbstreflexion, soziale Ressourcen wie gepflegte Beziehungen und physische Ressourcen aufgrund einer gesünderen Lebensweise.

Der Wirtschaftsfaktor Wohlbefinden ist die Zukunft der Unternehmen – und der Managerinnen.

* Ilona Bürgel ist als Expertin für körperliches und geistiges Wohlbefinden eine der deutschen Topreferentinnen. Als Vertreterin der Positiven Psychologie hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen an sich selbst zu erinnern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.

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