Sein Markenzeichen: die Farbe Orange. Krawatte, Manschettenknöpfe, Socken – selbst das Ziffernblatt seiner Armbanduhr leuchtet in der Signalfarbe. Obwohl der Marketing-Guru kaum ein Wort versteht, das auf dem Swiss Leadership Forum gesprochen wird, kennt er keine Berührungsängste.

Im Gegenteil: Die Bühne ist seine Arena. Im Scheinwerferlicht blüht Chester Elton auf. Der Mann aus New Jersey springt von einer Ecke in die andere, reisst seine Augen weit auf und die Arme in die Luft. Selten war die Beschreibung Impulsreferat für einen Vortrag treffender.

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Das Who ist Who der Schweizer Wirtschaft hat sich an diesem Donnerstag im Zürcher Kongresshaus, nahe dem See, versammelt. 800 Unternehmerinnen und Unternehmer sind zu Gast. Die Agenda ist gespickt mit prominenten Rednern: Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, zeigt die Vorteile der Personenfreizügigkeit auf. Die in Zürich geborene Barbara Kux, ihres Zeichens Vorstand beim Grosskonzern Siemens, referiert über die wachsende unternehmerische Konkurrenz aus Asien. Auch Oberstleutnant und Jetpilot Daniel Hösli hat mit seinem Vortrag über «Teamwork bei Tempo 1000» viele Lacher auf seiner Seite.

Doch der mit Abstand schillerndste – wenn auch füs Schweizer Publikum gewöhnungsbedürftigste – Redner, da sind sich die meisten Besucher einig: Chester Elton. Der Mann, der Plüschkarotten ins Publikum wirft. Handelszeitung.ch sprach mit dem Kommunikations-Papst, dessen acht Bücher in über 30 Sprachen übersetzt und mehr als eine Million Mal verkauft wurden.

Skurille Vorstellung, Herr Elton. Was hat es mit den Karotten auf sich?
Chester Elton: Grossartig, nicht? Ich bin immer wieder überrascht. Hier sind so viele unheimlich erfolgreiche Geschäftsleute, die sehr viel Geld verdienen – aber die Chance eine Plüsch-Karotte zu fangen, überwältigt sie. Da werden sie richtiggehend verrückt. Das Stichwort heisst Anerkennung. Wenn Menschen sich einbringen können und du ihnen Aufmerksamkeit schenkst, wird das honoriert.

Sie haben mehrere Bücher über Managament geschrieben, beraten internationale Konzern wie American Express, halten Vorträge auf der ganzen Welt – und ihre Message ist unterm Strich so simpel?
Einstellung ist der Schlüssel – egal, in welchem Betrieb man arbeitet, wie das wirtschaftliche Umfeld aussieht. In den USA gibt es eine Restaurant-Kette: Texas Roadhouse. Für die Gäste gibt es grossartige Steaks und kühles Bier. Und für die Mitarbeiter hat die Geschäftsleitung eine Art Katastrophen-Fonds eingerichtet, wenn der Familie der Beschäftigten einmal etwas zustösst. Das Management hat ein fürsorgliches Umfeld geschaffen, das die Mitarbeiter motiviert.

Das Sicherheitsnetz in der Schweiz ist gross. Was können Schweizer Unternehmen verbessern?
Das grosse Sicherheitsnetz ist nur eine Entschuldigung. Die kannst du für alles finden. Untersuchungen zeigen, dass es guten Führungskräften immer gelingt, ihre Mitarbeiter für sich und ihre Arbeit einzunehmen. Wenn du daran glaubst, dass das, was du tust von Belang ist, werden deine Mitarbeiter produktiver sein.

Alles dreht sich also um emotionale Bindung?
Ja. Es ist zweitrangig, ob du ein Heilmittel gegen Krebs herstellst oder deinem Gast in einem Steakhouse einen unvergesslichen Abend bereitest. Gestern habe ich in meinem Zürcher Hotel gefragt, wo ich echte Schweizer Schokolade bekommen kann. Der Concierge nahm sich viel Zeit mir genau zu erklären, wo es die beste Schokolade gibt.

Das ist sein Job.
Aber er tut ihn mit so viel Stolz. Wenn du deine Arbeit liebst, machst du sie automatisch besser. Das Sicherheitsnetz ist mir völlig egal.

Das klingt etwas esoterisch.
Ist aber empirisch gestützt. Es gibt eine Menge von Studien, die zeigen, dass Organisationen mit einer Kultur der Wertschätzung höhere Umsatz- und Eigenkapitalrenditen erwirtschaften.   

Aber unter Druck wird oft ebenfalls sehr gute Arbeit erzielt.
Kurzfristig mag das stimmen, langfristig aber nicht. Hattest du jemals einen Chef, der dich oft angeschnauzt hat?

Das ist schon mal vorgekommen, ja.
Und hat das deine Performance kurzfristig verbessert?

Auf jeden Fall.
Und was hast du dir langfristig gedacht?

Dass es wohl bessere Chefs gibt.
Oder auch: Dass er ein Idiot ist. Und: Wie entkomme ich diesem Chef? Doch das bedeutet für Arbeitgeber Fluktuation – und die ist teuer. Wenn Manager ihre Mitarbeiter wertschätzen und sich mehr als Trainer verstehen, können sie Kosten umgehen. Je länger du einen Mitarbeiter im Unternehmen halten kannst, desto profitabler wird er. Deshalb zahlt sich eine Kultur der Wertschätzung langfristig für einen Unternehmer am meisten aus.