Kaum verwunderlich, dass die Unternehmer in der Schweiz im laufenden Jahr vor allem von der Krise auf den Finanzmärkten und ihren Folgen betroffen sein werden. Dies ergibt die zum achten Mal durchgeführte Trendbarometer-Umfrage der Managerzeitschrift «io new management» in ihrer neusten Ausgabe (vergleiche Tabelle: «Das sind die Trends»). Bereits in der letzten Befragung vor einem Jahr wurde der Krise an den Finanzmärkten hohe Priorität eingeräumt: Damals lag sie auf Rang zwei.

Neue Finanzmarktordnung

Die Krise betrifft die Firmen aller Branchen. Insbesondere Finanzdienstleister werden sich grundlegende Gedanken zu ihren Strukturen und Produkten machen müssen. Norbert Thom, Professor am Institut für Organisation und Personal der Universität Bern, plädiert gar dafür, dass die Finanzdienstleister zusammen mit den Nationalbanken, Regierungen sowie supranationalen Organisationen eine neue Ordnung der Finanzmärkte erarbeiten. Dabei sei allerdings eine Überregulierung zu vermeiden. «Den Stein der Weisen», so Thom, «hat aber noch keiner gefunden.»

Für Markus Neuhaus, Geschäftsführender Partner von PricewaterhouseCoopers in Zürich, ist klar, dass «die Liquiditätsplanung und das Managen der Beziehungen zu Geldgebern durch die Krise eine völlig neue Bedeutung erhalten werden». Nicht zuletzt können auch die Bankkunden von der Krise profitieren. «Die Finanz- institute werden ihre Geschäftsmodelle im Private Banking erneuern müssen», ergänzt Thomas D. Meyer, Country Managing Director der Zürcher Accenture AG. «Zudem wird es vor allem im Bereich der Kantonal- und Regionalbanken zu einem Ausbau des Kundenbeziehungsmanagements kommen.»

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Dazu werde es nötig sein, neue Business-Intelligence-Systeme aufzubauen, um die Angebote gezielter auf einzelne Kundensegmente auszurichten. «Und», davon ist Carsten Henkel, Managing Partner bei Roland Berger Strategy Consultants Schweiz, überzeugt, «gerade Kantonal- und Raiffeisenbanken werden sich das Segment der Finanzierungen für mittelgrosse Unternehmungen selektiv anschauen und sich dort stärker engagieren».

Schreckgespenst Rezession

Der grosse Aufsteiger in der Umfrage ist die Rezession. Sie zählt zu den vier neu genannten Themen und landet - im Schlepptau der Finanzmarktkrise - auf Anhieb auf Platz zwei. Da niemand wisse, wie lange die Rezession dauere, rät Elmar Wiederin, Chairman von The Boston Consulting Group Schweiz, zur Szenario-Technik. «Wer Pläne für gewisse radikale Annahmen durchdenkt, ist für den Extremfall gerüstet.»

Die anderen drei neuen Herausforderungen, welche die Experten in der Umfrage identifiziert haben, sind Führung (Rang 4), Wachstum (Rang 8) und Preispolitik (Rang 9).

Während der Klimawandel gegenüber dem Vorjahr von Rang acht auf Rang drei kletterte, stehen die Themen «Kampf um Talente», «Rohstoffpreise» und «Innova- tion» als grosse Verlierer da. So rutschte der Kampf um Talente von Platz eins auf den sechsten Rang ab, die Rohstoffpreise von Platz drei auf Platz sieben und die Innovation fiel vom vierten auf den neunten Platz. Damit bildet sie zusammen mit der Preispolitik das Schlusslicht des Trendbarometers.

Aus den Top Ten verabschiedet haben sich die Themen «Merger & Acquisitions», «Risikomanagement» und «tiefer US-Dollar».