Vor zwölf Jahren trat Ron Sommer als Konzernchef der Deutschen Telekom zurück. Die Entscheidung sei ihm damals nicht leichtgefallen, erzählt er in einem Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur DPA.  Er habe seine Familie angerufen und gefragt, ob er um den Posten kämpfen oder zurücktreten solle «Der eine Sohn sagte: Lass uns die Koffer packen und ab in die USA, ist doch viel schöner. Und der andere, der sehr sportlich orientiert ist, sagte: Du musst kämpfen und du musst gewinnen.» Sommer ging.

Er verlor damit viel. Denn als Chef der Deutschen Telekom war er in Deutschland ein Star. Den Grundstein für seine steile Karriere legte Sommer mit 21 Jahren. Damals promovierte er an der Universität in Wien zum Doktor der Mathematik. Später erfolgte der Einstieg bei Nixdorf und Sony, wo er sich kontinuierlich hocharbeitete. Mit 45 Jahren übernahm Ron Sommer den Chefsessel der Deutschen Telekom.

Neuorientierung und alltägliche Herausforderungen

In den folgenden Jahren wurde der Staatsbetrieb an die Börse gebracht und erlebte einen Höhenflug, der erste durch den rasanten Kurseinbruch der T-Aktie überschattet wurde. Da wurde Sommer von verschiedenen Seiten mit Kritik überhäuft. Er trat im Jahr 2002 zurück.

Mit dem Rücktritt verlor er viele Privilegien. «Das war sehr schwierig», sagte er zur DPA. Gewöhnungsbedürftig war für ihn etwa die Sicherheitskontrolle am Flughafen. «Ich kannte das ja gar nicht, bei der Sicherheitskontrolle das Sakko ausziehen zu müssen und abgetatscht zu werden. Das war gewöhnungsbedürftig», so Sommer. Seine Frau hatte ihn zuvor zu einer Flugreise nach London mit dem Billigflieger überredet gehabt.

Sommer blieb in der Branche

Zudem wartete in London keine Limousine auf Ihn, so dass er mit der U-Bahn fahren musste. Etwas das ihm in der Glitzerwelt der Wirtschaft völlig fremd gewesen war. Seine Frau half ihm, sich das Alltägliche wieder anzueignen. «Meine Frau hat mich immer geerdet.» Heute beherrsche er wieder alles, was er brauche.

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Sommer schaltete einen Gang zurück und macht den Pilotenschein. Im Mai 2003 nahm der Ex-Telekom-Chef erste Aufsichts- und Beratungsmandate an - auch in der Telekommunikationsbranche. Den viel kritisierten Einstieg in den amerikanischen Mobilfunkmarkt sieht er heute immer noch als korrekt an. «Der Fehler war, dass die Telekom nach meinem Weggang die USA ein paar Jahre massiv vernachlässigt hat, was Investitionen angeht», sagt er gegenüber der DPA. Der aktuelle Chef der Deutschen Telekom Tim Höttges unterstreicht die Leistung von Sommer, aus dem Staatsbetrieb ein privatwirtschaftliches und marktorientiertes Unternehmen zu machen.