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Was Millennials über die Arbeit mit Robotern denken

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Keine Angst vor Robotern: Millennials wollen global arbeiten und die Welt verbessern.Quelle: Getty Images

Digital Natives sind offen für die Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz. Sie kritisieren die Befürchtungen vieler heutiger Manager.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 30.04.2018

Die Arbeitswelt wandelt sich rasant – und die sogenannten «Digital Natives» spielen eine besondere Rolle darin. Es ist die Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist und einen selbstverständlichen Umgang mit den digitalen Technologien hat. 

Denn bald werden die Millennials – also die zwischen 1980 und 2000 Geborenen, die heute schon über 60 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen – die Arbeitswelt dominieren. Schätzungen zufolge werden sie im Jahr 2025 drei Viertel der globalen Erwerbstätigen ausmachen. 

Das St. Gallen Symposium hat 1400 jungen Menschen aus 90 Ländern zu ihrer künftigen Karriereplanung, ihren Erwartungen von potenziellen Arbeitgebern und dazu, welche Rolle, menschliche Qualifikationen und künstliche Intelligenz in Zukunft im Management spielen sollen, befragt.

Allerdings waren es nicht irgendwelche Millennials, sondern die besten Talente. Die Ergebnisse werden in der Studie «Voices of the leaders of tomorrow» anlässlich der Konferenz des St. Gallen Symposiums präsentiert, die am Mittwoch startet und bei der jährlich rund 1000 Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit ausgewählten Studenten zusammenkommen.

Positiver Einfluss von Künstlicher Intelligenz

Die Führungskräfte von morgen sind grösstenteils optimistisch in Hinblick auf ihre künftige Karriere – 53 Prozent freuen sich auf die unbegrenzten Möglichkeiten, die ihnen in der Berufswelt offen stehen. Sie glauben, dass Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) sich positiv auf ihre Karriere auswirken. Die meisten Befragten glauben, dass durch Technologie mehr Möglichkeiten, neue Branchen, neue Jobs und mehr Wirtschaftswachstum entstehen werden.

Fast alle der befragten Millennials würden KI für Managementaufgaben einsetzen – zumindest unterstützend. Die meisten würden es sogar in der Personalführung, zur Evaluierung von menschlichen Entscheidungen und bei strategischen Führungsaufgaben einsetzen. 

Sie sehen KI offenbar als Chance, unterstützende und administrative Tätigkeiten nicht mehr selbst erledigen zu müssen – sogar in der Ausarbeitung von Entscheidungen, wobei die finale Beurteilung dann wieder von Menschen übernommen wird. Für Unternehmen heisst das, dass sie mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz mithalten müssen. Denn ihren künftigen jungen Mitarbeitern sei ansonsten nur schwer zu vermitteln, warum sie administrative oder Routinetätigkeiten übernehmen sollen, die nach Meinung der Digital Natives von Robotern übernommen werden sollten, so die Studie.

Defizite bei den heutigen Managern

Die angehende Manager-Generation hält Kreativität, kritisches Denken und die Netzwerkfähigkeit mit «Peers» zur gegenseitigen Unterstützung für die wichtigsten Kriterien, um in Zukunft gute Geschäftsentscheidungen zu treffen. Technologiekompetenz gehört selbstverständlich dazu. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die aktuelle Manager-Generation die Bedeutung neuer Technologien für die Wirtschaft nicht versteht und daher technologische Investitionen in die Zukunft nicht richtig planen könne. Sie wünschen sich, dass die technologisch versierteren Digital Natives in Unternehmen mehr Entscheidungskompetenz in diesem Bereich bekommen. Kompetenzen, die traditionell als erfolgreiche Manager-Qualifikationen angesehen werden, wie langjährige Erfahrung und Fachexpertise, messen sie weniger Bedeutung bei. 

«Die Mangager von heute sind zu oft nicht auf dem neusten Stand, was künftige Trends angeht. Es gibt einen tief verwurzelten Widerstand, über den eigenen Wandel nachzudenken. Überholte wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und Verhaltensmodelle führen zu defensiven Geschäftsstrategien, um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Damit entfremden sie sich von den jüngeren Arbeitskräften, stärken Gegenbewegungen und werden in einer sich schnell wandelnden Welt zunehmend unbedeutend», sagte ein 29-jähriger Gründer aus Finnland in der Umfrage.

Sinnhaftigkeit und Unternehmertum

Die traditionellen Führungsstrukturen in Unternehmen, die auf diese Kompetenzen setzen, könnten daher bald unter Druck geraten. Viel wichtiger als der Lohn ist für die «Leaders of tomorrow» eine sinnvolle und herausfordernde Arbeit. Dafür sind sie bereit, weltweit zu arbeiten. Der globale Kampf um Talente wird daher in Zukunft nicht nur durch attraktive Lohnpakete gewonnen werden können. Auch die Aufstiegschancen sind nicht allein entscheidend. So wollen nur 17 Prozent der Befragten Top-Manager werden, während ein grösserer Anteil eine Karriere als Experten (38 Prozent) und Unternehmer (29 Prozent) anstrebt.

Eine Teilnehmerin sagte in diesem Zusammenhang: «Es geht nicht mehr nur um den persönlichen Aufstieg in einem Unternehmen, sondern darum, durch den Job, der uns Spass macht, eine positive Wirkung zu erzielen. Leidenschaft und eine bessere Welt sind für die neuen Generationen wichtiger als Geld und persönlicher Erfolg. Dabei geht es darum, die Art der Geschäftstätigkeit und der Rolle des Privatsektors zu verändern, um zu einer besseren Welt beizutragen.»

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