Vorbildlich, da informativ und übersichtlich»: Die Website von Georg Fischer in Schaffhausen ist Spitzenreiter im aktuellen Website-Ranking der Edition Renteria SA in Zürich. Der Zürcher Medienverlag hat zusammen mit Studierenden der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) die Websites von knapp 500 Schweizer Unternehmen angeklickt und bewertet.

Die ausgewählten Unternehmen wurden anhand einer Checklist von 80 Kriterien in den fünf Bereichen Allgemeine Informationen, Corporate Governance, Investor Relations, Media Relations sowie Sprachen und Navigation durchleuchtet. Die subjektiven Urteile fallen einmal mehr deutlich aus: Von «attraktiv» bis «abschreckend» reicht das Spektrum der verliehenen Attribute.

Wie schon im Vorjahr lassen die börsenkotierten Unternehmen mit durchschnittlich 48 von 80 möglichen Punkten die nicht kotierten mit 37 Punkten hinter sich. Dies hat vor allem mit dem Bereich Investor Relations zu tun, den die an der Börse Gehandelten besser pflegen. In den vier anderen Bereichen sind die Unterschiede dagegen nicht signifikant.

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Web trägt zur Markenbildung bei

An vorderster Stelle der bewerteten 131 kotierten Firmen steht mit 77 von 80 Punkten die Website des Industriekonzerns Georg Fischer, im Vorjahr bereits auf Platz drei. «Äusserst vorbildlich aufgebaut, sehr übersichtlich, alle nötigen Informationen vorhanden, eine Beispielseite, wie man es machen sollte», lautet das Urteil. «Über diesen ersten Platz freuen wir uns sehr», sagt Bettina Schmidt, Leiterin Corporate Branding bei GF. Das Internet bilde die zentrale Informationsquelle für die verschiedenen Dialoggruppen von GF. «Deshalb kann man aus unserer Sicht gar nicht genug Sorgfalt für die Weiterentwicklung aufwenden.» Es biete die Möglichkeit, über verschiedene Gefässe verschiedene Sinne anzusprechen und in den Dialog zu treten. Schmidt: «Das Konzerninternet ist gleichzeitig die wichtigste Visitenkarte nach aussen und trägt zur Markenbildung bei.»

An zweiter Stelle folgt mit 74 Punkten die – allerdings nicht kotierte – Unternehmung GF Agie Charmilles (www.gfac.com), seit 2007 voll integriert in die Gruppe von Georg Fischer (Schweiz). Auf Platz drei liegt mit 73 Punkten die im Vorjahr nicht bewertete UBS, an deren Auftritt bemängelt wird, dass kein Unterkapitel mit Riskmanagement vorliege; doch seien immerhin an mehreren Stellen Marktrisiken beschrieben.

M-real Schweiz, Siemens Schweiz und Agip (Suisse) SA bilden das Spitzentrio unter den 337 besuchten Websites der nicht kotierten Unternehmen. Bei M-real (69 Punkte) wird vermerkt: «Das Unternehmen gewährt Einblicke in die finanzielle Situation, ist sehr transparent gegenüber Aktionären und Obligationären, zeigt Geschäftsleitung und Verwaltungsrat und vermittelt klare Botschaften.»

Neben der Gesamtwertung haben die Tester je die Top-5 der kotierten und nicht kotierten Unternehmen in den Branchen Bau, Pharma/Chemie, Nahrungs- und Genussmittel, Verkehr, Maschinen und Apparate sowie Energie eruiert. Bei den kotierten Pharma-/Chemie-Unternehmen fehlt unter den Top-5 einmal mehr die Website von Roche, die Givaudan, Novartis, Ems Group, Clariant und Ciba den Vortritt lassen musste.

Information und Übersicht

Die prämierten Internetauftritte heimsen viel Lob ein, werden aber auch unter zahlreichen Aspekten kritisch beleuchtet. So wird etwa bei Barry Callebaut (Nahrungs- und Genussmittel, Platz drei) moniert, dass die Einstiegsseite «verwirrend» sei, da zahlreiche Sprachen angeboten würden, die ganze Website jedoch nur auf Englisch verfügbar sei. Bei Panalpina (Verkehr, Platz zwei) wird der optische Eindruck kritisiert: «Die flatternde Fahne rechts oben hat mich ganz nervös gemacht.»

Häufig wird bemängelt, dass der «.ch-Auftritt» eines Unternehmens lediglich als blasse Kopie des «.com-Auftritts» daherkommt; ein typisches Beispiel dafür ist Nestlé (Nahrungsmittel, Platz eins), wo die internationale Site («bietet alles und dies übersichtlich») der schweizspezifischen («sehr dürftig, teils veraltet, schlechtes Layout») weit überlegen ist. Schade nur, dass bei manchen Websites die platzierten Kommentare der Tester sprachlich mangelhaft sind oder gar fehlen …

Viel Wert wird auf übersichtliche, gut strukturierte, informative Seiten gelegt, die auch neue Technologien wie Podcasts verwenden. Genau diese Aspekte waren GF bei der Entwicklung der Website besonders wichtig: «Nutzerfreundlichkeit und Navigation, attraktive, schnell findbare Inhalte, Nutzwert und Attraktivität durch verschiedene Gefässe (Text, Bild, Bewegtbild, Audio-Podcast, Dialog- und Kontaktmöglichkeiten).»

Der dürftige Informationsgehalt wird beispielsweise beim Auftritt von Swiss (Verkehr, Platz fünf) bemängelt: «Wirtschaftliche Kennzahlen sind kaum erhältlich.» Umgekehrt heisst es bei DaimlerChrysler: «Die Website ist voll von Informationen. Das macht sie unübersichtlich.»

Die Gegenüberstellung der Bewertungen 2004/05, 2007 und 2008 zeigt, welche Unternehmen ihre Sites klar verbessert haben, namentlich Givaudan, Nestlé, Swatch Group und Adecco. Auffallendster Verlierer: Die Website von Swisscom – im Vorjahr Gesamtsiegerin – hat im Bereich Corporate Governance Punkte eingebüsst und gehört nicht mehr zu den Besten.


Website Ranking

Bestplatzierte kotiert
Georg Fischer AG (77 Punkte): 
GF Agie Charmilles (74) (nicht kotiert):
UBS AG (73): 

Bestplatzierte nicht kotiert
M-real Schweiz (69):
Siemens Schweiz AG (68):
Agip (Suisse) AG (67):

Bau (kotierte)
Dätwyler Holding AG (62):
Allreal-Gruppe (57):
Geberit International AG (57):

Chemie / Pharma (kotierte)
Givaudan:
Novartis International AG (63):
EMS-Chemie Holding AG (61):

Nahrungs- und Genussmittel (kotierte)
Nestlé S.A.:
Bell Ag (56):
Barry Callebaut AG (50):

Verkehr (kotierte)
Kühne + Nagel International AG:
Panalpina Welttransport (Holding) AG (55):
Unique (Flughafen Zürich AG) (47):

Maschinen, Apparate (kotierte)
Georg Fischer AG (77):
GF Agie Charmilles (nicht kotiert) (74):
Schindler Management AG (69):

Energie (kotierte)
Aare-Tessin AG für Elektrizität:
AFG Arbonia-Forster-Holding AG (68):
BKW FMB Energie AG (63):