Händler exotischer und komplexer Kreditprodukte sind einer Erhebung zufolge die bestbezahlten ihrer Zunft in London. Ihre Boni können fast dreimal so hoch ausfallen wie jene anderer Kollegen. Mitarbeiter im Rang eines Director, die Kunden bei Kauf und Verkauf von strukturierten Kreditprodukten und exotischen Kreditderivaten betreuen, verdienen im Jahr durchschnittlich rund 370’000 Pfund - einschliesslich etwa 185’000 Pfund an Boni, zeigt die Studie von Emolument.com.

Händler von Repos und Produkten, die im Zusammenhang mit dem Geldmarkt stehen, verdienen laut der Erhebung am wenigsten. Sie nehmen demnach 221’000 Pfund mit nach Hause, darunter 65’000 Pfund an Bonuszahlungen.

Exoten bringen mehr

Die Studie verdeutlicht die erheblichen Vergütungsleistungen für all jene, die als Händler der komplexesten Kreditprodukte, welche zur weltweiten Finanzkrise beigetragen hatten, überleben. Finanzkonzerne wie Credit Suisse Group und Deutsche Bank ziehen sich derzeit aus einigen dieser Märkte zurück. Zum einen verlangen die Aufseher, dass die Banken mehr Geld für diese Handelsgeschäfts zurücklegen für den Fall, dass etwas schief läuft. Zum anderen waren die Erlöse in diesen Bereichen im vergangenen Jahr gesunken, da sich viele Investoren von den risikoreichen Produkten trennten.

«Der Handel von Exoten, die zu den kompliziertesten Produkten überhaupt zählen, beruht in erheblichem Umfang auf höchst umfassend ausgebildeten und technisch versierten Händlern», schreibt Emolument in der Studie. «Dass sie 1,7-Mal so viel verdienen wie Händler von einfachen Repo-Produkten, ist ein Ausgleich für den Extra-Stress und die harte Arbeit.»

Automatisierter Repo-Handel

Für die Erhebung hatte Emolument nach eigenen Angaben 2015 und dieses Jahr insgesamt 254 Mitarbeiter im Rang eines Direktors befragt, die als Händler für Banken in London tätig sind. Händler von Flow-Rates-Derivaten verdienen der Studie zufolge im Durchschnitt 352’000 Pfund, während es bei Händlern von Rohstoff-Derivaten rund 300’000 Pfund sind.

Händler von Repos, einer Art von kurzzeitigem Kredit, verdienen laut Emolument so wenig, weil sie es mit Produkten mit einem «geringen Grad an Komplexität» zu tun haben, die vor allem über automatisierte Systeme ge- und verkauft werden.

Credit Suisse hat sich verzockt

Dennoch: hochriskante Produkte erzielen nicht immer die höchsten Gewinne. So verlor beispielsweise Credit Suisse, die Nummer zwei der Schweizer Banken, fast 1 Milliarde Dollar zwischen Ende 2015 und dem ersten Quartal des laufenden Jahres, als komplexe Kredit-Wetten schief liefen. Die Verluste veranlassten Konzernchef Tidjane Thiam dazu, einige der Handelsbereiche ganz aufzugeben und sich vom dem Grossteil der eigenen Bestände zu trennen.

Die Erlöse aus allen Kreditprodukten brachen im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar ein - geringster Wert seit 2011. Das geht aus einer separaten Studie von Coalition Development Ltd. hervor. Den Angaben zufolge sank der Umsatz von verbrieften Produkten um 25 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar, dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2010.

(bloomberg/gku/ama)

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