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Welche Sprecher auch etwas sagen

Die «Handelszeitung» kürt dieses Jahr die besten Pressesprecher und Mediensprecherinnen des Landes. Sieger ist Wolfram Eberhardt von ABB, gefolgt von Urs Ackermann von der ZKB und Dominik Werner von L

Von Thomas Pfister
am 07.11.2007

PRESSESPRECHER DES JAHRES . Wolfram Eberhardt von der ABB ist im Urteil der Schweizer Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten der beste Pressesprecher der Schweiz. Er verdrängt Urs Ackermann von der ZKB, der letztes Jahr noch den ersten Platz innehatte. Unter den ersten sechs Nominierten finden sich zwei Frauen.

Fünf der bewerteten Pressesprecher erhalten dieses Jahr eine Note über 5, der ganz grosse Teil muss sich mit einer 4, knappe 20% mit einer 3 zufrieden geben. Wie schon in den letzten Jahren bildet der zweitgrösste Konzern der Schweiz das Schlusslicht: Der Presseverantwortliche von Nestlé, François-Xavier Peroud, kommt auf eine Note von 2,96. Er wird dicht bedrängt von Matthias Graf von Google mit einer 3,0 und dem Urteil: «Googeln hilft mehr.»

Köpfe, nicht Teams

Die Umfrage basiert auf Köpfen, nicht auf Gruppen. Es lassen sich deshalb kaum Schlüsse ziehen auf die Leistungen eines ganzen Pressesprecherteams, das in grossen Firmen gut und gerne aus einem Dutzend und mehr Personen bestehen kann, die jeweils zu unterschiedlichen Themengebieten Auskünfte geben und dies naturgemäss in unterschiedlicher Qualität. Die wichtigste Aufgabe eines Presse- oder, weiter gefasst, eines Mediensprechers ist es, «das eige-ne Unternehmen in der medialen Öffentlichkeit positiv darzustellen», wie die allgemeine Definition der Arbeit lautet. Dass die Pressesprecher bei ihren Kunden, den Pressevertretern, auch beliebt sein müssen, davon steht nichts in dieser Definition. Vielleicht zeigen sich einzelne Journalisten deshalb so gerne enttäuscht über die «Infor-mationsverhinderer» am anderen Ende der Telefonleitung. Die Arbeit eines Presseverantwortlichen eines Unternehmens ist in der Tat eine Gratwanderung zwischen den Anforderungen des Arbeitgebers und dem Interesse der Öffentlichkeit in Form von Journalisten, die auch kritische Aussagen hören möchten (siehe Artikel unten). Denn die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens wird durch Beschönigungen der Pressesprecher nicht gefördert. Dass vielerorts die Kommunikation als Teil der wertorientierten Unternehmensführung erkannt worden ist, vereinfacht die Arbeit der Pressesprecher auch nicht gerade. In vielen, auch grossen Firmen ist Kommunikation gegen aussen nämlich direkt oder indirekt Chefsache.Aussagen wie: «Tut, was er kann, darf aber nicht viel» (über Andrés Luther von der CS Group) oder «gibt korrekt Auskunft, ist aber an der kurzen Leine» (über Beatrice Howald von Swatch) belegen dies.Auch bei Novartissprecher John Gilardi heisst es im Urteil der Journalisten: «Chef ganz oben blockt ab.» Über den Träger der roten Laterne, François-Xavier Peroud, heisst es einerseits «der schlimmste Verhinderer» und «wenig hilfsbereit», andererseits aber auch «geht nicht, gibts nicht». Das Beispiel von Axel Langer von der UBS, über den es sowohl heisst «verhindert kritische Artikel, wo es nur geht», als auch «engagiert und hilfsbereit», zeigt ebenfalls, dass die Informationsbeschaffung ein «peoples business» ist, das auf Vertrauen basiert und oft im Rahmen einer langfristigen Beziehung stattfindet, die zuerst aufgebaut werden muss. Mit dem umgekehrten Effekt, dass viele Journalisten mehr erfahren und mehr wissen, als sie je schreiben können, wenn sie ihre gute Beziehung nicht gefährden wollen: Sonst zieht der Pressesprecher – oder dessen Chef – den Stecker raus und blockiert den Informationsfluss.

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