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Fortbildung
Wenn der Konzernchef wieder die Schulbank drückt

Wenn der Konzernchef wieder die Schulbank drückt
Zeit für Reflexion: CEO-Seminare erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Top-Manager haben andere Ansprüche an Fortbildungen als das untere Kader. Seminare für CEOs sind sehr teuer, diskret und dienen vor allem der Reflexion.

Von Klara Walk
23.09.2015, Aktualisiert am 25.09.2015

Wenn Sandro Gerber Kollegen auf Vorstands­ebene von seinen ­Fortbildungen erzählt, dann erntet er nicht immer Verständnis. Wofür er denn noch ein Zertifikat brauche, hört der CEO des Brandschutz- und Sanierungsunternehmens ­Belfor bei diesen Gelegenheiten von Zeit zu Zeit – er sei doch schon Chef, da müsse er doch eigentlich alles schon können. «Hin und wieder wird man belächelt», sagt Gerber. Das macht ihm aber nicht viel aus.

Wer im Internet nach den Stichworten «CEO-Seminar Schweiz» sucht, erhält über 450'000 Treffer. Die Nachfrage scheint also hoch zu sein, und Belfor-CEO Gerber ist  nicht der einzige Top-Kader, der ein Management­seminar für die oberste Führungsriege ­eines Unternehmens absolviert hat. Diese CEO-Seminare funktionieren aber anders, als gewöhnliche Weiterbildungen für das mittlere Management. Sie sind deutlich teurer und finden in einer diskreten und exklusiven Atmosphäre statt.

Schulung in Strategie

Das Senior-Management-Programm des Instituts für Betriebswirtschaft in St. Gallen gehört zu den besonders exklusiven Weiterbildungsangeboten. Rund 20 Top-Kader aus dem deutschsprachigen Raum nehmen jährlich am Programm teil, sagt Jürgen Spickers, Leiter der Mana­gementseminare am Institut für Betriebswirtschaft. 

Wer daran teilnimmt, schätzt die exklusive Atmosphäre und will vor allem zwei Dinge: Den eigenen Horizont mit neuen Erkenntnissen aus der Mana­gementforschung erweitern und sein Expertennetzwerk vergrössern. Teilnehmer sollten mindestens zehn Jahre Führungserfahrung in grossen Multi-Business-­Unternehmen vorweisen – und müssen gut 20'000 Franken Teilnahmegebühr entrichten.

Austausch auf Augenhöhe

Dafür versprechen die Organisatoren hochkarätige Experten aus den wirtschaftswissenschaftlichen Instituten der Universität St. Gallen sowie die Möglichkeit, eine Managementaufgabe aus dem eigenen Unternehmen gemeinsam mit den anderen Teilnehmern zu bearbeiten. Und vor allem Freiraum: «Die Teilnehmer schätzen, dass sie hier mit Kollegen auf Augenhöhe offen diskutieren können», sagt Seminarleiter Spickers. Denn zu den wertvollsten Gütern im Alltag eines C-Level-Executives zählt die Zeit. Ein Arbeitstag in der Chefetage ist selten nach zwölf Stunden zu Ende, und nicht einmal die reichen immer aus.

Die wenigsten Top-Kader haben im täglichen Geschäft die Musse, sich eingehend über mehrere Tage hinweg mit einem Thema auseinanderzusetzen. Geschweige denn, es offen mit gleichwertigen Gesprächspartnern zu diskutieren: Die Kollegen im Vorstand? Haben eigene Interessen. Ein Coach? Das klingt, als brauchte man Hilfe. Im Seminar hingegen sind die Top-Kader unter sich.

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