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Kündigungen
Wer 2018 seinen Job verlor - und wer im neuen Jahr zittern muss

Kündigungsbarometer
Job weg: Das Kündigungsbarometer läuft in der Finanzbranche heiss.Quelle: Andrea Caprez

Kündigungswellen: Besonders bitter war es 2018 für Banker und Angestellte in der Pharma-Industrie. Zurücklehnen konnten sich andere.

Von Stefan Mair
am 10.01.2019

Wer denkt zu Jahresanfang schon gerne daran, dass er 2019 seinen Job verlieren könnte? Niemand. Aber anstatt in Panik zu verfallen, lohnt sich ein Blick auf Zahlen und Daten von Schweizer Outplacement-Experten, um abschätzen zu können, wie gefährdet man ist, im Jahr 2019 seinen Job zu verlieren. Eine Auswertung von 1450 Kündigungen im Jahr 2018 in 182 Schweizer Unternehmen durch die Outplacementfirma Von Rundstedt gibt hier Auskünfte. Kurz zusammengefasst: Banker über fünfzig müssen zittern, Informatiker und Logistiker können sich eher zurücklehnen. 

Aber zuerst ein Blick auf die Jobverluste 2018: Verschiedene Daten weisen darauf hin, dass die Kündigungen 2018 insgesamt mehr von strukturellem Druck als von konjunktureller Notwendigkeit geprägt waren. «So sehen wir vor allem in der Finanzbranche, welche sich in einem gros­sen Strukturwandel befindet, einen starken Zuwachs der Kündigungen, von 22 Prozent 2017 auf 32 Prozent 2018», sagt Von-Rundstedt-CEO Pascal Scheiwiller. In der Pharmabranche, welche durch die Projektnatur historisch einem grossen Strukturdruck ausgesetzt ist, bleibt der Kündigungsrhythmus ebenfalls hoch (2017 bei 24 Prozent; 2018 bei 27 Prozent).

«In der klassischen Industrie durften wir einen signifikanten Rückgang erleben, welcher durch die konjunkturelle Erholung und die besseren volkswirtschaftlichen Bedingungen begründet werden kann», so der Outplacement-Experte. Nach einem Anteil von 29 Prozent 2017 machen die Kündigungen in der Industrie 2018 noch lediglich 22 Prozent aus. Auch die Begründung der Entlassungen gehen in diese Richtung. So sind Personalabbaumassnahmen von 26 Prozent auf 20 Prozent stark zurückgegangen, während Restrukturierungskündigungen gleichzeitig zugenommen haben (von 40 auf 46 Prozent).

Kein Konjunkturdruck

Diese Entwicklung lässt sich auch bei den betroffenen Funktionen verfolgen. So ist es 2018 zu mehr Fluktuation bei Managern (Anstieg von 33 Prozent auf 36 Prozent) und Kadermitarbeitenden (Anstieg von 21 Prozent auf 28 Prozent) gekommen, während bei Fachkräften relativ weniger Kündigungen ausgesprochen wurden. Nach 25 Prozent in 2017 sind es hier 2018 nur noch 17 Prozent. Dies weist auch auf einen stärkeren strukturellen und einen kleineren konjunkturellen Druck hin. 

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Nachdem in den letzten beiden Jahren die Arbeitnehmenden im Alter über fünfzig Jahre verhältnismässig etwa gleich stark von Kündigungen betroffen waren wie ­andere Altersgruppen, hat es 2018 einen leichten Anstieg gegeben. So haben neu 33 Prozent der betrachteten Kündigungen ­Arbeitskräfte über fünfzig betroffen. Diese Zahl ist leicht höher als der Referenzwert von 30 Prozent, der dem Anteil der über Fünfzigjährigen an der gesamten Erwerbsbevölkerung entspricht. Bei den Personen über fünfzig gibt es bei einem kündigungsbedingten Stellenwechsel eine signifikant negative Salärentwicklung (–12 Prozent). Das mag für die Betroffenen bitter sein, belegt aber, dass sich die sogenannte Bogenkarriere (das heisst, weniger Verdienst am Anfang und Ende der Karriere) immer weiter ausbreitet. Jüngere Arbeitskräfte hingegen schaffen bei Kündigungen oft eine positive Salärentwicklung (+9 Prozent). 

Der graue Stellenmarkt wird kleiner

Immer mehr Menschen finden ihre neue Stelle aufgrund von Ausschreibungen und Online-Stellenanzeigen auf dem offenen Stellenmarkt. 2018 haben 24 Prozent der Outplacement-Klienten von von Rundstedt eine offiziell ausgeschriebene Stelle erhalten (2017 nur 20 Prozent). Gleichzeitig gingen die Sucherfolge über den verdeckten Arbeitsmarkt von 52 Prozent auf 41 Prozent zurück. Der verdeckte Arbeitsmarkt bleibt damit zwar immer noch der mit Abstand erfolgreichste Suchkanal, trotzdem ist die Entwicklung klar und signifikant. Dies liegt primär daran, dass immer mehr Arbeitgeber die digitalen Möglichkeiten der Online-Stellenausschreibung nutzen. Die neu eingeführte Stellenmeldepflicht (MEI-Umsetzung) wird diesen Trend in Zukunft noch zusätzlich verstärken.

Die Outplacement-Daten für 2018 zeigen auch, dass Firmen weiter an ihrer Zero-Gap-Rekrutierungspolitik festhalten. Das heisst, sie zeigen nur wenig Flexibilität, wenn ein Kandidat dem Anforderungsprofil nicht zu 100 Prozent entspricht. So ist es für die Outplacement-Klienten nach wie vor nicht leicht, in eine neue Branche oder eine neue Funktion zu wechseln. 2018 ist nur 25 Prozent ein Branchenwechsel gelungen, auch beim Funktionswechsel liegt der Wert bei 25 Prozent. Diese Werte liegen zwar beide leicht über denen des Vorjahrs, sie sind aber nach wie vor relativ tief. «Zero Gap stellt somit weiterhin ein Hindernis dar für Menschen, die sich aufgrund von Strukturveränderungen neu orientieren und positionieren müssen», resümiert Pascal Scheiwiller. Durch den global offenen Arbeitsmarkt fänden Arbeitgeber immer noch die gesuchten Wunschprofile auf dem Markt.