Vorbei die Zeiten, als im Fall einer Trennung ein Outplacement primär dem allerobersten Kader zugestanden wurde. «Mit dem grundlegenden Wandel auf dem Arbeitsmarkt, weg von einer Struktur der Loyalität und Sicherheit, hin zu einer Kultur der Instabilität und Veränderung, etabliert sich Outplacement als Massnahme für alle Stufen», stellt der Outplacement-Berater Toni Nadig fest. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass heute schon rund ein Viertel der Kunden Frauen sind.

Ebenfalls vorbei die Zeit, als ein Outplacement den Ruf des letzten Zückerchens auf den Leidensweg hatte, damit der Geschasste den Arbeitgeber wenigstens nicht in allzu schlechter Erinnerung behält, auch wenn er nirgends mehr unterkommt. Denn das professionelle Outplacement hat sich als erfolgversprechender Weg zur Neuorientierung erwiesen.

Insbesondere die Suchdauer ist verhältnismässig kurz, wenn auch aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes etwas länger als auch schon. So ist beim Büro Avolio Lüscher & Partner in Zürich die Suchdauer 2009 im Schnitt von 5,1 Monaten auf 6,9 Monate gestiegen. Beim Outplacement-Unternehmen Grass & Partner hat die durchschnittliche Dauer eines Outplacement ebenfalls von 5,2 auf 5,8 Monate zugenommen. Dr. Nadig + Partner in Zürich hingegen publiziert eine Suchdauer 2009 von 5,4 Monaten, die sich «im Vergleich zum Vorjahr wider Erwarten nur unwesentlich verändert hat».

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Das Alter ist kaum ein Hindernis

Je älter, desto schwieriger, wieder etwas Neues zu finden - so die gängige Meinung. Doch sie stimmt nur bedingt und am ehesten bei schlecht Ausgebildeten, die jedoch normalerweise kaum in den Genuss einer Outplacement-Beratung kommen. Die klassischen Outplacement-Kunden sind meist gut ausgebildete Kader oder Fachspezialisten.

Unter denen kann Toni Nadig zwar eine Korrelation zwischen Alter und Suchdauer erkennen. «Allerdings ist der Anstieg der Suchdauer mit Anstieg des Alters lange nicht so dramatisch wie in Bevölkerung und Presse kolportiert wird», weiss er. So suchten bei ihm die 56-60-Jährigen im Schnitt 7,5 Monate, die 51-55-Jährigen 6,4 Monate und die 46-50-Jährigen (genau gleich wie 36-40-Jährige) 5,3 Monate.

Gilles Avolio von Avolio Lüscher unterscheidet nicht einmal nach dem Alter: «Das Problem ist nicht unbedingt das absolute Alter, insbesondere auf höherem Management-Level, sondern vielmehr die Frage, falls ich +50er bin, ob ich einen Mehrwert, also spezielle Erfahrungen, Souveränität in der Führung, Urteilskraft, Beurteilungsvermögen gegenüber Jüngeren, einbringen kann. Wenn nicht, dann wird es tatsächlich schwieriger.» Aber: «Lieber einen älteren Mitarbeiter als einen von der Persönlichkeit her nicht überzeugenden Kandidaten».

Die Chemie entscheidet

Warum wird überhaupt gekündigt? Sicher ist die Krise ein wichtiger Grund dafür - Restrukturierungen beziehungsweise Reorganisationen sind bei Grass & Partner für die Hälfte der Trennungen verantwortlich, bei Avolio Lüscher für 29%, beim Büro Nadig + Partner hingegen nur für 12%. Bei allen drei hingegen wird die persönliche Inkompatibilität - besser bekannt als die gute alte Chemie, die zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitendem nicht stimmt - jeweils für rund 30% aller Trennungen ins Feld geführt.

Und dass diese Chemie auch in den obersten Etagen nicht besser stimmt, belegt die Tatsache, dass Geschäftsleitungsmitglieder immer häufiger betroffen sind. Bei Grass & Partner ist bereits jeder vierte Kunde (23%) ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied (im Vorjahr sind es erst 17% gewesen) und 21% stammen aus dem oberen Kader, 14% sind Spezialisten. Auch bei Avolio Lüscher stammen 28% der Kunden aus Geschäftsleitungen, je ein Drittel entfällt auf das obere Kader oder auf Spezialisten. Ans Büro Nadig wenden sich nur 13% GL-Mitglieder, 19% kommen aus dem oberen Kader, hingegen sind 37% Fachspezialisten.

Und ganz klar ist die Branche entscheidend: Bei Grass & Partner kam 2009 jeder dritte Kandidat von einer Bank (2007: 12%, 2008: 18%), bei Nadig jeder vierte und auch bei Avolio Lüscher stellen die Finanzer die grösste Gruppe.

Wer übrigens meint, dass ein erzwungener Stellenwechsel automatisch mit einer Lohneinbusse einhergeht, hat nur bedingt recht: Rund ein Drittel der Neuplatzierten verdient zwar effektiv nicht mehr so viel wie früher. Etwa 40% aller Frischvermittelten bekommen an der neuen Stelle jedoch gleich viel wie vorher. Beim Büro Nadig verdienen 29% am neuen Ort sogar mehr als zuvor. Und 14% der von Avolio Lüscher Vermittelten erhalten ein Gehalt, das mehr als 10% höher liegt als ehedem.