Mit der Idee einer eigenen Beratungsfirma galt Anita Fetz vor mehr als 20 Jahren als Exotin. Selbst Freunde und Kommilitonen zweifelten an ihrem Vorhaben, und als sie bei Banken nach einen Kredit fragte, erntete sie entweder mitleidiges Lächeln oder es gab überhaupt keine Reaktion.

Anita Fetz zog es trotzdem durch. Sie handelte mit ihrem Vater ein Gründungsdarlehen aus – 1% unter dem Bankzins, rückzahlbar innert dreier Jahre. «Ich habe mich nicht entmutigen lassen, denn ich war überzeugt von meiner Businessidee», sagt die 51-jährige Unternehmerin.

Ob sie auf etwas verzichten musste zugunsten ihrer Laufbahn? «Auf Freizeit», sagt Anita Fetz. Sich selbstständig zu machen habe in den Gründungsjahren bedeutet: Arbeiten, weiterarbeiten und dann nochmals arbeiten. Trotzdem sei ihr Leben immer stimmig gewesen. Kinder habe sie nie gewollt, und sie habe das grosse Glück, seit 25 Jahren in einer guten und stabilen Partnerschaft zu leben.

Dies sei für Frauen mit Karriereambitionen wichtig: «Sie brauchen einen Partner, der ihnen den Rücken stärkt.» Anita Fetz sah schon viele Frauenkarrieren scheitern – nicht wegen der von Männern geprägten Strukturen in den Firmen, sondern weil der Freund oder Ehemann nicht bereit war, die Karriere mitzutragen.

Anzeige

Abstriche im Privaten

Es bis aufs Top-Level zu schaffen, erfordert ausserordentliches Engagement: Man muss fachlich fit sein, sich eine Strategie zurechtlegen, viel Zeit investieren. «Manche Frauen stellen bei der Karriereplanung die Work-Life-Balance ins Zentrum», hat Kadervermittlerin Angelika Bräm beobachtet. Für die Karriere müsse man aber oft Abstriche im Privaten machen. In Grosskonzernen beispielsweise werde schon früh verlangt, kurzfristig für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen und dort Erfahrungen für einen späteren Führungsposten zu sammeln. Wer ein- oder zweimal ablehnt, werde wohl kaum ein weiteres Mal berücksichtigt.

Hinzu kommt, dass auf dem Weg nach oben mit harten Bandagen gekämpft wird. Entscheidend für den nächsten Karriereschritt kann sein, sich mit den Richtigen zu verbünden und politisches Geschick zu beweisen. Angelika Bräm rät: Sich überlegen, ob man wirklich bereit ist, in seine Laufbahn zu investieren und ob man die Konsequenzen in Kauf nehmen will. Eine Karriere um der Karriere willen ergebe keinen Sinn. «Eine Laufbahn braucht Substanz, nur dann wird sie gelingen.»

Bei der Diskussion um weibliche Führungskräfte stört sich Angelika Bräm an der einseitigen Betrachtungsweise: «Man schaut sich die grössten und bekanntesten Unternehmen in der Schweiz an und stellt ernüchtert fest: Kaum weibliche Führungskräfte!» Dabei übersehe man die Tatsache, dass immer mehr KMU von Frauen geführt werden.

Analysen statt Träume

Eine davon ist Trix Ammann, 34, Geschäftsführerin und Teilhaberin der Katadyn Produkte AG in Wallisellen. Sie empfiehlt, beim Planen der Karriere auf die eigenen Trümpfe zu setzen. Luftschlösser zu bauen bringe ebenso wenig wie das Träumen von der Ideal-Laufbahn anderer. Frauen sollten analysieren, wo ihre Stärken liegen und für welche Karriereziele diese förderlich sind. «Wenn man tut, was man gerne macht und das auch noch gut kann, wird daraus die ganz individuelle Traumkarriere.»

Anzeige

Trix Ammann hat sich immer an Unternehmer-Persönlichkeiten der alten Schule orientiert und viel von ihnen gelernt – egal, ob Männer oder Frauen. Es seien Menschen gewesen, die sich um das Unternehmen kümmerten, und nicht nur um den eigenen Geldbeutel. Ansehen, Geld und Macht hält man landläufig für die Motive, Karriere zu machen. «Aber mir geht es nicht um diese Dinge», sagt Trix Ammann, «sondern um den Spass an der Aufgabe.» Gut zu verdienen sei freilich nicht verkehrt, genug Geld zu haben beruhige.