Expats haben gegenüber der Schweiz oftmals ein gespaltenes Verhältnis. Sie schätzen einerseits die hohe Lebensqualität, die persönliche Sicherheit und gute berufliche Chancen. Anderseits beklagen sie sich in vielen Umfragen und Studien über Schwierigkeiten bei der sozialen Integration. Freunde zu finden und sich im Land längerfristig zu verwurzeln, scheint für viele ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

«So hatten 2018 mehr als 60 Prozent der in die Schweiz entsandten Expats Probleme, einheimische Freunde zu finden, und fast 40 Prozent fühlten sich in der Schweiz nicht zu Hause. Zudem ist die Sprache für viele eine Herausforderung», sagt Theresa Häfner, Leiterin des Bereichs Business Solutions des Expat-Netzwerks Internations. «Man hört schon mal Kommentare von Expats, dass Schweizer unfreundlich und gegenüber Ausländern sehr verschlossen seien.»

Was tun aber Firmen während und nach dem Umzug, damit sich die Ausländerinnen und Ausländer besser in das Land integrieren können?

Werden auch Partner unterstützt?

Immerhin 40 Prozent der Expats erhalten Sprachkurse – mehr als im internationalen Vergleich. Informationen über das Leben in der Schweiz erhalten 37 Prozent der Expats, ein spezifisches interkulturelles Training bieten nur 12 Prozent der Firmen an, das sind etwas weniger als im internationalen Vergleich.

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Schlechter als andere Länder schneiden die Schweizer Firmen auch bei der Unterstützung für den Partner des Expats ab. Nur 14 Prozent der Expats erhalten etwa bei der Jobintegration ihres Partners Hilfe.

Ebenfalls nur 11 Prozent der Firmen sorgen dafür, dass ausländische Arbeitskräfte Zugang zu sozialen Events oder Networking-Anlässen haben, wobei sich 66 Prozent der Expats dies explizit wünschen. Grosszügig zeigen sich die Firmen immerhin beim Umzug. 41 Prozent organisieren den Umzug für ihre zukünftigen Arbeitskräfte.

Einsamkeit? Kein Thema.

«Firmen sollten anerkennen, dass das Thema soziale Integration grosser Unterstützung bedarf. Denn tatsächlich sind die Hauptgründe für Unzufriedenheit im Ausland laut unserer diesjährigen ‹Expat Insider 2019 Business Edition› Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte. In vielen Entsendungs- oder Onboarding-Paketen internationaler Mitarbeiter ist das jedoch überhaupt kein Thema», erläutert dazu Theresa Häfner.

Weitere Einblicke in die Psyche der Expats in der Schweiz gibt eine andere Studie, nämlich die Expat-Insider-Studie 2019. In dieser erzielt die Schweiz ein leicht unterdurchschnittliches Ergebnis: Platz 38 von 64 Ländern. Wenn man jedoch die verschiedenen Indizes betrachtet, die in das Gesamtranking einfliessen, gehört die Schweiz sowohl zu den am besten als auch den am schlechtesten bewerteten Ländern weltweit.

Die Daten

Zum sechsten Mal in Folge landet sie in den globalen Top Ten für die Lebensqualität im Ausland (2019: fünfter Platz). Fast alle Expats (96 Prozent) sind mit ihrer persönlichen Sicherheit zufrieden (81 Prozent weltweit) und 75 Prozent bewerten diese sogar mit «sehr gut» (48 Prozent weltweit). Ausserdem beschreibt lediglich 1 Prozent das Land als nicht friedlich (10 Prozent weltweit). Auch bei der Umweltqualität liegt die Schweiz auf Rang zwei weltweit: Weniger als 0,5 Prozent bewerten diesen Faktor negativ, verglichen mit einem von fünf Expats weltweit (20 Prozent).

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Ein Studienteilnehmer aus Spanien findet es «einfach grossartig, dass das Leben in der Stadt und die wunderschöne Natur so nahe beieinanderliegen».

So denken Expats über die Schweiz

Pro:
 

  • Sicherheit: 96 Prozent der Expats fühlen sich im Land sicher oder sehr sicher.
  • Umwelt: Bei der Umweltqualität liegt die Schweiz weltweit auf dem zweiten Rang.
  • Reisemöglichkeiten und zentrale Lage: Viele Expats schätzen die gute Reiseinfrastruktur.
  • Lebensqualität: Die Schweiz ist in den globalen Top Ten, was die Lebensqualität angeht.
  • Karriere: Expats schätzen die Möglichkeiten, in der Firma aufzusteigen.


Contra:
 

  • Kosten: Die Lebenshaltungskosten seien viel zu hoch (kaum ein Expat verdient unter 75 000).
  • Freunde finden: Hier gehört die Schweiz zu den zehn schlechtestbewerteten Ländern.
  • Mangelnde Kinderbetreuung: Die Einstellung gegenüber arbeitenden Müttern wird kritisiert.
  • Bevölkerung: Fast 30 Prozent der Expats beschreiben die Schweizer als generell unfreundlich.
  • Integration: Viele Expats bemängeln, dass Firmen nicht helfen, ihren Partner zu integrieren.

Für die hohe Lebensqualität bezahlt man jedoch auch einen hohen Preis: Im Index zu den Lebenshaltungskosten im Ausland landet die Schweiz 2019 auf dem 62. Platz von 64 Ländern. Nur Dänemark (Platz 63) und Hongkong (Platz 64) werden noch schlechter bewertet. Auch die Kosten für die medizinische Versorgung (Platz 61 von 64) sowie die Kinderbetreuung (Platz 35 von 36) bereiten Expats in der Schweiz grosse Sorgen.

Schliesslich fällt es Expats weiterhin schwer, sich hierzulande einzuleben (2019: Platz 59). Die Schweiz landet im Index zur Eingewöhnung im Ausland zum sechsten Mal in Folge unter den zehn am schlechtesten bewerteten Ländern weltweit. Expats haben Schwierigkeiten, sich in der Schweiz zu Hause zu fühlen (58. Platz) und Freunde zu finden (61. Platz).

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Fast drei von zehn Befragten (28 Prozent) beschreiben die Schweizer Bevölkerung als generell unfreundlich (16 Prozent weltweit) und 34 Prozent fühlen sich in der Kultur des Gastlandes nicht zu Hause (23 Prozent weltweit). Etwa einer von sechs Expats (17 Prozent) meint sogar, er werde sich in der Schweiz nie heimisch fühlen: Damit gehört die Schweiz hier zu den zehn Ländern mit dem höchsten Anteil an negativen Antworten weltweit.

Niederlande ganz vorne

Ein Vorbild für eine besonders gute Integration von Expats sind übrigens die Niederlande. Die Expats, die nach Amsterdam oder Rotterdam gezogen sind, zeigten sich zufriedener als die Expats in allen anderen Ländern. Nach den Gründen befragt, sagen die Entsandten und inter­nationalen Arbeitskräfte, dass sie viel Unterstützung bei der sozialen Vernetzung erhalten würden und auch firmeninternes Networking gefördert werde.

China und die Vereinigten Arabischen Emirate haben übrigens besonders gute Bewertungen bei der Unterstützung der Partner von Expats. Das könnte aber natürlich daran liegen, dass diese ohne Hilfe keine Chance auf irgendeine Arbeitserlaubnis haben. Die Experten von Internations wollen das aber nicht als Ausrede für andere Länder gelten lassen.