Kann Schlaf der Karriere nützen?


Jens Acker*: Guter Schlaf kann definitiv ein Karrierevorteil sein. Schlechter Schlaf verringert die Leistungsfähigkeit und die Aufnahmefähigkeit. 



Warum schlafen wir dann immer weniger und immer schlechter?


Tatsächlich sinkt unsere Schlafmenge stetig. In den letzten 30 Jahren ist sie um 40 Minuten zurückgegangen. Schlaf wird heute eher als lästig angesehen. Das geht soweit, dass Schlaf fast schon ein schlechtes Image hat. Das ist in Ländern wie China und Japan grundsätzlich anders. Dort sind Schlafpausen während des Tages normal und in den Arbeitsprozess integriert. Ein Imageproblem hat Schlaf nur in den westlichen Ländern. Gleichzeitig zeigen alle Studien in den westlichen Industrieländern die gleiche Tendenz, nämlich dass die Schlafdauer in 100 Jahren um eine Stunde abgenommen hat. Gleichzeitig hat die Häufigkeit, mit der Schlafstörungen beklagt werden, deutlich zugenommen.



Welche Sofortmassnahmen empfehlen Sie, wenn jemand schlecht schläft und sich dadurch nicht ausreichend erholt?


Grundsätzlich braucht es einen Puffer zwischen Arbeitsleben und Privatleben. Es hilft, vor dem Einschlafen den Tag und die Aktivitäten Revue passieren zu lassen und die Sachen, die man morgen machen muss, aufzuschreiben. Akute Schlafstörungen sind ein frühes Stressyndom. Als Sofortmassnahme hilft auch eine Arbeitsumstellung. Man sollte sich angewöhnen in der Freizeit seine Emails nicht mehr zu kontrollieren. Es braucht dringend ein Umdenken, was die Bedeutung des Schlafs für die Arbeitsleistung angeht. Und in einigen Firmen findet das auch statt: So schalten etwa manche Firmen nachts den Server ab, damit kein Zugriff auf Emails mehr möglich ist.  



*Jens Acker Facharzt an der Klinik für Schlafmedizin Bad Zurzach.

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