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Zieht neidische Blicke auf sich

Das Handy des Computerriesen Apple ist mittlerweile in Deutschland zu haben. Ein erster Praxistest zeigt: Für den Liebhaber ist es unverzichtbar, für den Pragmatiker aber kein «Must-Have».

Von Thomas Heuzeroth
am 14.11.2007

IPHONE. Das iPhone ist einzigartig und mit Sicherheit geeignet, neidische Blicke auf sich zu lenken. Auch das Konzept ist wegweisend. Das iPhone wird hauptsächlich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm gesteuert. Im Unterschied zu anderen Handys ist das Display nicht aus Plastik, sondern aus Glas, was es unempfindlicher gegen Kratzer macht. Ausserdem ist es hell und zeigt Farben in hoher Qualität. Wird das iPhone während eines Gesprächs ans Ohr gehalten, schaltet sich das Display automatisch berührungsunempfindlich und dunkel. Das spart Strom und verhindert einen unbeabsichtigten Programmstart durch Ohrberührung.

Überzeugend ist auch die Form. Das iPhone passt einwandfrei in die Hosentasche. Es ist sogar flacher, als man vermutet. Allerdings hat es mit 135 g ein stolzes Gewicht. Dafür liegt es aber besser in der Hand als ein Leichtgewicht. Im Grunde lässt sich sagen, dass es für ein Handy zu schwer, für einen Computer aber erstaunlich leicht ist. Unser Test zeigt: Das iPhone ist beides.

Was andere Handys nicht haben

Die meisten Handys können weniger als das iPhone, einige können aber mehr. So viel ist sicher: Die Funktionen, die das Apple-Handy beherrscht, führt es meist eleganter aus als seine Konkurrenten. Programme starten nicht einfach, sondern zoomen sich aus der Mitte heraus in den Vordergrund. Gelöschte Mails und Fotos verschwinden nicht einfach, sondern rutschen in einen Mülleimer, dessen Deckel sich langsam hebt. Beeindruckend ist der Bewegungsmesser. Kippt das iPhone in die Horizontale, werden auch die Fotos oder Webseiten im Querformat dargestellt. Das gibt es bei anderen Handys noch nicht.Auch zum Telefonieren eignet sich das iPhone. Das ist sogar einhändig und freisprechend möglich. Die Nummerntasten werden auf dem Display in einer Grösse abgebildet, die es wohl kein zweites Mal auf dem Markt gibt. Selbst grosse Finger sollten also kein Problem haben. Auf das Antippen mit einem Stift reagiert das Display sowieso nicht. Gespräche können zu einer Telefonkonferenz zusammengeschaltet werden. Die Tonqualität ist gut. Und weil man aus Versehen keine falsche Taste drücken kann, lässt sich das iPhone auch zwischen Ohr und Schulter klemmen. Dass das iPhone die E-Mail-Maschine Blackberry ersetzt, ist allerdings nicht anzunehmen. Zum einen gibt es keine verschlüsselte Übertragung von E-Mails. Somit werden Unternehmen Sicherheitsbedenken haben. Zum anderen ist die virtuelle Tastatur, die sich beim Schreiben von E-Mails oder SMS in der unteren Hälfte des Bildschirms öffnet, gewöhnungsbedürftig. Zwar lässt sich nach einigen Tagen Gewöhnungszeit relativ zügig darauf schreiben. Das liegt nicht zuletzt an der automatischen Worterkennung, die auch mehrere Tippfehler pro Wort korrigiert. Doch eine Blackberry-Tastatur ist immer noch schneller. Überhaupt hat das E-Mail-Programm des iPhone noch grosse Lücken. Weder können Nutzer mehrere Nachrichten markieren, um sie zusammen zu verschieben oder zu löschen, noch lassen sich die E-Mails im Volltext durchsuchen. In Sachen Zusatzfunktionen kann sich das iPhone dagegen blicken lassen. So synchronisiert es Musik und Videos mit dem Computer und spielt die Dateien ab. Dreht man es in die Horizontale, können Nutzer durch die CD-Cover blättern. Zudem verfügt das iPhone über den besten Internet-Browser, der derzeit für Handys zu haben ist, und über eine Zwei-Mega-Pixel-Kamera, die wie bei den meisten Handys nicht an die Qualität von Digitalkameras herankommt. Leider kann das Apple-Handy im Gegensatz zu vielen Konkurrenten keine Videos filmen. Das Betrachten von Fotos auf dem grossen Bildschirm ist überzeugend. Um zum nächsten Bild zu gelangen, wischt man das Foto einfach mit dem Finger zur Seite.

Viele Stärken, einige Schwächen

Natürlich ist das iPhone nicht perfekt: Dem Apple-Handy fehlt Geschwindigkeit, wenn es nicht im Empfangsbereich eines Breitband-Internet-Hotspots ist. Datenreiche Websites und Youtube-Videos werden im Edge-Netz nur in geringer Qualität übertragen. Im Hotspot hingegen gibt es keine Klagen. Apple will aber nacharbeiten und in späteren Modellen auch den schnellen Mobilfunkstandard UMTS einbauen. Leider hat das iPhone auch keinen GPS-Chip für die Satellitennavigation eingebaut, wie es andere Multimedia-Handys haben. Es begnügt sich mit einer – zugegeben gelungenen – Version von Google Maps. Zwar können dort auch Wegstrecken angezeigt werden, doch eine echte Navigation ist nicht möglich. Vielnutzer werden ausserdem einen austauschbaren Akku vermissen. Die Batterie des Gerätes lässt sich nicht herausnehmen.

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