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Verwaltungsrat
Mehr Frauenpower bei den Bundesbetrieben

Verwaltungsratspraesidentin Monika Ribar spricht waehrend der Bilanzmedienkonferenz der SBB, am Dienstag, 21. Maerz 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Monika Ribar (SBB): Eine der wenigen Frauen, die es an die Spitze einer bundesnahen Organisation geschafft haben.Quelle: © KEYSTONE / PETER KLAUNZER

Der Frauenanteil in den Bundesbetrieben soll 30 Prozent betragen – bis Ende 2020. Allerdings fehlen noch 13 Frauen, bis die Quote erfüllt ist.

Corinna Clara Röttker
Von Corinna Clara Röttker
am 30.11.2018

Mindestens 30 Prozent Frauen. Und das bis Ende 2020. Diesen Zielwert hat der Bundesrat für die Verwaltungs- und Stiftungsräte seiner 26 bundesnahen Organisationen Ende 2013 festgelegt. Fünf Jahre später verfehlen noch immer 11 Betriebe den Wert.

Immerhin sind zaghafte Fortschritte sichtbar: Hatten 2014 noch 16 und zwei Jahre später 13 Betriebe Nachholbedarf, erfüllen heute bereits mehr als die Hälfte die Quote. Der Swiss Investment Fund for Emerging Markets und der ETH-Rat zählen in ihren obersten Aufsichtsgremien sogar jeweils zwei Frauen mehr als gefordert.

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Grössere Frauenanteile werden angestrebt

An Frauenpower zugelegt hat vor allem die SRG-Tochter Swiss TXT: Dort ist der Frauenanteil in den letzten zwei Jahren von 0 auf über 30 Prozent geklettert. Schlusslicht bleibt die andere SRG-Tochter TPC: Die Produktionsfirma hat als einziger Betrieb noch ein reines Männergremium. Die SRG sagt dazu: «Auch bei TPC wird ein Frauenanteil von 30 Prozent angestrebt. Und mit SRF-Direktorin Nathalie Wappler wird 2019 eine erste Frau in den Verwaltungsrat von TPC gewählt.»

Zwei Frauen fehlen auch der Tierdatenbank Identitas. Aber auch die SBB weisen eine ungenügende Bilanz aus, obwohl sie – wie das Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi und die Revisionsaufsichtsbehörde RAB – gar von einer Frau präsidiert werden. Beim Eidgenössischen Institut für Metrologie wird Martina Hirayama Ende Jahr als Präsidentin von VR-Mitglied Matthias Kaiserswerth abgelöst, wodurch dem Institut dann wieder eine Frau fehlt.

13 Frauen fehlen, bis die Quote erfüllt ist

Zu männlich bleibt es trotz der jüngsten Veränderungen im obersten Organ der Postfinance. Auf Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff und Adriano Vassalli folgten Giulia Fitzpatrick und Jürg Brun – der Frauenanteil bleibt damit zu niedrig. «Selbstverständlich hat der Verwaltungsrat bei der Suche grosses Augenmerk auf mögliche Kandidatinnen gelegt», heisst es. «Die Suche nach spezifischen Kompetenzen hat jedoch das Feld potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten bereits stark eingeschränkt.»

Anfang der Woche hatte auch die Post noch eine Frau zu wenig im Verwaltungsrat. Mit der Wahl von Bernadette Koch und Ronny Kaufmann stimmt ihre Bilanz seit Dienstag jedoch wieder.

«Der Durchmarsch der Frauen ist nicht mehr aufzuhalten.»

Guido Schilling, Headhunter

Zählt man alle Betriebe zusammen, fehlen noch immer 13 Frauen, bis die Quote erfüllt ist. Für Guido Schilling, der Firmen in der idealen Besetzung von Verwaltungsräten berät, ist das nur noch eine Frage der Zeit: «Der Durchmarsch der Frauen ist nicht mehr aufzuhalten, denn die Firmen haben den Mehrwert von Gender Diversity erkannt. Nur Spätzünder haben das noch nicht begriffen.» Schilling ist überzeugt: «In den nächsten fünf Jahren wird es kein Unternehmen mehr geben, das weniger als 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat hat.» Dies sei einzig deswegen heute noch nicht der Fall, weil Firmen Vakanzen abwarten müssen. «Das braucht Zeit.»

Immerhin: Im Schnitt kommt der Bund bereits auf einen Frauenanteil von 32 Prozent – und schlägt damit die Privatwirtschaft bei weitem. Dort liegt der Anteil in den Verwaltungsräten bei bescheidenen 19 Prozent.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf bilanz.ch mit dem Titel «Diese Bundesbetriebe verfehlen ihre Frauenquote» veröffentlicht.