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Ausblick
Die überraschenden Prognosen der Redaktion für 2018

Twint, WheChat, WhatsApp, Rolex, Prognosen
Die Richtigkeit der Voraussagen zu Twint, Rolex, WhatsApp, WeChat, Twint etc. wird sich in einem Jahr zeigen. Prosit Neujahr!Quelle: Handelszeitung

Zwölf Redaktoren, zwölf Prognosen: Was das neue Jahr für Bitcoin, Twint, Facebook, Rolex, WhatsApp und Winterthur bereit hält.

Matthias Göbel
Von Matthias Göbel
am 28.12.2017

«Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen», soll Mark Twain einmal gesagt haben. Und selbst wenn das Zitat nicht von ihm sein sollte, wird wohl niemand widersprechen. Zwölf Handelszeitung-Redaktoren wagen dennoch einen Blick in die Zukunft und formulieren ihre subjektive Prognose, was 2018 bringen könnte – und begründen diese auch.

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Simon Schmid «Es kommt 2018 zum Showdown um Donald Trump»

Prognose #1

«Es kommt 2018 zum Showdown um Donald Trump»

Begründung: 2018 wird ein Schicksalsjahr für die USA. Die Öffentlichkeit wird sich mit einer unschönen Realität auseinandersetzen müssen: Damit, dass Donald Trump in seinem Wahlkampf im Sommer 2016 vermutlich gemeinsame Sache mit den Russen gemacht hat und später die US-Justiz bei ihren Untersuchungen in dieser Angelegenheit behindert hat – ein Vergehen, das mit dem «Watergate»-Skandal der siebziger Jahre vergleichbar ist, welches zur Absetzung von Richard Nixon führte.

Ob sich die Republikaner zu einem Impeachment-Verfahren gegen ihren Präsidenten durchringen können, steht indes in Zweifel. Die Parlamentarier der Grand Old Party haben ein starkes Interesse daran, dass Trump im Amt bleibt, weil er ihre Politik des Sozialabbaus und der Abschaffung von Umweltauflagen unterstützt. Ob es in Amerika zu einem Kurswechsel kommt, hängt letztlich vom Stimmvolk ab.

Dieses entscheidet in den Midterm-Wahlen vom November darüber, ob die Republikaner ihre Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus behalten oder ob es zum Machtwechsel und damit zur Absetzung des Präsidenten kommt. Unter ihm hat die politische Kultur bereits arg gelitten. Die Institutionen sind unterhöhlt, der Ruf der USA ist beschädigt. So kommt es 2018 zum Showdown: um Trump und um die Zukunft der amerikanischen Demokratie.

Simon Schmid, Chef-Ökonom

Marc Badertscher «Bitcoin und Co. kommen 2018 weltweit unter massiven Druck der Behörden»
Quelle: Handelszeitung

Prognose #2

«Bitcoin und Co. kommen 2018 weltweit unter massiven Druck der Behörden»

Begründung: Bitcoin und andere Kryptowährungen erreichen eine nicht mehr vernachlässigbare Grösse. Jeden Monat erfreuen sich die neuen staatlich unregulierten Währungen grösserer Beliebtheit. Das kann in Zukunft den Handlungsspielraum selbst von Staaten und Zentralbanken einschränken. Bis dahin dauert es zwar noch lange, aber das Zeitfenster für Verbote schliesst sich irgendwann.

Weil irgendwann schlicht zu viel Geld von Anlegern in Kryptowährungen auf dem Spiel steht. Deshalb wird sich bereits 2018 der Ton deutlich verschärfen. Die Argumentation für drastische Regulation wird in einem ersten Schritt sein: die Konsumenten schützen, Finanzstabilität garantieren, Kriminalität bekämpfen und Terrorfinanzierung unterbinden. Über die Rolle von Zentralbanken wird lange nicht geredet.

Marc Badertscher, Co-Leiter Unternehmen & Politik

Peter Manhart: «Der SMI wird 2018 auf breiter Front steigen. Ein Stand von 11000 Punkten ist möglich.»

Prognose #3

«Der SMI wird 2018 auf breiter Front steigen. Ein Stand von 11000 Punkten ist möglich.» 

Begründung: Nachdem der SMI 2017 ein Nachzügler war, kommt nun Schwung in den Schweizer Aktienmarkt – wegen dem wiedererwachten Interesse an Nestlé, Roche, Novartis und den Finanzwerten.

Peter Manhart, Ressortleiter Invest

«2018 wird ROLEX einen Online-Shop eröffnen.»

Prognose #4

«2018 wird ROLEX einen Online-Shop eröffnen.»

Begründung: Bislang hat sich die unangefochtene Königin unter den Schweizer Uhren-Marken dem E-Commerce beharrlich verschlossen. Das wird sich im kommenden Jahr ändern. Denn der Tipping Point im Online-Shopping für Luxus-Uhren ist 2017 überschritten worden. Fast alle grossen Brands verkaufen auf die eine oder andere Weise ihre Zeitmesser online. Sei es selbst, sei es über Luxus-Plattformen wie HODINKEE oder MR PORTER, sei es über etablierte Retailer wie Bucherer oder Gübelin, die dieses Jahr den Schritt ins Netz gewagt haben. Diesem Sog kann sich auch die Königin nicht länger verschliessen. Oder sie verliert Marktanteile.

Marcel Speiser, stv. Chefredaktor 

«2018 verliert Winterthur einen der grössten Arbeitgeber der Stadt.» Marc Iseli, Redaktor Handelszeitung

Prognose #5

«2018 verliert Winterthur einen der grössten Arbeitgeber der Stadt.»

Begründung: Zugegeben, die Prognose ist gewagt, aber nicht unwahrscheinlich. Das US-amerikanische MedizintechnikunternehmenZimmer Biomet könnte seine Belegschaft inWinterthur massiv zusammenstreichen, die Eulachstadt als Europasitz und Produktionsort in Frage stellen. Mehr als 1000 Arbeitnehmer wären davon betroffen.

In der Kasse der sechstgrössten Stadt des Landes würde ein Millionenloch klaffen. Der Grund für den möglichen Kahlschlag in der einstigen Industriehochburg Winterthur ist eine politische Blockadesituation. Die Steuerreform 17 hat einen schweren Stand.

Linke und rechte Parteien haben das Nachfolgeprojekt der an der Urne gescheiterten Unternehmenssteuerreform III harsch kritisiert, die CVP prophezeit sogar ein erneutes Scheitern der Vorlage. Gleichzeitig verbessert sich das Steuerklima in den USA. Als Konsequenz verliert die Schweiz an Attraktivität. US-Firmen landauf und landab liebäugeln deshalb mit einer Repatriierung von Geschäftstätigkeiten und Steuergeld.

Marc Iseli, Redaktor Handelszeitung

«Die Wahl zwischen Google, Amazon, Facebook oder Apple wird zur Lebensentscheidung.» Karen Merkel,

Prognose #6

«Die Wahl zwischen Google, Amazon, Facebook oder Apple wird zur Lebensentscheidung.» 

Begründung: 
Google, Amazon, Apple und Co: Alle Tech-Riesen arbeiten an digitalen Assistenten. Ihre Idee ist es, dass uns diese smarten Helferlein in naher Zukunft durch alle Lebensbereiche begleiten werden. Das heisst, ein Assistent soll uns freundlich und dienstbeflissen überall dort begegnen, wo wir ihn brauchen. Er kennt unser Termine, unsere Einkaufslisten, navigiert uns durch den Verkehr, berät uns beim Shoppen, kauft Konzertkarten und verschickt Nachrichten per Sprachbefehl.

Die Anbieter sind dabei unterschiedlich weit – während Amazon Echo bereits fröhlich im Wohnzimmer mit uns plaudert, bastelt Facebook an eher abseitigen Formaten für den Messenger-Bot. Die Entwicklung von Google Home, Alexa und Co. zum digitalen Manager der gesamten Familie schreitet dabei voran. Google Home kann heute schon die Familienmitglieder an der Stimme unterscheiden – und differenziert zum Beispiel die Ansage für den Terminkalender entsprechend.

Diese Rundumversorgung funktioniert aber nur, wenn der Übergang vom Handy zur Smartwatch zum Desktop zum Assistenten im Wohnzimmer bei jedem Nutzer fliessend passiert – und darum entsprechend alle Geräte von einer Firma stammen. Technisch wäre eine übergreifende Synchronisierung zwischen den Geräten machbar, aber diese liegt nicht im kommerziellen Interesse der Unternehmen.

Und sind erst einmal mehrere Personen mit allen ihren technischen Geräten auf einen Anbieter eingestellt, wird der Wechsel umständlich und teuer – darum ist die Entscheidung für ein «Assistenten-Universum» zunehmend eine auf Dauer.

Karen Merkel, stv. Leiterin HZ-Online

«2018 werden viele von uns ihre Geräte per Sprachbefehl steuern», Andreas Güntert

Prognose #7

«2018 werden viele von uns ihre Geräte per Sprachbefehl steuern»

Begründung: Wie sprechen Sie mit Ihren Freunden, Kollegen und Haustieren? Blöde Frage, eigentlich. Natürlich mit der eigenen Stimme. Wie sprechen Sie mit Ihrem Computer, Ihrem Smartphone, Ihrem Kochherd? Heute meist noch per Tastatur, mit Wischbewegungen oder mittels Schaltknöpfen.

Das ändert sich gerade: Alles spricht für Sprache. Ganze Industrien, von Online-Warenhäusern über Immobilienplaner bis hin zu Küchenausstattern planen eine Revolution: Die Kommunikation per Voice-Interface. Was das Kommunikationsfachblatt «Horizont» als «dramatischen Kanalbruch in der Customer Journey» beschreibt, bedeutet in der Realität nichts anders als: Alltägliche Geräte um uns herum werden auf unsere Stimme hören, auf unsere Zurufe gehorchen und aktiv werden.

Sprachgesteuerte Endgeräte oder Applikationen wie Siri (Apple) oder Alexa (von Amazon) werden dabei eine immer wichtigere Rolle spielen und über den Gebrauch des Smartphones hinauswachsen. 2018 markiert dabei möglicherweise nicht das Jahr des totalen Durchbruchs dieser Technologie.

Aber sie wird sich stärker manifestieren, wir werden mehr Use Cases sehen und von Freunden vernehmen, die sich per Stimme mit ihren Geräten verständigen. Weil sie ein Herumhebeln an Kommunikations-Krücken wie Knöpfen und Tastaturen als höchst ineffizient wahrnehmen.

Und weil Hardware- wie auch Software-Hersteller durch das vielzitierte «Internet of Things» verstärkt auf den direkten Kunden-Kontakt setzen. Wenn die Geräte um uns herum immer schlauer werden, dann werden sie uns aufs Wort gehorchen. Und uns auch aushorchen? Prognose: Ja, das vermutlich auch.

Andreas Güntert, Redaktor Unternehmen

«2018 wird das Jahr der Gentherapien», sagt Seraina Gross

Prognose #8

«2018 wird das Jahr der Gentherapien»

Begründung: Novartis hat 2017 mit der Zulassung von Kymriah eine Gentherapie zur Behandlung krebskranker Kinder vorgelegt. Doch das war erst der Startschuss. Das Thema Gentherapie wird 2018 Schlagzeilen machen wie noch nie. Novartis will CAR-T, die hinter Kymriah stehende Technologie, auf andere Krebserkrankungen ausrollen. Dutzende von Biotechunternehmen sind am Thema dran.

Ganz gross will Pfizer hinaus. Das Unternehmen hat sich mit 150 Millionen Dollar Bamboo Therapeutics gekauft, ein Biotechunternehmen mit einem gentherapeutischen Portfolio. Die Industrie eilt voraus – doch die Gesellschaft hinkt hinterher. Denn Gentherapien erschliessen nicht nur grossartige neue medizinische Möglichkeiten; sie stossen auch kostenmässig in neue Sphären vor. Eben hat die FDA eine Gentherapie für eine seltene Krankheit zugelassen, die eine Million Dollar kosten dürfte. 2018 wird deshalb auch das Jahr werden, indem vermehrt über neue Kostenmodelle gesprochen werden wird.

Seraina Gross, Redaktorin Unternehmen

«Open Banking wird 2018 zum Game Changer für die Finanzindustrie», Sven Millischer

Prognose #9

«Open Banking wird 2018 zum Game Changer für die Finanzindustrie»

Begründung: Anfang Jahr wird die Europäische Union die Payment Service Directive 2 in Kraft setzen. Damit erhalten, wenn der Kunde das will, Drittanbieter wie Technologie-Giganten oder Fintechs Zugriff auf Bankkonten und direkt können Zahlungen auslösen. Die Banken verlieren mit PSD2 die Hoheit über die Kundenschnittstelle.

Branchenfremde Anbieter wie Finanzaggregatoren oder Zahlungsdienstleister können so ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln beziehungsweise die Wertschöpfungskette der Banken filettieren. Open Banking wird zum Game Changer. Wer sich nicht bewegt als Bank, dessen Geschäft wird kommoditisiert mit entsprechenden Margeneinbussen. 

Sven Millischer, Co-Leiter Unternehmen & Politik 

 

«2018 wird zum Schicksalsjahr für Twint», Michael Heim.

Prognose #10

«2018 wird zum Schicksalsjahr für Twint»

Begründung: Twint, die Payment-App der grossen Schweizer Banken, wurde 2017 neu lanciert, nachdem Vorgängerprodukte einige Zeit auf dem Markt waren. Stolz verweist Twint auf 600’000 Kunden. Die Zahl der Transaktionen jedoch bleibt bescheiden, und neue Banken schliessen sich derzeit kaum an.  

Gleichzeitig unternehmen die Twint-Banken unter Führung der UBS alles, um Apple und Samsung den Einstieg ins Schweizer Payment zu erschweren – bisher mit Erfolg. Das erzürnt mittlerweile auch kleinere Banken, die gerne mit den Internationalen Anbietern zusammenarbeiten würden. 2018 muss Twint durchstarten, sonst hat es langfristig keine Chance. Die Diskussionen werden zunehmen.  

Michael Heim, Redaktor

«WeChat wird WhatsApp nach Nutzern überholen», Gabriel Knupfer.

Prognose #11

«WeChat wird WhatsApp nach Nutzern überholen»

Begründung: Weltweit kommt der Dienst des chinesischen Internetkonzerns Tencent auf 960 Millionen Nutzer. Whatsapp, das seit 2014 zu Facebook gehört, wird von 1,3 Milliarden Usern eingesetzt. Doch WeChat ist in vielen Bereichen besser als Whatsapp. Neben Kurznachrichten verschicken User mit WeChat nicht nur Audionachrichten, Bilder und Videos, sondern auch Geld.

Die Einführung der WeChat-Bezahlfunktion 2013 hat die App für Millionen Chinesen zum Zentrum ihrer gesamten Onlineaktivitäten gemacht. Egal ob für den Einkauf, ein (Geld-)Geschenk an Freunde oder einen Arzttermin. WeChat ist Begleiter in allen Lebenslagen. Doch hier liegt auch das Problem. Die Nutzung von WeChat beschränkt sich hauptsächlich auf China.

Im Westen überwiegen die Bedenken, dass die chinesische Regierung mitliest, was auf WeChat geteilt wird. Dennoch ist absehbar, dass das chinesische WeChat das amerikanische Whatsapp bald überholen wird. Zum einen gibt es in keinem Land mehr Internetnutzer als in China.

Im Land gehen 750 Millionen Menschen regelmässig online – das sind gut 50 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In den USA nutzen 290 Millionen Menschen das Internet. Das entspricht wie in vielen westlichen Ländern ungefähr 90 Prozent der Bevölkerung. China hat also noch Aufholpotenzial.

Zum anderen nutzen fast alle Chinesen ausschliesslich das Smartphone für ihren Internetzugang und ihre Onlineaktivität spielt sich hauptsächlich innerhalb von Messenger-Apps wie WeChat ab, wo auch die ganzen Onlinehändler vertreten sind. Bezüglich Nutzerzahl wird der Siegeszug von WeChat weitergehen. Ob sich der Dienst auch global durchsetzt, ist eine andere Frage.

Gabriel Knupfer, Redaktor

2018 werden die ersten Schweizer Geschäfte kein Bargeld mehr entgegennehmen, sagt Marc Bürgi.

Prognose #12

«2018 werden die ersten Schweizer Geschäfte kein Bargeld mehr entgegennehmen»

Begründung: Zwar ist Bargeld in der Schweiz immer noch König. Doch elektronische Zahlungsmittel setzen sich auch hierzulande immer stärker durch: Kredit-, Debitkarten und Bezahl-Apps ersetzen zunehmend die Münzen und Noten.

Für gewisse Händler könnte sich der Verzicht auf Bargeld bezahlt machen – obwohl sie für elektronische Zahlungsmittel meistens Gebühren entrichten müssen. Wer kein Bargeld entgegennimmt, hat weniger Aufwand: Kunden zahlen rascher, wenn sie die Karte oder das Smartphone zücken, statt im Portemonnaie nach «Münz» zu suchen – die Mitarbeiter haben Zeit für andere Aufgaben. Eine Ladenkasse ist nicht mehr nötig, für einen Tresor gibt es keine Verwendung mehr. In der Buchhaltung und bei der Abrechnung können die Geschäfte zusätzlich Kosten sparen.

Läden, die kein Cash akzeptieren, werden sicher Kunden verlieren. Für einzelne Pioniere im Schweizer Handel könnte die Rechnung aber dennoch aufgehen.

Marc Bürgi, Redaktor