Der Franken ist gegenüber dem Euro wieder erstarkt. Was sind die Gründe dafür - und welche Schlüsse sollten Anlegerinnen daraus ziehen?
Der Schweizer Franken ist in den letzten Wochen gegenüber den wichtigsten Währungen allgemein stärker geworden. Der Euro hingegen hat sich im selben Zeitraum leicht abgeschwächt, was insgesamt zu einem noch schwächeren Euro gegen dem Schweizer Franken geführt hat. Das aktuelle Umfeld mit im Ausland grösseren Inflationsängsten als in der Schweiz und Ängsten vor einer Stagflation spricht allgemein für einen starken Franken als sicheren Hafen.

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Die zurückhaltende EZB hilft in diesem Kontext mit ihrer Tiefzinspolitik auch nicht unbedingt. Die SNB hat auf der anderen Seite mehrmals betont, dass der Schweizer Franken überbewertet sei und sie bei Bedarf entsprechend intervenieren wird. Auf dem aktuellen Kursniveau erwarten wir, dass der Eurokurs nun Boden gefunden hat und sich der Schweizer Franken wieder etwas abschwächen sollte.

Welche attraktive Alternativen sehen Sie zu Aktien - Immobilien, Obligationen, Fremdwährungen - oder gar Kryptowährungen?
Diese Frage stellen sich alle Anleger täglich. Der globale Aktienmarkt ist seit Ende 2019 – also vor der Coronakrise – um knapp 40 % gestiegen, Bitcoins um über 700 %, Ethereum sogar um über 3000 %. Zinsen haben sich zwar von ihren Tiefständen aus den Jahren 2019 und 2020 entfernt. Die expansive Geldpolitik drückt aber auf die Zinsen und Kreditspreads, was unter anderem zu sehr hohen Agios bei den Immobilienfonds führte.

Zusammengefasst: TINA, «There is no alternative». In der Summe sind alle traditionellen Anlageklassen im historischen Vergleich teuer. Deshalb ist ein aktiver Ansatz wichtig. Man sollte in die Tiefe gehen und gezielt Regionen, Sektoren und Einzelwerte auswählen und die eigene Risikofähigkeit nicht aus den Augen verlieren.

Wie stark sollten Anleger aktuell auf Indexfonds - ETFs - setzen?
Bei ETF-Indexfonds handelt es sich um kostengünstige und passive Portfolio-Bausteine, welche auch im aktiven Management gezielt eingesetzt werden können. Doch welchen ETF sollte man auswählen? Welcher Index soll repliziert und welche Region abgedeckt werden? Sollten auch Schwellenländer und KMU berücksichtigt werden? Sollen Währungen abgesichert sein? Bevorzugt man eine Gleichgewichtung oder eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung? Viele Fragen, die das Endergebnis deutlich beeinflussen können. Die Wahl der Indexfonds sollte man sich also reiflich überlegen.

Wie attraktiv sind Gold und Öl derzeit bewertet?
Gold befindet sich in einer Pattsituation. Die negativen Realzinsen geben Support, weil dadurch die Opportunitätskosten beim Halten von Gold tief sind. Momentan wird allerdings keine Sicherheit gesucht, da die Wirtschaft brummt und die Aktienmärkte attraktiver erscheinen. Wir gehen davon aus, dass sich Gold stabil um die Marke von 1800 Dollar pro Unze halten wird.

Der starke Anstieg des Ölpreises wurde durch die schleppende Angebotsausweitung nach der Pandemie und der wieder ansteigenden Nachfrage nach Öl getrieben. Durch den Winter werden die Energiepreise kurzfristig wohl hoch bleiben. Angebot und Nachfrage sollten sich jedoch bei Wiederaufnahme weiterer Produktionsanlagen mittelfristig wieder bei einem tieferen Preis einpendeln.

Börseninterview Mobiliar Philippe Bonvin

Philippe Bonvin ist seit 2017 Leiter Portfolio Management bei Mobiliar Asset Management in Bern. Mit seinem Team verantwortet er die Verwaltung der Gruppenvermögen der Mobiliar, verschiedener Pensionskassen und Mobiliar-Anlagefonds.

Quelle: ZVG

«In der Summe sind alle traditionellen Anlageklassen im historischen Vergleich teuer.»

Wechseln wir zum allgemeinen Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte noch?
Corona und die Folgen davon werden uns direkt und indirekt wohl noch länger beschäftigen und als Damoklesschwert über der Wirtschaft und den Märkten hängen. Zurzeit beschäftigen eher «Zweitrundeneffekte» aus der Corona Krise die Anleger.

Die asynchron geführten Lockdowns und Öffnungen haben zu deutlichen Störungen der Handelswege geführt, weshalb uns Lieferengpässe und damit verbunden höhere Preise wohl noch bis ins nächste Jahr begleiten werden. Die Lieferengpässe bremsen die Wirtschaftsdynamik, und die höheren Einkaufspreise drücken auf die Margen der Unternehmen, welche höhere Kosten nicht gänzlich an die Konsumenten weitergeben können.

Die Konsumentinnen und Konsumenten wiederum werden früher oder später einen Ausgleich aufgrund höherer Lebensunterhaltskosten fordern, sollten diese Steigerungen nicht bald abflachen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Als langfristig orientierte Investoren sind wir für kurzfristige Marktprognosen sehr zurückhaltend. Das Jahresende steht vor der Tür. Die steigenden Inflationszahlen werden von den Marktteilnehmern mit Argusaugen beobachtet. Bei einem gleichbleibenden Zinsniveau und einer Stabilisierung an der «Corona-Front» rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung des defensiven Schweizer Aktienmarktes.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
2022 wird geprägt sein von Herausforderungen, wie der anhaltenden Knappheit von Ressourcen und Arbeitskräften, steigenden Energiepreisen und Lieferengpässen. Firmen mit Preissetzungsmacht werden einen grossen Teil dieser Teuerung an die Kundinnen und Kunden weitergeben und so ihre Marge stabil halten können. Das Gewinnwachstum des SMI wird mit einem Zuwachs von rund 8% erwartet. Da es sich beim SMI um einen Preisindex handelt, fliessen noch die erwarteten Dividenden von rund 2.8% ab. Ceteris paribus entspräche dies einem erwarteten Indexstand von rund 13'000 Punkten.

Philippe Bonvin beantwortete die Fragen schriftlich.