Die SPAC-Träume sind zerplatzt. Noch Anfang Jahr galten die «Blankoscheck»-SPAC (Special Purpose Acquisition Companies), die zur Finanzierung von späteren Firmenübernahmen an der Börse Geld einsammeln, als heisse Investments. Sie lockten Anlegerinnen und Anleger auf der Suche nach dem schnellen Geld.

Und heute? Abgesehen vom Deal des ehemaligen US-Präsidenten Trump machen die SPAC eher Schlagzeilen wegen der hohen Summen, die in den Sand gesetzt wurden, als wegen hoher Renditen.

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Lange im Schatten

SPAC sind an sich nichts Neues. In den Vereinigten Staaten gibt es sie schon seit Jahrzehnten und in Europa gewannen sie Mitte der 2000er Jahre an Zugkraft. Aber sie blieben lange weitgehend Randinvestitionen. Bis zu einer von den USA getriebenen Blütezeit Ende 2020.

Warum dieser Anstieg? Diese Briefkastenfirmen sammeln über Börsengänge (IPO) Geld ein und erwerben dann Unternehmen. Voilà! Ihre Zielunternehmen kommen dann billig und mit reduziertem Regulierungsaufwand an die Börse. Nach US-Regeln können reuige Anleger und Anlegerinnen sogar ihre ursprünglichen Mittel zurückholen, bevor die SPAC verschmolzen wird – mit Zinsen.

Nachdem 2019 weltweit gerade einmal 13 Milliarden Franken für SPAC eingesammelt worden waren, boomten die IPO 2020 mit 75 Milliarden Franken. Dann begann der Wahnsinn erst richtig. Im ersten Quartal 2021 strichen sie 88 Milliarden Franken ein, fast die Hälfte aller weltweiten IPO-Erlöse. Von Ende Juli 2020 bis Mitte Februar stiegen die amerikanischen SPAC-Aktien um 92 Prozent und überstiegen damit den 20-prozentigen Zuwachs des S&P 500 deutlich.

Viel Prominenz hat mitgemacht

Schauspielerinnen und Sportler kauften sich ein und ermutigten die Anlegenden zum Spekulieren. Hochkarätige Banker, wie der ehemalige CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, schlossen sich dem ebenfalls an, wobei einige auf Akquisitionen in der Schweiz abzielten. Das roch schon nach Euphorie, die normalerweise globalen Marktspitzen vorausgeht, wie etwa dem blinden IPO-Rausch Anfang 2000.

Heute haben die SPAC an Glanz verloren. Hochkarätige Pleiten legten die schlechte Qualität von Übernahmen offen. Der europäische Börsengangboom im Herbst entstand ohne neue SPAC-Einführungen.

Über den Autor

Ken Fisher ist ein US-amerikanischer Autor und Investmentanalyst sowie Gründer und Vorsitzender von Fisher Investments, einer Firma für Finanzberatung und Vermögensverwaltung mit Sitz in Camas, Washington.

Hunderte von SPAC haben keine geeigneten Übernahmeziele gefunden – und die Zahl der gescheiterten Fusionen nimmt zu. Viele werden Geld an die Aktionäre und Aktionärinnen zurückzahlen müssen, wenn sie nicht bald einen Deal besiegeln können.

Hürden sind grösser geworden

Der vermeintliche Vorteil von SPAC – die Einfachheit – hat sich angesichts steigender regulatorischer und rechtlicher Herausforderungen verringert. Auch wenn sie in der Schweiz eigentlich legal sind, waren die Hürden für eine Börsenzulassung für SPAC hier immer höher.

Die SIX verlangt dafür eine dreijährige Unternehmensgeschichte. Den meisten SPAC fehlt diese. Die SIX kann zwar Ausnahmen gewähren, aber das ist noch nicht die einzige Hürde. Im März vollzog sie bei der ersten SPAC-Einführung der Schweiz, dem von Veraison unterstützten VT5, aufgrund von Bedenken der Finma eine Kehrtwende.

Immer mehr Klagen in den USA

In den USA stiegen gegenüber dem Gesamtjahr 2020 bis Oktober die Sammelklagen im Zusammenhang mit SPAC um 420 Prozent. Chinas neue Cybersecurity-Bewertungen für die Unternehmen, die ausländische Notierungen anstreben, schreckten SPAC ab, die es auf die Reichtümer chinesischer Startups abgesehen hatten.

Die IPO-Erlöse von amerikanischen SPAC betrugen in den letzten sieben Monaten insgesamt 31,8 Milliarden Franken, was kaum mehr ist als die 31,1 Milliarden Franken allein im März. Im dritten Quartal kauften die Aktionärinnen und Aktionäre noch vor der Übernahme mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Investitionen zurück, das gleicht schon fast einem Selbstmord.

Die Aktien der SPAC haben nachgegeben und auf diesem Wege sind die saftigen Vergütungen der Schweizer Banken für die Übernahme des Risikos bei Nichtplatzierung trockengelegt worden.

Nur noch gelegentliche Strohfeuer

Sicher, durch Trumps Deal werden wieder ein paar SPAC-Funken entfacht. Die Bemühungen Hongkongs und Singapurs, sie zu erlauben, lösten ein paar Ränkespiele aus. Prominente bringen sie immer wieder auf den Markt und Schlagzeilen preisen die gelegentlichen milliardenschweren SPAC-Fusionen – wie den Deal von Energy Vault, einem Unternehmen, das erneuerbare Energien speichert.

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Doch dies ist weit entfernt von Anfang 2021, als noch die SPAC-Manie herrschte und die Zielunternehmen achtstellige Bewertungen erreichten.

Anlegende ziehen den Kürzeren

Die schnell aufkommende Schwäche der SPAC gibt wieder, was ich seit meinem Buch «Wall Street Walzer» aus 1987 sage: IPO steht für «It’s probably overpriced» – auf Deutsch: «Es ist wahrscheinlich überteuert». SPAC sind nichts Besonderes – sie sind nur IPO mit einer anderen Abkürzung. Unternehmen gehen an die Börse, wenn der Kurs für sie günstig ist und daher für den Käufer oder die Käuferin ungünstig. Sie nutzen üblicherweise den Schöpfern, nicht der durchschnittlichen Anlegerin.

Wer früh einsteigt, könnte noch etwas gewinnen. Aber Anleger, die von Reichtum träumen, kaufen in der Regel später teuer ein und verlieren. SPAC geben potenzielle Fusionsziele nicht einmal bekannt. Die von SPAC gekauften Firmen sind häufig noch nicht für einen Börsengang bereit, aber die Gründer beissen an, wenn sie mit riesigen Summen umworben werden.

Durch spitzfindige Regelungen erhalten frühe Anlegerinnen und Anleger Optionen, die sie nach der Rückzahlung ihrer ursprünglichen Mittel ausüben können. Selbst wenn die Aktie in die Höhe schiesst, werden die Anteile der Aktionäre und Aktionärinnen verwässert, sobald die Hedgefonds ihre Optionen ausüben.

Die SPAC-Euphorie ist verpufft – zum Glück!

Die SPAC-Euphorie kann immerhin als Stimmungsindikator dienen. Eine IPO-Manie ist historisch betrachtet immer ein Zeichen für übersprudelnde Euphorie am Aktienmarkt, die unerreichbare Erwartungen mit sich bringt und den Bullenmarkt auf böse Überraschungen vorbereitet.

Das war nicht nur 2000 so. Höchstzahlen bei den Börsengängen sind seit langem Vorboten für Marktspitzen. Nach den Rekordemissionen 1986 folgte der weltweite Börsencrash von 1987 und ein Abschwung. Anfang 2021 blitzte in der SPAC-Schaumschlägerei Euphorie durch. Aber glücklicherweise ist diese wieder verblasst.

Wenn das SPAC-Fieber wieder zurückkehrt, lassen Sie sich nicht täuschen: Es ist wahrscheinlich ein Zeichen für eine Überhitzung der globalen Stimmung.

Feiern Sie im Moment erst einmal den Einbruch bei den SPAC. Die Kapitulation bietet eine solide Stimmungsbasis, die den weltweiten Aktienmärkten mehr Entwicklungsspielraum gibt.

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