Die Kryptowährungen Bitcoin und Ether haben in diesen Tagen neue Allzeithöchststände erreicht. Das feiern jene, die Laseraugen über ihre normalen Profilbilder auf Social Media gelegt haben. Sie wollen, dass der Wert von Bitcoin auf 100'000 Dollar oder noch viel mehr steigt.

Das finden viele absurd, denn sie sehen den inneren Wert dieser «Pseudo-Währung» bei rund null Franken. Tatsächlich ist das Potenzial von Bitcoin und anderen Kryptos als Währung wahrscheinlich nicht das ganz grosse Versprechen. Aber auch wenn sie sich nicht als Alltagswährungen durchsetzen, könnte ihr Wert weiter steigen.

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Denn: Die Währungsfunktion ist vielleicht gar nicht so wichtig, weshalb das Wort Kryptowährungen besser durch die Begriffe Kryptos oder Token ersetzt würde. Mit Token wird ein neues, funktionaleres Internet gebaut, ein Internet 2.0.
Dabei ist Ethereum das beste Beispiel, weil darauf heute über 90 Prozent aller funktionalen Anwendungen der Blockchain-Technologie laufen, auf der die Kryptos basieren. Ethereum kann so etwas wie ein Weltcomputer werden. Auf dieser Blockchain können Geschäfte automatisiert ablaufen – und alle können den Geschäftsergebnissen vertrauen.

«Hätte Tim Berners-Lee, der Erfinder von HTML und Begründer des Internets, damals sein Werk schützen lassen, wäre er nun wohl der reichste Mann aller Zeiten.»

Das ermöglichen auf der Blockchain sogenannte Smart Contracts. Sie dürften viele Institutionen überflüssig machen, die heute noch dafür sorgen, dass die Parteien eines Vertrages einander vertrauen können.

Man kann diese Institutionen Vertrauensintermediäre nennen. Das sind heute (noch) wichtige Wirtschaftsakteure wie Banken, Revisionsgesellschaften oder auch Notare, um nur einige wenige zu nennen.

3000 Milliarden sind nicht genug

Zum besseren Verständnis ein Beispiel mit dem Notar: Wenn die Smart Contracts funktionieren, wird es keinen Notar mehr brauchen, der einen Grundstückserwerb beglaubigt. Das Vertrauen, das er als staatlich regulierte Drittpartei mit seiner Unterschrift dem Vertrag einhaucht, ist dann im Smart Contract bereits enthalten; ein Notar wird damit völlig überflüssig. So werden Transaktionen enorm vereinfacht, viel effizienter und günstiger.

Das funktioniert allerdings erst, wenn die Blockchain mit den Smart Contracts ausgebaut ist. Dann entsteht ein neues, funktionales Internet mit integrierter Vertrauensfunktion.

Aber was soll das wert sein? Wenn Tim Berners-Lee, der Erfinder von HTML und Begründer des Internets, damals sein Werk hätte schützen lassen, wäre er heute wahrscheinlich der reichste Mann in der Geschichte der Menschheit. Wie viel wäre das Internet heute wert? Mehr als 3000 Milliarden Franken, die heute alle Kryptos zusammen wert sind?

Ja, das voll ausgebaute Internet des Vertrauens mit Smart Contracts wird wohl mehr wert sein. Das dürfte in Token der Blockchain abgebildet werden. Wie diese Token heissen werden, ob Bitcoin, Ethereum oder ganz anders, das wird sich noch zeigen.