Vor einem halben Jahr machten sie weltweit Schlagzeilen als Entdecker von Aducanunamb. Der Wirkstoff, einlizenziert vom amerikanischen Biotechunternehmen Biogen, könnte als erstes Alzheimer-Medikament in die Geschichte eingehen, das nicht nur die Symptome bekämpft, sondern auch positiv in den Verlauf der Krankheit eingreift. Biogen wird einen Zulassungsantrag bei der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA einreichen.

Nun steigt das Neurimmune-Trio mit den beiden Neurowissenschaftern Roger M. Nitsch und Jan Grimm sowie dem Psychiater Christoph Hock in die Covid-19-Therapieforschung ein. Die drei Wissenschaftler und Unternehmer wollen einen mRNA-kodierten Antikörper gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 entwickeln; also einen Wirkstoff, der nicht direkt wirkt, sondern sozusagen die Bauanleitung für den eigentlichen Wirkstoff enthält.

Ein Wirkstoff, der inhaliert werden müsste

Der Wirkstoff würde inhaliert, also direkt in der Lunge appliziert – und dort dazu führen, dass der eigentliche Antikörper in den körpereigenen Zellen gebildet wird. Das Unternehmen arbeitet dafür mit dem Antikörper-Repertoire von Patienten, die von Covid-19 genesen sind.

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«Wir sind zuversichtlich, dass wir damit einen vielversprechenden Therapieansatz verfolgen», sagt Fabian Buller, Chief Business Officer und Mitglied der Geschäftsleitung.

Ziel ist es, Ende Jahr mit der klinischen Entwicklung zu beginnen, das heisst den neuen Wirkstoff an Patienten zu testen. Ein allfälliges Medikament könnte bei allen Covid-19-Patienten zur Anwendung kommen.

Neurimmune, ein Spin-Off der Universität Zürich, geht dazu eine Zusammenarbeit mit der deutschen Ethris ein. Die Münchner sind spezialisiert auf Kodierungstechnologien für Antikörper in der Lunge. Die beiden Unternehmen werden sich die Kosten für die Entwicklung teilen, ebenso wie die Einnahmen, sollten sie mir ihrer Covid-19-Therapie erfolgreich sein.

Therapien wird es auch mit einem Impfstoff noch brauchen

Das Schlieremer Startup zählt damit zu den Biotechunternehmen, die an neuen Covid-19-Therapien forschen.

Zur Zeit werden grosse Anstrengungen unternommen, um zu überprüfen, ob Medikamente, die für die Behandlung anderer Krankheiten zugelassen und kommerzialisiert sind, womöglich auch gegen Covid-19 wirken. So testet Roche in einer klinischen Studie, ob sein Arthritis-Medikament Actemra geeignet ist, ein Überschiessen des Immunsystems – wie es bei schweren Covid-19-Verläufen passiert – zu verhindern. Zudem läuft die Suche nach einem Impfstoff auf Hochtouren.

Neue Therapieansätze aber gibt es noch nicht so viele. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Covid-19 eine noch junge Krankheit ist und dass es ja immer einen Moment dauert, bis die Forschung so weit ist. Zudem ist bei den Therapien, anders als beim Impfstoff, schwierig abzuschätzen, wie gross der Bedarf auf lange Sicht sein wird, denn die Zahl der Covid-Patienten wird ja stark sinken, sobald ein Impfstoff verfügbar ist.

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«Wir glauben, dass es auch dann noch Therapien brauchen wird, wenn Impfstoffe verfügbar sind», sagt Fabian Buller. Denn es sei zu befürchten, dass gerade bei den besonders gefährdeten älteren Menschen die Immunantwort nach einer Impfung nicht immer ausreichen werde, um diese wirksam gegen eine Infektion mit Sars-CoV-02 zu schützen - für diese Patienten benötigen wir dann unbedingt wirksame Therapiemöglichkeiten.