Der US-Internetkonzern Facebook will sein Büro in Zürich deutlich ausbauen. Die Zahl der Angestellten in Zürich von derzeit 80 Mitarbeitern solle mehr als verdoppelt werden, sagte der neue Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Tino Krause, in einem Interview mit dem deutschen «Handelsblatt».

Die Facebook-Mitarbeitenden in Zürich seien heute vor allem im Bereich «Augmented Reality und Virtual Reality» tätig, sagte Krause. «Künftig werden dort mehr als doppelt so viele Menschen arbeiten, auch im Vertrieb», kündigte er an. Der US-Konzern ist in Zürich seit 2016 mit einer Niederlassung vertreten. Er hatte damals das kleine ETH-Spin-off «Zurich Eye» übernommen.

«Facebook muss sicherer werden»

Mit dem Ausbau in Zürich nehme auch die Bedeutung des deutschsprachigen Raums zu, sagte Krause im Interview. «Der deutschsprachige Raum ist für Facebook ein entscheidender Markt, nicht zuletzt, weil das Thema Datenschutz ganz entschieden von hier getrieben wird.» Der Schwerpunkt in Deutschland werde grossen Einfluss auf die Produktentwicklung in den USA haben, zeigte er sich überzeugt.«Meine Ambition ist ganz klar, dass unsere Region Vorreiter beim Thema Datenschutz ist.»

Bezüglich Datensicherheit ändere sich Facebook gerade «radikal», versicherte der Facebook-Manager. In diesem Jahr würden 3,7 Milliarden Dollar in die Sicherheit investiert, 30'000 Menschen kümmerten sich um Sicherheitsthemen. Das sei auch den Mitarbeitenden bewusst: «Jeder weiss: Facebook muss sicherer werden.»

Der US-Konsumentenschutzbehörde FTC, die Facebook im Sommer mit 5 Milliarden Dollar gebüsst hatte, habe der Konzern zugesagt, die Plattform und die «Abermillionen Zeilen Programmiercode» noch stärker auf Schwachstellen zu untersuchen. Das wirke sich auch auf den einzelnen Mitarbeiter aus. «Jeder wird sich per Unterschrift auf einem internen Dokument verpflichten müssen, die Daten und die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen - bei allem, was er tut und entwickelt.»

Fortschritte bei Hasskommentaren und Fake News

Krause zeigte sich zudem gegenüber Regulierung im Zusammenhang mit «politischer Werbung» und «Hassrede» offen. Da könne Facebook allerdings auch etwas vorzeigen. «Allein im ersten Vierteljahr 2019 haben wir zum Beispiel in Deutschland 160'000 Hasskommentare gelöscht.»

70 Prozent davon entdecken Facebook inzwischen mithilfe neuer Technologien wie maschinellem Lernen, Computer Vision und Künstlicher Intelligenz. «Wir warten nicht mehr, bis jemand uns auf unzulässige Inhalte hinweist, sondern finden sie selbst.» Zudem arbeiteten das Recherchezentrum Correctiv und die Nachrichtenagentur dpa als «externe Faktenchecker» für Facebook, die die Verbreitung von Falschmeldungen verhindern.

Nach dem Attentat von Christchurch, das der Attentäter über Facebook übertragen hatte, kooperiere das Unternehmen auch mit Strafverfolgungsbehörden in den USA und Grossbritannien, um seine Künstliche Intelligenz (KI) zu trainieren. Zudem seien die Regeln für die Facebook-Live-Funktion verschärft worden. Aber Facebook sei «nicht allmächtig». «Wenn Leute mit krimineller Energie Inhalte verbreiten wollen, ist dies ein ständiger Wettlauf, dem wir uns stellen.»

(awp/gku)

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