Die Bewertung befindet sich damit zwei Stufen über "Zahlungsausfall". Hintergrund ist die Frage, ob Russland aufgrund der Finanzsanktionen wegen des Einmarschs in die Ukraine fällige Zinszahlungen aus Staatsanleihen bedienen kann.

S&P sieht die Zahlungsfähigkeit Russlands gefährdet. Das Land sei "sehr anfällig für Zahlungsausfälle", urteilten die Bonitätsprüfer. Dem stehen Medienberichte gegenüber, wonach die an den Zinszahlungen beteiligten Banken entsprechende Überweisungen weitergeleitet haben.

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Die Angelegenheit ist kompliziert, da die betroffenen russischen Anleihen in Dollar aufgelegt wurden und Zinszahlungen daher normalerweise in Dollar fliessen müssen. S&P bemerkt dazu, dass ein Zahlungsausfall festgestellt werden könnte, wenn Investoren keinen Zugriff auf ihr Geld haben oder Zahlungen in einer Währung erfolgten, die nicht in den Bedingungen aufgeführt sind und der Investor der alternativen Zahlung nicht zustimme.

Russland will mit Rubel bezahlen

Die russische Regierung hat signalisiert, Zinszahlungen in Rubel zu tätigen, falls Zahlungen in US-Dollar aufgrund von Finanzsanktionen nicht möglich sind. Experten verweisen darauf, dass ein solcher Zahlungsausfall Russlands vor allem technischer Natur wäre. Denn grundsätzlich hätte das Land die Mittel, um Zinsen aus seinen Staatsschulden zu bezahlen. Ein Grossteil der Mittel ist aber aufgrund von Sanktionen blockiert.

Ungeachtet dessen können Probleme in der Zahlungsabwicklung auftreten, da zahlreiche russische Banken vom internationalen Zahlungsinformationssystem Swift ausgeschlossen wurden. Drastische Folgen für das internationale Finanzsystem im Fall eines russischen Zahlungsausfalls sehen die meisten Experten wegen der vergleichsweise geringen Auslandsverschuldung Russlands bisher nicht.