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Fifa: Englische Medien erklären Blatter zum Saubermann

Fifa-Chef Blatter: Sein Kommunikationschef will sich nicht äussern. (Bild: Keystone)
Ender der Woche trifft sich das Exekutivkommittee des Weltfussballverbandes in Zürich. Englische Medien lassen Fifa-Chef Sepp Blatter schon jetzt glänzend dastehen.
von am

Am Donnerstag und Freitag tagt das Exekutivkommittee (ExCo) des Weltfussballverbandes Fifa in Zürich. Es ist das erste Treffen der Fussballweltregierung seit der Wiederwahl von Joseph «Sepp» Blatter am 1. Juni zum Fifa-Präsidenten. Im Mai, kurz vor dem Wahltag, hatte die Fifa den einzigen Blatter-Konkurrenten ums Präsidium, Mohammed Bin Hammam aus Qatar, wegen angeblicher Bestechungsversuche lebenslang gesperrt.

Am Wahlkongress in Zürich hat Blatter einschneidende Reformen für die Fifa angekündigt. Nun ist es soweit. Nach der zweitägigen Sitzung will Blatter am Freitag der Öffentlichkeit verschiedene Reformen ankündigen, die Korruption innerhalb der Fifa in Zukunft verhindern sollen.

Englische Medien wie die BBC oder «The Telegraph» berichten bereits jetzt über eine konkrete angebliche Rechtsumkehr von Blatter, insbesondere im Fall der Sportrechtevermarkterin ISL. Blatter wolle dem ExCo beantragen, eine Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft zu veröffentlichen, heisst es dort. Sollte das ExCo diesem Vorhaben zustimmen, wolle Blatter beim Gericht die Publikation des geheimen Strafdokuments beantragen.

Doch bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Berichte als Versuch, Blatter als neuen Saubermann der Fifa zu präsentieren.

Kein Einblick in die Einstellungsverfügung

Zur Erinnerung: Die Sportrechtevermarkterin ISL in Zug war langjährige Geschäftspartnerin der Fifa. Sie handelte mit Fernseh- und Marketingrechten an Fussball-Weltmeisterschaften, doch 2001 ging sie Konkurs. Bald darauf wurde publik, dass die ISL während Jahren insgesamt rund 140 Millionen Franken Schmiergelder an Sportfunktionäre bezahlt hatte, darunter an mehrere Fifa-Offizielle.

Die Justiz ermittelte. Im Strafverfahren mitbeschuldigt war die Fifa als Organisation, der Blatter seit 1998 als Präsident vorsteht, nachdem er 17 Jahre lang als Generalsekretär deren Nummer zwei war. Der Fifa wurde vorgeworfen, von den Schmiergeldzahlungen gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben, wie aus der damaligen Pressemitteilung der Zuger Staatsanwaltschaft hervorgeht.

Zwei Fifa-Funktionäre und die Fifa zahlten bis Mai 2010 insgesamt 5,5 Millionen Franken zurück, damit das Strafverfahren gegen sie wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung eingestellt wird.

Nach der Einstellung des Verfahrens beantragte die «Handelszeitung» Einblick in die Einstellungsverfügung. Zweimal gab die Zuger Staatsanwaltschaft grünes Licht dazu, zweimal erhoben die Fifa-Anwälte Einspruch dagegen – zuletzt am 24. Mai 2011, eine Woche vor der Wiederwahl von Blatter. Der Fall ist nun beim Zuger Obergericht hängig. Weltmedien wie BBC oder New York Times haben sich dem Verfahren inzwischen angeschlossen.

ISL nicht auf der Tagesordnung

Die aktuellen Medienberichte aus England enthalten nun Ungereimtheiten. So braucht die Fifa keine Zustimmung des Gerichts, um die Einstellungsverfügung öffentlich zu machen. Als damalige Partei im Strafverfahren besitzt sie das Dokument und kann es jederzeit jedermann zugänglich machen. Stutzig macht auch die Aussage, wonach Blatter eine Zustimmung des ExCo benötigt.

Nach Aussagen des damaligen ExCo-Mitglieds Bin Hammam wusste im Gremium niemand, dass die Fifa mit Hilfe ihrer Anwälte eine solche Veröffentlichung gerichtlich bekämpft. Das ExCo wurde also nie befragt, ob man gerichtlich gegen eine Veröffentlichung vorgehen soll oder nicht. Warum soll es nun anders sein bei der Frage, ob man den Widerstand aufgeben soll oder nicht?

Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Er verwies auf die Pressekonferenz von Freitag. Aber ein Blick in die Traktandenliste der zweitätigen Sitzung der Fussballregierung zeigt: Die Causa ISL ist als Thema gar nicht aufgeführt.

(tno)

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