Skip to main content

Lufthansa trennt sich von Sorgenkind BMI

British Midland (im Bild: Airbus 330) belastete das Lufthansa-Ergebnis. (Bild: BMI)
Die deutsche Fluggesellschaft verkauft British Midland an den Mutterkonzern von British Airways. Auch nach der Einigung sind für Lufthansa allerdings noch nicht alle Sorgen vom Tisch.
von am

Die Lufthansa wird ihr Sorgenkind British Midland (BMI) an die Mutter von British Airways los. Die International Airlines Group (IAG) , in der sich die britische Fluggesellschaft mit der spanischen Iberia zusammengeschlossen hat, erhielt den Zuschlag für die verlustreiche BMI. Der zweite Interessent, der Konkurrent Virgin Atlantic des britischen Milliardärs Richard Branson, geht leer aus - sofern die Wettbewerbshüter das Geschäft genehmigen. Trotz des Bieterwettkampfs wird die Lufthansa für BMI allerdings kein Geld bekommen.

Der Bruttopreis beträgt zwar 172,5 Millionen britische Pfund, wie Europas grösste Fluggesellschaft in Frankfurt mitteilte. Doch im Kaufvertrag wurden so viele negative Faktoren vereinbart, dass die Lufthansa BMI nach eigener Darstellung nur mit einem deutlichen Verlust los wird.

Etliche Hürden in den Verkaufsverhandlungen

Der Dax-Konzern übernimmt den Pensionsfonds von BMI - und damit erhebliche Lasten, die die Verkaufsverhandlungen zuvor erschwert hatten. Ausserdem ist offen, ob er die Regionalflugsparte von BMI und den Billigflieger BMI Baby vor dem Vollzug des Geschäfts noch separat verkaufen kann. Dies würde das Minus verringern. Trotzdem soll sich der BMI-Verkauf für die Deutschen nach rund einem Jahr rechnen. Bereits im ersten Quartal 2012 wollen die Vertragspartner das Geschäft abschliessen.

Die Lufthansa stehe künftig finanziell besser da, machte ihr Vorstandschef Christoph Franz deutlich. Dies sei eine Voraussetzung, damit der Konzern in Zukunft profitabel wachsen könne. Für BMI und ihre Mitarbeiter bedeute der Verkauf an IAG die nachhaltigste Zukunftsperspektive. IAG-Chef Willie Walsh kündigte allerdings an, Arbeitsplätze bei BMI zu streichen. Dies sei angesichts der anhaltenden Verluste unvermeidlich. Derzeit beschäftigt BMI 3600 Mitarbeiter.

Anleger honorieren die Transaktion

Am Aktienmarkt wurde die Mitteilung mit Kursgewinnen quittiert. Die Lufthansa-Aktie sprang bis zum frühen Nachmittag in einem freundlichen Umfeld um 1,2 Prozent in die Höhe. Die Konditionen des Vertrages seien zwar weitgehend bekannt gewesen, sagte ein Händler. Dennoch helfe der Abschluss nun dem Aktienkurs. IAG-Papiere legten um 2,48 Prozent zu.

Die Lufthansa trennt sich mit BMI von einem jahrelangen Verlustbringer. Der Konzern hatte die Gesellschaft Mitte 2009 übernommen und seither nicht in die Gewinnzone gebracht. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres flog die Tochter einen operativen Verlust von 154 Millionen Euro ein - das sind 71 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dem Unternehmen machten zuletzt unter anderem die Unruhen in Nordafrika zu schaffen.

Kartellbehörden dürften aktiv werden

Für die British Airways-Mutter IAG sind vor allem die zahlreichen Start- und Landerechte vom BMI am Londoner Flughafen Heathrow interessant. IAG erhält nach eigenen Angaben durch den Kauf bis zu 56 dieser so genannten Slots pro Tag zusätzlich. Der Standort Heathrow gilt als wichtiges Sprungbrett für die Transatlantik-Routen. Walsh stellte neue Langstreckenverbindungen vom Flughafen Heathrow in Aussicht. Am Regionalfluggeschäft von BMI und dem Billigflieger BMI Baby ist IAG hingegen nicht interessiert.

Beobachter gehen nun davon aus, dass sich die Kartellbehörden die Wettbewerbslage in Heathrow genau anschauen werden. Konkurrent Virgin kündigte bereits Widerstand an: Das Unternehmen werde die Kartellbehörden auffordern, den Deal zwischen Lufthansa und IAG zu stoppen. Virgin fürchtet, dass der Platzhirsch sonst übermächtig wird.

(vst/laf/awp)