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Statutenänderung: Klubs befürchten neue Fifa-Steuer

Weltweite Ausstrahlung: Mit der WM 2010 in Südafrika nahm die Fifa über 3,6 Milliarden US-Dollar ein.
Heute verdient die Fifa an jedem Länderspiel mit – bald sollen auch Klubmannschaften Geld abliefern.
von am

Im Glaspalast mit Blick auf den Genfersee herrscht helle Aufregung. Nur per Zufall erfuhr man am Hauptsitz der European Club Association in Nyon, dass die Fifa eine Statutenänderung plant, die es in sich hat. Sie trifft die europäischen Fussballvereine in ihrem Mark.

Der neue Passus kommt einer Umverteilung gleich – zugunsten des Weltfussballverbandes und auf Kosten der Klubs. Bisher verdiente die Fifa an jedem Länderspiel: Das Heimteam muss 2 Prozent des Umsatzes nach Zürich abliefern – zwei Prozent von Fernseh-, Marketing- und Ticketeinnahmen. Nur tatsächlich entrichtete Steuern dürfen von den Einnahmen abgezogen werden – bis zu 30 Prozent des Umsatzes.

Nun will Fifa-Präsident Sepp Blatter auch die Klubs zur Kasse bitten: «Die Fifa kann auf internationalen Spielen, an denen Klubmannschaften (...) beteiligt sind, (...) eine Abgabe verlangen», lautet der Entwurf aus der Fifa-Zentrale für den neuen Artikel 73 Absatz 2 der Statuten. Ende Mai sollen die 208 Landesverbände die neuen Statuten am Fifa-Kongress absegnen.

Fifa mit widersprüchlichen Angaben

Damit eröffnet sich der Fifa eine neue Einnahmequelle. Die European Club Association unter Vorsitz von Bayern-München-Chef Karl-Heinz Rummenigge befürchtet eine neue Fifa-Steuer. Per Brief hat er namens der 197 Mitgliedsvereine aus 53 Ländern der Fifa mitgeteilt, er sei mit der Statutenänderung nicht einverstanden und bitte um Klärung. Doch in Zürich hat man keine Zeit. Ein Treffen könne erst nach dem Kongress stattfinden, richtete die Fifa nach Nyon aus.

Nun will die European Club Association das Thema umgehend in einer Arbeitsgruppe und vor dem Kongress an einer Sitzung des Vorstandes diskutieren, in dem neben Bayern München auch die Topvereine AC Mailand, Barcelona, Manchester United, Real Madrid und zehn weitere Klubs vertreten sind.

Bei der Fifa selbst kommuniziert man in der heiklen Sache widersprüchlich. Einerseits sagt ein Sprecher: «Alle internationalen Spiele, inklusive Freundschaftsspielen zwischen Nationalmannschaften, Klubs und Ad-Hoc-Mannschaften, unterstehen der Regelung.» Andererseits sagt er auch, die Statutenrevision werde nichts am bestehenden Regelwerk ändern. Die Frage, warum es denn einer Statutenänderung bedürfe, wenn sich nichts ändere, liess die Fifa unbeantwortet.

Klubs warnen vor «Belastungsprobe»

Schon seit Jahren stehen gerade Europas grosse Fussballklubs im Dauerstreit mit dem Weltfussballverband. Sie kritisieren mangelnde Demokratie und zu wenig Rücksichtnahme auf Klubinteressen. Jahrelang mussten die Vereine zum Beispiel ihre Spieler gratis an die Nationalmannschaften abgeben. Folgte ein Spieler dem Aufgebot nicht, wurde er für sämtliche Spiele gesperrt. Wurde er in einem Länderspiel verletzt, mussten die Klubs als Arbeitgeber für die Behandlungskosten und den Lohn aufkommen.
Erst nachdem mehrere Klubs die Fifa bei den Wettbewerbsbehörden der EU angezeigt hatten, kam es zu einer Einigung: Nun entschädigt der Weltverband alle Klubs, deren Spieler an einer Fussball-Weltmeisterschaft teilnehmen.

Nichtsdestotrotz spart Rummenigge nicht mit klaren Worten für die Fifa: «Der klassische Fall von Missbrauch eines Monopols.» Der Verband in Zürich entscheide alles allein, ohne jegliche Rücksprache. Gebe es nicht bald Änderungen, komme es zur «Belastungsprobe».

Die Fifa kann ihre Regeln via Nationalverbände weltweit allen Vereinen aufzwingen, weil jeder Klub Mitglied eines Landesverbandes ist. Werden die Regeln nicht umgesetzt, droht dem Landesverband die Verbannung aus den Fussball-Wettbewerben, insbesondere der WM.

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