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Pensionierung mit 65 - nein danke!

Viele Menschen wollen nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters erwerbstätig bleiben. Je nach Situation kann ein Aufschub der Vorsorgeleistungen sinnvoll sein.
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Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen - hiess es einmal. Mittlerweile betrachten immer mehr Menschen nicht erst ihre Pension, sondern auch ihre Arbeit als Vergnügen. Nicht wenige wollen deshalb über das Rentenalter hinaus erwerbstätig bleiben. Doch was bedeutet dies für die Vorsorge? Auf jeden Fall lohnt es sich, diese auf die individuelle Situation abzustimmen und den Spielraum innerhalb der drei Säulen zu nutzen.

Der Faktor Lebenserwartung

Die AHV lässt sich um ein bis maximal fünf Jahre aufschieben. Wer eine Zeit lang auf die Rente verzichtet, bessert damit seine spätere Rente auf. Dabei muss man den Bezugszeitpunkt nicht im Voraus festlegen. Insbesondere wenn jemand in der Lage ist, den Lebensunterhalt auch ohne AHV-Rente gut bestreiten zu können, kann ein Rentenaufschub interessant sein. Entscheidend ist vor allem, mit welcher Lebenserwartung die Person rechnet und wie hoch ihr steuerbares Einkommen ist.

Denn je höher die Lebenserwartung, desto mehr spricht für einen Aufschub der Rente. Die dadurch erhöhten Rentenzahlungen fallen aber erst langfristig ins Gewicht. Dazu ein Beispiel: Ein Mann hat mit 65 Jahren eine jährliche AHV-Rente von 27360 Fr. zugute. Schiebt er diese hinaus und beginnt sie erst drei Jahre später zu beziehen, beträgt die Rente dadurch 32039 Fr. jährlich. Rein rechnerisch gesehen zählt sich das erst nach rund 20 Jahren - im Alter von 85 Jahren - aus (siehe Grafik).

Unter zusätzlicher Berücksichtigung der steuerlichen Belastung kann dies jedoch anders aussehen. Bezieht nämlich ein «Pensionär» gleichzeitig ein Erwerbseinkommen und eine AHV-Rente, hievt ihn dies zu seinen Ungunsten möglicherweise in eine höhere Progressionsstufe bei der Einkommenssteuer.

Indem der Pensionär die AHV-Rente erst bezieht, wenn sein Erwerbsauskommen kleiner wird oder ganz wegfällt, kann er in einem solchen Fall die Progression brechen und Steuern sparen.

Unabhängig davon, ob man die AHV-Rente mit 65 bezieht oder nicht: Wer erwerbstätig bleibt, muss weiterhin Beiträge an die 1. Säule zahlen - allerdings nur, wenn das Erwerbseinkommen höher ist als 1400 Fr. im Monat oder 16800 Fr. im Jahr. Die Beiträge werden nur von jenem Teil des Erwerbseinkommens erhoben, der diese Freibeträge übersteigt. Arbeitet ein Ruheständler für mehrere Arbeitgeber, gelten die Freibeträge für jedes Arbeitsverhältnis.

Reglement studieren

Bei der Pensionskasse stellt sich, wie bei der ordentlichen Pensionierung, die zentrale Frage, ob man einen einmaligen Kapitalbezug oder eine lebenslange Rente bevorzugt. Inwiefern bei einer Weiterführung der Berufstätigkeit der Aufschub der Auszahlungen bis spätestens fünf Jahre nach Erreichen des AHV-Rentenalters überhaupt möglich ist und wie die Altersleistungen in diesem Fall ausfallen, hängt vom Reglement der jeweiligen Pensionskasse ab (siehe Kasten).

Säule 3a flexibel nutzen

Den Bezug der Säule 3a können Frauen und Männer - solange sie über das ordentliche Rentenalter hinaus einer AHV-pflichtigen Erwerbsarbeit nachgehen - wie bei der AHV maximal fünf Jahre lang aufschieben. Während dieser Erwerbstätigkeit dürfen sie weiterhin steuerlich begünstigt in die Säule 3a einzahlen. Die Höhe des Einzahlungsbetrages richtet sich nach der generellen Regel: Wer noch Pensionskassen-Beiträge zahlt, darf den 3a-Beitrag von 6566 Fr. für 2010 einzahlen. Bezahlt man keine Pensionskassen-Beiträge mehr ein, liegt der Höchstbetrag bei 20% des Nettoeinkommens, maximal aber bei 32832 Fr. für 2010. Bei Wegfall der Erwerbstätigkeit kann man keine Einzahlungen mehr tätigen: Die Säule 3a muss aufgelöst werden.

Gestaltungsspielraum

Die Aufschübe bei der AHV, der Pensionskasse und der Säule 3a bieten Gestaltungsspielraum, um den Bezug der Vorsorgeleistungen möglichst vorteilhaft auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen. Um die Abwicklung sinnvoll aufzugleisen, empfiehlt es sich, seine Situation frühzeitig mit einer Fachperson zu durchleuchten und sich beraten zu lassen.

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